Handelsblatt-Frühindikator weiter auf Erholungskurs
Talsohle in Deutschland scheint erreicht

Der Handelsblatt-Frühindikator hat sich im November zum dritten mal in Folge auf jetzt 0,6 Prozent erholt. Damit hat er seit seinem Tiefstand vom August (- 0,4 Prozent) innerhalb von nur drei Monaten um einen vollen Prozentpunkt zugelegt. Das war zwar im wesentlichen dem starken Anstieg der Stimmungsindikatoren von ZEW und ifo zu verdanken. Vor allem die Ifo-Geschäftserwartungen der Industrie haben sich zuletzt drastisch verbessert: Im Oktober erreichten sie gesamtdeutsch gar den höchsten Stand seit 2 1/2 Jahren.

HB DÜSSELDORF. Das ist schon fast wieder verdächtig. Nach der Missweisung des Ifo-Geschäftsklimas im vergangenen Jahr ist jedenfalls nach wie vor eine gesunde Skepsis angebracht. Andererseits: Endlich hat sich auch die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage verbessert. Die schon seit fast einem Jahr wieder nach oben weisenden ZEW-Konjunkturerwartungen haben zwar im Oktober erst einmal eine Verschnaufpause eingelegt. Das muss aber nicht viel heißen, zumal die ZEW-Umfrage ählich wie ifo mittlerweile eine Verbesserung auch der aktuellen Lage signalisiert.

Die Nachfrage nach Industriegütern scheint ihre Talsohle sogar schon im Frühjahr durchschritten zu haben. Seit Jahresmitte hat sie sich deutlich stabilisiert, auch wenn ein eindeutiger Aufwärtstrend noch nicht erkennbar ist. Zuletzt hat sich der Export etwas besser entwickelt als die nach wie vor kraftlose Inlandsnachfrage, aber richtige Musik ist auch im Auslandsgeschäft noch nicht wieder drin. Wenn der im Frühjahrsgutachten erwartete Exportanstieg um 5,3 % im nächsten Jahr wirklich zustande kommen soll, muss sich jedenfalls noch einiges tun.

>> Tabellen: Gesamtdeutscher Frühindikator

>> Tabellen: Konjunkturbarometer Ost

Das gilt erst recht für den Privaten Konsum, für den die Institute immerhin einen realen Anstieg von 1,5% für 2004 vorgesehen haben. Bisher gibt es noch keinerlei Anzeichen dafür, dass den Leuten das Geld wieder lockerer in der Tasche sitzen würde. Im Gegenteil: Die Einzelhandelsumsätze sind im dritten Quartal nach zwischenzeitlicher Erholung wieder deutlich eingebrochen, und in den Auftragsbüchern der Konsumgüterhersteller überwiegen nach wie vor die roten Zahlen. Selbst wenn die Steuerreform doch noch vorgezogen werden sollte, ist mit einem Konsumrausch kaum zu rechnen,. Die Leute ahnen inzwischen, was noch alles an Belastungen auf sie zukommen wird, und werden sich so leicht kaum aus der Reserve locken lassen.

Um so wichtiger wäre es, wenn endlich die Inlandsinvestitionen wieder in Gang kämen. Davon kann leider bisher noch keine Rede sein. Die Nachfrage nach Investitionsgütern im Inland liegt immer noch am Boden, und bei der Baunachfrage sieht es noch viel schlimmer aus. Investitionen sind aber das A und O für jeden Aufschwung, vor allem wenn er dauerhaft sein soll. Die Rückgewinnung von Vertrauen ist deshalb derzeit die erste Politikerpflicht. Wenn endlich wieder Klarheit herrscht, wohin die Reise geht, kann bei den Investitionen sehr rasch alles wieder anders aussehen.

Noch ist der Aufschwung also keineswegs in trockenen Tüchern, auch wenn der Konjunkturhimmel unverkennbar aufgerissen ist. Wenn alles gut geht, sollten wir den Tiefpunkt der Entwicklung spätestens zum Jahresende überwunden haben.

Seite 1:

Talsohle in Deutschland scheint erreicht

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%