Handelsblatt-Indikator: Wachstumsverlangsamung im dritten Quartal
Konjunktur in der Euro-Zone lahmt

Die Konjunktur in der Euro-Zone steht vor einer deutlichen Abkühlung. Der Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator signalisiert im Juni für das dritte Quartal nur noch ein Wirtschaftswachstum in gleitender Jahresrate von 1,5 Prozent nach revidiert 1,7 Prozent im laufenden zweiten Quartal. Damit hat sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr niedriger sein wird als im vergangenen mit 1,7 Prozent.

HB/ari DÜSSELDORF. Noch im Mai hatte die vorläufige Prognose des Handelsblatt-Indikators für den Zeitraum Juli bis September auf 1,8 Prozent gelautet und damit wesentlich freundlicher ausgesehen als jetzt. Dies ließ auf eine etwa gleichbleibende Konjunkturdynamik im Sommerhalbjahr hoffen. Doch die in jüngster Zeit auf breiter Front enttäuschende Einzelindikatoren – von Verbrauchervertrauen bis zu den Auftragseingängen bei der Industrie – machten diese Hoffnung zunichte. Außerdem wurde der Handelsblatt-Indikator durch eine rückwirkende Revision der Wachstumszahlen belastet. Sie haben das Niveau des Indikators in den vergangenen Quartalen gesenkt.

In gleitender Jahresrate stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Euro-Zone im ersten Quartal um 1,7 Prozent. Das Wachstum war damit etwas schwächer als vom Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator mit 1,8 Prozent vorausgesagt. Die gleitende Rate misst die Veränderung des realen BIP in den vergangenen vier Quartalen gegenüber den vorherigen vier Vierteljahren. Am Jahresende ist sie mit dem Wirtschaftswachstum im Gesamtjahr identisch.

Für Ulrich van Suntum, der Volkswirtschaftslehre in Münster lehrt, zeichnet sich derzeit für die Euro-Zone im Gesamtjahr ein Wachstum von „bestenfalls 1,4 Prozent“ ab. Van Suntum hat die Handelsblatt-Frühindikatoren entwickelt und berechnet sie laufend. „Sollte sich der Negativtrend in Produktion und Industrienachfrage in den kommenden Monaten weiter fortsetzen, könnte es auch noch weniger werden“, sagt der Ökonom.

Mit dieser düsteren Einschätzung ist er nicht alleine: Die Expertengruppe des Eurosystems hat in der vergangenen Woche ihre Projektionen für das Wachstum in diesem Jahr um einen Zehntelpunkt auf 1,1 bis 1,7 Prozent gesenkt, wie die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem Juni-Monatsbericht mitteilte. Die Projektionen werden von Fachleuten der EZB und der nationalen Zentralbanken des Euro-Währungsgebiets gemeinsam erstellt und fließen halbjährlich in die Beurteilung der Wirtschaftsentwicklung durch den EZB-Rat ein.

Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) prognostiziert mit 1,2 Prozent Wachstum in diesem Jahr für die Wirtschaft im Euro-Raum eine wesentlich schwächere Dynamik als im vergangenen Jahr. „Für die dringend nötige Erholung am Arbeitsmarkt droht 2005 damit zu einem weiteren verlorenen Jahr zu werden“, sagt van Suntum.

Der Negativtrend macht sich inzwischen nicht mehr nur in den Stimmungsbarometern, sondern auch in den harten Konjunkturdaten bemerkbar. Laut van Suntum ist die Industrieproduktion der Euro-Zone in den vergangenen sechs Monaten saisonbereinigt um insgesamt 1,1 Prozent gesunken, die Auftragseingänge hätten im gleichen Zeitraum um ein Prozent nachgegeben. „Die Zahlen deuten darauf hin, dass der Höhepunkt der Konjunktur – sofern man davon angesichts des schwachen Wachstums überhaupt sprechen kann – Ende 2004 überschritten worden ist“, sagt der Wirtschaftsprofessor.

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