Internationaler Vergleich
Wirtschaft erholt sich schneller

Schneller als gedacht gelingt Deutschlands Konzernen die Ertragswende. Dank des kräftigeren Aufschwungs könnte die Bundesrepublik 2009 doch noch die Defizitquote des Maastricht-Vertrags einhalten. Im internationalen Vergleich wird Deutschland sogar zur neuen Wachstumslokomotive.
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FRANKFURT/DÜSSELDORF. Trotz enttäuschender Produktionsdaten dürfte die deutsche Wirtschaft im laufenden Quartal kraftvoll wachsen. Das sagt der Handelsblatt-Barclays-Indikator vorher, den die Bank exklusiv für das Handelsblatt berechnet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird danach um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal zulegen – und damit stärker als gedacht. Für das Gesamtjahr hält die Bank nun einen Rückgang von nur noch 4,8 Prozent für möglich, falls auch das Schlussquartal gut verläuft.

Die offizielle Prognose der Bundesregierung liegt bisher noch bei minus sechs Prozent. Am Dienstag jedoch sprach Finanzminister Peer Steinbrück im Bundestag bereits von „fünf bis sechs Prozent“. Und das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) wird heute seine Wachstumsprognose, die bislang auch bei minus sechs Prozent lag, um rund einen Prozentpunkt nach oben korrigieren.

Den Wachstumsschub im zweiten Halbjahr erklären Volkswirte vor allem mit der Erholung der Industrie. Die Auftragseingänge waren zuletzt fünfmal in Folge gestiegen. Auch der deutsche Export kommt weiter auf Touren. Die Firmen verkauften im Juli den dritten Monat in Folge mehr Güter ins Ausland als im jeweiligen Vormonat. Die Ausfuhren stiegen um 2,3 Prozent, meldete das Statistische Bundesamt am Dienstag.

Das produzierende Gewerbe stellte im Juli zwar 0,9 Prozent weniger her als im Juni, meldete das Bundeswirtschaftsministerium ebenfalls am Dienstag. Dies widerspricht aus Expertensicht aber nicht dem insgesamt positiven Trend. Volkswirte rechnen im August mit einem deutlichen Produktionsplus – und erklärten den Produktionsrückgang im Juli unter anderem mit den frühen Sommerferien.

Dass sich die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone nach der heftigen Talfahrt schneller und kräftiger als angenommen erholt, dürfte ihr auch ein europäisches Defizitverfahren ersparen. Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft zeigen, dass Bund, Länder, Gemeinden und Sozialkassen im laufenden Jahr zusammen nur neue Schulden in Höhe von etwa 2,75 Prozent des BIP machen werden. Damit dürfte Deutschland dieses Jahr doch den Maastricht-Vertrag einhalten. Die Bundesregierung rechnet bislang offiziell mit einer Defizitquote von vier Prozent.

„Konjunktur und Arbeitsmarkt dürften sich besser als befürchtet entwickeln“, sagte IfW-Finanzexperte Alfred Boss. Infolgedessen müsse der Gesamtstaat deutlich weniger Kosten der Arbeitslosigkeit schultern als bislang gedacht. Zudem sei die gesamtwirtschaftliche Lohnentwicklung besser, so dass sich das Steueraufkommen und die Beiträge günstiger entwickelten.

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