Im zweiten Quartal gewinnt die Konjunktur stärker an Fahrt
Wachstum im Euro-Raum zieht an

Und sie bewegt sich doch: Trotz des Höhenflugs des Euros hat die Konjunktur in der Euro-Zone die Schwächephase der vergangenen zwei Jahre überwunden und wird im zweiten Quartal spürbar an Tempo gewinnen – das ist das Ergebnis des Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikators im März.

ost/HB DÜSSELDORF. Das Barometer, das der Konjunktur zuverlässig um etwa drei Monate vorausläuft, zeigt: Zwischen April und Juni dürfte die Wirtschaftsleistung so stark wachsen wie seit Ende 2001 nicht mehr.

Für das zweite Quartal signalisiert der Indikator ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Euro-Raum von 1,7 % in gleitender Jahresrate (Definition siehe Kasten). So gut lief die Konjunktur zuletzt im vierten Quartal 2001. „Nach einem schwachen Start ins neue Jahr wird die Konjunktur im Euro-Raum im Frühjahr endlich an Fahrt gewinnen“, sagt Ulrich van Suntum, Ökonomie-Professor an der Universität Münster. Er hat den Indikator konzipiert und berechnet ihn monatlich.

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Obwohl die kurzfristigen Konjunktur-Aussichten für die Euro-Zone derzeit so gut sind wie seit langem nicht mehr, gibt es aber gleich zwei Wermutstropfen: Erstens dürfte die Wirtschaft in den ersten drei Monaten des Jahres langsamer in Gang gekommen sein, als es bislang den Anschein hatte – die Indikator-Prognose für das erste Quartal wurde recht deutlich nach unten korrigiert. Lag sie im Februar noch bei 1,1 %, sind es jetzt nur noch 0,7 %. Gegenüber dem vierten Quartal hat sich die Dynamik damit nur minimal beschleunigt. Damals ist das BIP um 0,5 % gestiegen. Dieses Plus hatte der Indikator sehr treffsicher vorhergesagt – seine Prognose lag bei 0,6 %.

Zweitens ist momentan noch ungewiss, ob der Wachstumsschub im zweiten Jahresviertel nur eine Eintagsfliege ist oder ob er den Beginn einer kräftigeren Erholung einläutet. Gegen Ende des zweiten Quartals zumindest dürfte sich das Wachstumstempo nicht weiter beschleunigen. Schließlich stagnierte der Indikator im März auf dem Niveau von 1,7 %, nachdem er im Februar deutlich gestiegen war.

„Kurzfristig sieht es für die Euro-Zone gar nicht so übel aus“, sagt van Suntum. „Den großen Durchbruch hat der Währungsraum aber noch nicht geschafft – und wie es in der zweiten Jahreshälfte weitergeht, steht derzeit noch in den Sternen.“ Bankenvolkswirte befürchten, dass die deutliche Aufwertung des Euros ab dem Sommer stärkere Bremsspuren hinterlassen wird – denn dann laufen viele Währungssicherungsgeschäfte, mit denen sich Unternehmen gegen kurzfristige Wechselkursschwankungen schützen, aus. Zudem dürfte das Wachstum der Weltwirtschaft ab dem Sommer nachlassen, weil in den USA die positiven Effekte der Steuersenkungen abebben.

Trotz dieser Risiken spricht sich van Suntum aber gegen eine lockerere Geldpolitik im Euro-Raum aus. „Angesichts des starken Wachstums der Geldmenge kann von einem Liquiditätsmangel keine Rede sein“, betont er. Zwar hätten vor allem mittelständische Unternehmen derzeit große Schwierigkeiten, Kredite zu bekommen. „Das liegt aber meist an mangelnder Rentabilität und steigendem Risikobewusstsein der Banken – und nicht an der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank“, sagt der Ökonom. „Eine Leitzinssenkung wäre daher weder geldpolitisch noch konjunkturell angezeigt.“

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