Keine Hoffnung auf schnellen Aufschwung
HB-Frühindikator: Konjunktur taumelt weiter

Für die deutsche Konjunktur ist noch immer kein Land in Sicht. Das Wirtschaftswachstum wird in den kommenden Monaten weiter um die Null-Linie herumkrebsen – dies signalisiert der überarbeitete Handelsblatt-Frühindikator. Das Konjunkturbarometer läuft dem deutschen Wirtschaftswachstum etwa drei Monate voraus.

HB DÜSSELDORF. Immerhin schaffte es der neue Indikator zum zweiten Mal in Folge wieder in den positiven Bereich: Für Juni signalisiert er ein Mini-Wachstum von 0,2 % in gleitender Jahresrate.

Im Dezember hatte der Indikator mit minus 0,6 % den tiefsten Stand seit mehr als neun Jahren erreicht. Mit Beginn des neuen Jahres setzte eine mühsame Erholung ein. „Das bedeutet aber noch keine wirkliche Wende“, warnt Ulrich van Suntum, Ökonomie-Professor an der Uni Münster, der den Indikator konzipiert und berechnet. Schließlich seien die jüngsten Daten zur Konjunktur-Lage überwiegend ernüchternd ausgefallen: In der Industrie und beim Bau gingen die Auftragseingänge zurück, auch die Einzelhandelsumsätze brachen ein. „Neben der konfusen Wirtschaftspolitik in Berlin lähmt vor allem der drohende Irak-Krieg die wirtschaftlichen Antriebskräfte“, sagt van Suntum. „Das Wort Dynamik kann ohnehin vorerst aus dem Konjunktur-Wortschatz gestrichen werden.“

Auch das Bundeswirtschaftsministerium sieht derzeit keine Hoffnung auf eine schnelle Erholung der deutschen Wirtschaft. „Insgesamt deuten die Konjunktursignale noch nicht auf eine unmittelbar bevorstehende Belebung der Wirtschaftsentwicklung hin“, meldet das Ministerium in seinem aktuellen Monatsbericht. Die Bundesregierung bleibe aber bei ihrer Prognose von 1 % Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr.

Der Handelsblatt-Frühindikator signalisiert für das erste Halbjahr einen leichten Wachstumsanstieg im ersten Halbjahr auf 0,5 % in gleitender Jahresrate. Van Suntum: „Nach der Beinahe- Rezession im vergangenen Jahr wäre das immerhin ein Hoffnungsschimmer.“

Der überarbeitete Handelsblatt-Frühindikator besteht aus fünf Einzelkomponenten. Die aktuellen Entwicklungen:

  • Die Auftragseingäng e im verarbeitenden Gewerbe (Gewicht: 42 %) sind im Dezember überraschend stark um 4,4 % eingebrochen. Hauptgrund waren die rückläufigen Exportaufträge, zudem trat die Inlandsnachfrage weiter auf der Stellte. Es bleibt zu hoffen, dass es sich bei dem Kollaps der Auslandsorders nur um einen Ausrutscher handelt und der zuletzt eher positive Trend intakt bleibt.
  • Die Nachfrage im Bauhauptgewerbe (Gewicht: 18,5 %) stagnierte im Dezember im gesamten Bundesgebiet auf niedrigem Niveau. Im Osten brachen die Bau-Aufträge um 12 % ein, in Westdeutschland stiegen sie aber um gut 4 %. Dieses Plus wurde allerdings ausschließlich aus dem Nicht-Wohnungsbau gespeist. Insgesamt wurde der niedrige Stand des Vorquartals im vierten Quartal nur knapp wieder erreicht.
  • Die Einzelhandelsumsätze (Gewicht: 10,5 %) gaben im Dezember ebenso wie im Vormonat weiter nach. Maßgeblicher Grund für das abermalige Minus von 1,8 % war die weiter abbröckelnde Nachfrage nach Kraftfahrzeugen, die ihre bisher stabilisierende Rolle inzwischen verloren hat. Auch bei anderen größeren Anschaffungen wie Möbeln und Einrichtungsgegenständen halten die Verbraucher sich weiter zurück.
  • Die Ifo-Geschäftserwartungen im verarbeitenden Gewerbe (Gewicht: 8 %) haben auch im Februar weiter nachgegeben. Mit –5,8 Punkten nach –3,8 im Januar lagen sie erstmals wieder unter ihrem entsprechenden Vorjahresstand. Damit war die Stimmung in der Industrie deutlich schlechter als in der gesamten gewerblichen Wirtschaft. Dort waren die Geschäftserwartungen auf –8,8 nach –9,1 Punkten im Januar gestiegen. Diese Daten fließen allerdings nicht in den Handelsblatt-Frühindikator ein.
  • Die ZEW-Konjunkturerwartungen, die ab März mit einem Gewicht von 21 % neu im Indikator vertreten sind, haben sich im Februar leicht um einen Zähler auf 15 Punkte verbessert. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) kommentierte die Entwicklung als ein Schwanken der befragten Finanzmarkt-Experten zwischen Hoffen und Bangen. Immerhin sind die ZEW-Erwartungen damit – anders als die Ifo-Erwartungen in der Industrie – seit zwei Monaten wieder aufwärts gerichtet.
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