Konjunkturgipfel bereits erreicht
Handelsblatt-Indikator: Der Euro-Konjunktur geht die Luft aus

Das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone dürfte zum Jahresbeginn 2005 etwas nachlassen. Das ist die Botschaft des aktuellen Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikators. Das Barometer ist im Dezember den dritten Monat in Folge gesunken. Der Frühindikator läuft der tatsächlichen konjunkturellen Entwicklung um drei Monate voraus.

pbs DÜSSELDORF. „Das würde bedeuten, dass der Konjunkturgipfel bereits erreicht ist“, sagt Ulrich van Suntum, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität in Münster. Van Suntum hat den Indikator entwickelt und berechnet ihn monatlich. Im dritten Quartal hat sich das Wachstum bereits merklich abgeschwächt. Für das dritte Quartal hat sich der Indikator als sehr treffsicher erwiesen. In gleitender Jahresrate entsprach die Prognose exakt der erzielten Wachstumsrate.

„Es ist allerdings durchaus möglich, dass sich die Abschwächung zu Jahresbeginn nur als vorübergehend erweist“, sagt der Ökonom. Das hänge entscheidend von der Weltkonjunktur, dem Eurokurs und der Ölpreisentwicklung ab. Der Euro hat zuletzt weiter an Wert gewonnen, während der Ölpreis etwas gesunken ist. Weil die Lohnabschlüsse aber bisher moderat geblieben sind, ist keine Lohn-Preis-Spirale in Gang gekommen.

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„Für ein Wachstum aus eigener Kraft gibt es dagegen nach wie vor nur wenig Hoffnung. Für dieses Jahr zeigt der Indikator lediglich ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,6 Prozent gegenüber dem vergangenen Jahr an. „Die wesentlich optimistischere Einschätzung des Sachverständigenrates von zwei Prozent wird man dagegen wohl in den Bereich der Fabel verweisen müssen“, sagt van Suntum.

Auch für 2005 rechnen die fünf Weisen mit einem Zuwachs um zwei Prozent. Dem Rat zufolge entspricht diese Rate ungefähr dem Potenzialwachstum – das ist die langfristige Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts bei normaler Auslastung der vorhandenen Kapazitäten.

Die Deutsche Bundesbank sieht die Wachstumsperspektiven für das kommende Jahr etwas pessimistischer: Sie rechnet mit 1,8 Prozent Wachstum. Die Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) erwartet 1,9 Prozent. 2003 war das BIP in der Euro-Zone gerade einmal um 0,5 Prozent gestiegen.

Auch wenn die Wachstumsunterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten weiterhin groß seien, entwickelten sich die Konjunkturverläufe zwischen ihnen zunehmen synchron, hat der Sachverständigenrat in seinem Jahresgutachten festgestellt.

Gemeinsam ist den meisten Ländern, dass der private Konsum hinter der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zurück bleibt. Die Erklärung dafür liefert die monatliche Umfrage unter Verbrauchern: Sie zeigt, dass die Angst vor Arbeitslosigkeit weiterhin hoch ist. Die anhaltend schlechte Stimmung von Konsumenten und Unternehmern hat auch den Dezember-Wert des Indikators belastet. Überdurchschnittlich hoch ist die Arbeitslosigkeit in Spanien, Deutschland und Frankreich. Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen dürfte sich in diesem Jahr etwas verbessert haben, erwartet der Sachverständigenrat.

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