HB-Eurokonjunktur-Indikator in Seitwärtsbewegung
Aufschwung in der Euro-Zone verschiebt sich

Wann kommt der Aufschwung in der Euro-Zone? Nicht so bald wie allseits gehofft. Dem Handelsblatt- Eurokonjunktur-Indikator zufolge verschiebt sich die Erholung weiter in die Zukunft.

Der Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator lässt auch im Juli keine Trendwende erkennen. Trotz aktuell leicht verbesserter Konjunkturdaten verharrte er im Juli unverändert gegenüber den beiden Vormonaten auf 1,2%. Dies deutet auf eine weiterhin schwache Konjunktur für den Rest des Jahres hin. Für das zweite und dritte Quartal lässt der Indikator jeweils ein Wachstum von 1,2% gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal erwarten. Im Jahresverlauf wäre das kaum mehr als eine Stagnation. Auch die Gefahr eines neuerlichen Konjunkturrückschlages ist noch nicht völlig gebannt, wenngleich die jüngsten Einzeldaten diesbezüglich eine gewisse Entwarnung geben.

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So haben sich erstmals seit zehn Monaten gleichzeitig das Industrie- und das Konsumentenvertrauen im Euroraum verbessert, wenngleich jeweils nur geringfügig um einen Punkt. Zuletzt war das im September letzten Jahres der Fall gewesen, wobei damals aber schon im folgenden Monat wieder der Pessimismus die Oberhand gewonnen hatte. Auch die aktuelle Stimmungsverbesserung könnte sich leicht als Eintagsfliege erweisen, zumal sie keineswegs alle Länder erfasste. So blieb das Industrievertrauen in Deutschland auch im Juni unverändert schlecht, und in vier von zwölf Ländern der Eurozone ist es sogar weiter gesunken. Ähnlich unterschiedlich ist die Entwicklung beim Verbrauchervertrauen, wo Deutschland den massiven Einbruch vom Mai aber zumindest wieder wettmachen konnte.

Die Industrieproduktion soll sich laut Eurostat im April wieder etwas erholt haben, nachdem sie im Vormonat stark eingebrochen war. Viel Verlaß ist auf diese Angaben aber nicht, denn sie werden nachträglich oft stark revidiert. So ist aus dem ursprünglich von den Luxemburger Statistikern errechneten Rückgang von 1,2% im März jetzt nur noch ein Minus von 0,7% geworden. Gut möglich also, daß auch anstelle des vorab veröffentlichten Anstiegs von 0,4% für April im nächsten Monat wieder eine ganz andere Zuwachsrate genannt wird. Man sollte sich in Luxemburg überlegen, welchen Sinn unter diesen Umständen die frühzeitige Veröffentlichung von Produktionszahlen auf der Basis nur eines Teils der Euroländer macht. Wesentlich zuverlässiger ist der mittelfristige Produktionstrend, der für den Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator berechnet wird. Dieser ist in den letzten Monaten zunehmend nach unten abgekippt und war zuletzt mit –0,3% sogar wieder negativ.

Insgesamt dümpelt die Euro-Konjunktur weiter vor sich hin. Das Konjunkturtal zieht sich immer weiter in die Länge und dürfte in diesem Jahr wohl auch nicht mehr verlassen werden. Die Geldpolitik dürfte mit der jüngsten Zinssenkung ihr Pulver inzwischen weitgehend verschossen haben, zumal die Geldmenge mit immer höheren Monatsraten wächst. Andererseits besteht derzeit auch keine Deflationsgefahr, auch wenn die Inflationsrate im Euroraum im Mai erstmals seit August letzten Jahres wieder knapp unter 2% gelegen hat. Es heißt also weiter abwarten und Tee trinken. Der nächste Aufschwung kommt bestimmt...

Die aktuelle Entwicklung der Einzelindikatoren:

  • Das

    Industrievertrauen

    im Euroraum (Gewicht 15%) hat sich im Juni erstmals seit neuen Monaten wieder leicht verbessert, wenn auch nur um einen Punkt gegenüber dem Vormonat (-12 nach -13 Punkten). Von den drei in den Index eingehenden Einzelfragen hat sich allerdings nur die Beurteilung der Produktionsaussichten in den nächsten Monaten verbessert. Die Bewertung von Auftragseingängen und Lagerbeständen blieb dagegen unverändert schlecht.
  • Das

    Konsumentenvertrauen

    (Gewicht 15%) konnte sich im Juni leicht von –20 auf –19 Punkte erholen, blieb damit aber immer noch um 8 Punkte unter seinem langjährigen Mittelwert. Immerhin scheinen wir den Stimmungstiefpunkt mit –21 Punkten im März gesehen zu haben. Alle vier in den Index eingehenden Teilfragen hinsichtlich ihrer Einschätzung der künftigen Entwicklung beantworteten die Verbrauche zuletzt etwas optimistischer als im Monat zuvor.
  • Die

    Industrieproduktion

    (Gewicht 25%) ist laut Eurostat im April um 0,4% gegenüber März gestiegen, nachdem sie zuvor um (revidierte) 0,7% gesunken war. Bemerkenswert ist, daß der Zuwachs trotz eines markanten Produktionsrückgangs um 1,1% in Deutschland, der mit Abstand größten Volkswirtschaft im Euroraum, zustande kam. In der EU insgesamt war das Produktionswachstum allerdings mit 0,8% doppelt so hoch.
  • Die

    Geldmenge M1

    (Gewicht 30%) hat ihr Wachstum nochmals beschleunigt und lag im Mai ersten Schätzungen zufolge um 11,8% über dem Vorjahresstand. Nicht ganz so rasant entwickelte sich mit einem Plus von 8,6% die weiter abgegrenzte Geldmenge M3. Auch saisonbereinigt beschleunigte sich im Mai der Geldmengenzuwachs weiter, obwohl die jüngste Leitzinssenkung da noch gar nicht wirksam war.
  • Die

    Inflationsrate im Euroraum

    (Gewicht 15%) ist weiter auf dem Rückzug. Nach 2,1% im April sank sie im Mai mit 1,9% erstmals wieder unter die mittelfristige Zielmarke der EZB. Auch die Erzeugerpreise der Industrie sind im April und Mai jeweils leicht gesunken. Trotzdem besteht keine akute Deflationsgefahr; für Juni erwartet Eurostat wieder einen leichten Anstieg der Inflationsrate auf 2%.
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