Handelsblatt-Indikator
Deutschland frühjahrsmüde

Stark gestartet, um dann stark nachzulassen: Die deutsche Wirtschaft legt nach dem guten Jahresbeginn wohl ein schwaches zweites Quartal hin. Der Handelsblatt-Barclays-Indikator sagt einen Rückgang des BIP um 0,5 Prozentpunkte voraus.

FRANKFURT. Der deutschen Wirtschaft steht nach dem kräftigen Start ins Jahr ein Rückprall bevor. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte im zweiten Quartal um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurückgehen. Das prognostiziert der Handelsblatt-Barclays-Indikator, den die britische Investmentbank Barclays Capital monatlich exklusiv für diese Zeitung berechnet. Auch für die Euro-Zone sagt die Bank einen Rückgang vorher, der mit minus 0,1 Prozent aber geringer ausfallen dürfte.

Im ersten Quartal war die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone noch um 1,5 Prozent gewachsen – und hatte damit die Erwartungen aller Konjunkturbeobachter weit übertroffen. Auch der gesamte Währungsraum hatte mit 0,8 Prozent ein sattes Plus erzielt. Dafür hatten unter anderem Sonderfaktoren gesorgt, die nun im zweiten Quartal zurückdrehen dürften. Das erkläre für Deutschland und auch für den Euro-Raum die Schwäche im laufenden Quartal, argumentiert Barclays-Capital-Experte Nick Matthews.

Dass die deutsche Wirtschaft ihr Wachstumstempo nicht durchhalten würde, hatte sich bereits in den letzten Wochen an schwachen Konjunkturdaten vorhersehen lassen. „Sie signalisieren im Trend ein verlangsamtes Wachstumstempo“, so Matthews. Insbesondere die Industrieproduktion deute darauf hin. Sie war im April überraschend deutlich um 0,8 Prozent im Vergleich zum März zurückgegangen. Spürbar rückläufig war dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge die Erzeugung im Bauhauptgewerbe mit einem Minus von knapp drei Prozent. Bereits im März war dieser Sektor – der aufgrund des milden Wetters zu Jahresbeginn noch geboomt hatte – um 13,1 Prozent regelrecht eingebrochen.

Aus Sicht von Barclays Capital wird dieser Trend zunächst anhalten. Sie gehen davon aus, dass die Industrieproduktion auch im Mai gesunken ist. Im gesamten zweiten Quartal wird sie den Berechnungen zufolge um mehr als ein Prozent gegenüber dem Vorquartal zurückgehen. Auch die Auftragseingänge der Industrie waren im April aufgrund der schwachen Auslandsnachfrage wiederholt zurückgegangen. Dennoch betonten Verbände wie der BDI und zahlreiche Ökonomen, dass das Auftragspolster der Firmen weiterhin dick und die Produktion bis weit in das Jahr hinein abgesichert sei.

Dass die deutsche Wirtschaft an Fahrt verlieren wird, dürfte trotz der Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Unternehmen angesichts vieler Risiken nicht zu verhindern sein, etwa der Inflation. Die Bundesbank rechnet für Deutschland für 2008 im Jahresdurchschnitt mit einer Teuerungsrate von drei Prozent. Dass die Wirtschaft wie für das Frühjahr prognostiziert erneut schrumpfen könnte, erwarten Experten aber nicht. Das Wachstum werde im zweiten Halbjahr zwar unter dem Trend liegen, so Matthews, schon im dritten Quartal dürfte es aber wohl wieder positiv sein.

Barclays Capital ist etwas zuversichtlicher für die zweite Jahreshälfte als die Bundesbank. Denn sowohl die britische Investmentbank als auch die Bundesbank sagen für 2008 ein kalenderbereinigtes Wachstum von zwei Prozent und ein nicht kalenderbereinigtes von rund 2,3 Prozent vorher. Für das zweite Quartal ist die Bundesbank in ihrer neuen Prognose mit minus 0,3 Prozent aber weniger pessimistisch als der Handelsblatt-Barclays-Indikator.

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