Investmentbanken erwarten deutliches Gewinnplus
Quartalszahlen signalisieren Ende der Krise

Die in dieser Woche startende Quartalsberichtssaison verspricht Rekordzuwächse bei den Gewinnen der Unternehmen in den USA und in Europa. Allerdings dürfte die Dynamik in Amerika im kommenden Jahr schon wieder nachlassen.

HB NEW YORK/DÜSSELDORF. „Die Unternehmen werden für das dritte Quartal die höchsten Gewinnsteigerungen seit der Rezession ausweisen“, sagt Chuck Hill, Analysechef des Datendienstes Thomson First Call. Hier laufen die Ertragsschätzungen aller namhaften Investmenthäuser für die 500 größten börsennotierten US-Unternehmen zusammen. Hill schätzt, dass die Firmen im US-Aktienindex S&P 500 ihre Erträge um fast 20 % gegenüber dem dritten Quartal 2002 steigern. Damit fällt das Wachstum gut doppelt so hoch aus wie im zweiten Quartal. Die Zahlen belegen, dass die US-Unternehmen endgültig ihre Ertragskrise überwunden haben.

In Europa haben die Investmenthäuser zuletzt ihre Gewinnerwartungen angehoben. Auch bei den Ausblicken erwarten die Experten mehr Zuversicht als noch im zweiten Quartal. „Die Konjunkturdaten weisen deutlich nach oben, und der Irak-Krieg liegt hinter uns. Das sollte sich positiv niederschlagen“, sagt Tammo Greetfeld von der Hypo-Vereinsbank. Das zuversichtliche Bild wird dadurch gestützt, dass die Zahl der Gewinnwarnungen im Vorfeld der Quartalsberichte deutlich hinter den Werten des zweiten Quartals liegt.

Deutliche Zuwachsraten erwartet

Analysten der Investmentbanken erwarten nach Angaben des französischen Finanzdatenanbieters JCF bei den Unternehmen im Deutschen Aktienindex im laufenden Jahr ein Gewinnplus von 63 % und im kommenden Jahr von 37 %. Laut Ibes, wo ebenfalls Gewinnschätzungen zusammenlaufen, ergibt sich 2004 ein Plus von 52 %. Für die Unternehmen im Euro Stoxx werden Zuwachsraten von 45 % im laufenden und von 15 % im kommenden Jahr veranschlagt.

Die hohen Erwartungen an deutsche Unternehmen ergeben sich aus der niedrigen Ausgangsbasis. Konzerne wie die Allianz werden 2004 gut 200 % mehr verdienen, ohne an alte Wachstumsraten anzuknüpfen. „Die Zahlen für 2003 hören sich gut an, sind aber verzerrt. Um die Erwartungen für 2004 zu erreichen, muss sich die konjunkturelle Lage deutlich verbessern, was die Daten bislang nicht hergeben“, warnt Carsten Klude von M.M. Warburg.

Freude könnte bald getrübt werden

Auch in den USA könnte die Freude bald getrübt werden. „Die US-Firmen profitieren derzeit von einer idealen Mischung aus hohen Staatsausgaben, Steuergeschenken, Niedrigzinsen und einem günstigen Finanzmarktumfeld“, sagt Société- Générale-Analyst Dhaval Joshi, „diese perfekte Welt bleibt aber nicht ewig bestehen.“ So ist die Rückerstattung der Einkommensteuer an Millionen Familien bereits verpufft. Im August zogen die US-Einzelhandelsumsätze kräftig an, nachdem das US-Finanzministerium Steuerschecks verschickt hatte. „Im September fielen die Zuwachsraten jedoch wieder auf das mäßige Juli-Niveau zurück“, sagt Datenexperte Hill. Der Gewinnschub für Handelsriesen wie Wal-Mart und Bestbuy bleibt somit ein einmaliges Ereignis.

Das gerade angelaufene vierte Quartal könnte den Höhepunkt im US-Gewinnzyklus markieren, schätzen Analysten. Sie erwarten für diesen Zeitraum ein Ertragsplus von 21,5 % im Zwölfmonatsvergleich. Das liegt sogar über der Prognose für das dritte Quartal. Für das Gesamtjahr 2003 lautet das geschätzte Ertragsplus 16,9 %. Im nächsten Jahr dürfte das Wachstum mit 12,9 % weniger dynamisch ausfallen. Die jüngsten Schätzungen belegen die Ertragswende vieler US-Unternehmen. Sie verbuchten 2002 einen Gewinnzuwachs von nur 0,1 % und 2001 sogar einen Ertragseinbruch um 17,3 %.

HSBC-Chefstratege Jason James betont, dass die Gewinnsteigerungen der US-Firmen unverändert auf Kostensenkungen beruhen. Diese stoßen irgendwann an Grenzen. „Die Umsätze sind dagegen zuletzt fast gar nicht mehr gewachsen, wenn man Währungseffekte und den hohen Ölpreis herausrechnet“, sagt James. Das gilt etwa besonders für investitionsabhängige Branchen wie die Technologiebranche, die die Investitionszurückhaltung der US-Firmen zu spüren bekommt.

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