Konjunkturschub
Deutsche Wirtschaft holt rasant auf

Dank guter Produktionszahlen kann die deutsche Wirtschaft für das vierte Quartal mit einem unerwartet starken Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) rechnen. Der Schlussspurt in diesem Jahr wird laut Handelsblatt-Barclays-Indikator zudem eine gute Ausgangslage für das kommende Jahr liefern. Dann dürfte die hiesige Wirtschaftsleistung noch deutlicher zulegen.
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FRANKFURT. Die deutsche Wirtschaft setzt ihre Aufholjagd dynamisch fort. Das produzierende Gewerbe verzeichnete ebenso wie die Exporteure im September deutliche Zuwächse. Damit deutet viel auf einen starken Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im abgelaufenen dritten Quartal hin. Auch im Schlussquartal 2009 dürfte die Wirtschaftsleistung in ähnlicher Größenordnung zulegen. Das signalisiert der Handelsblatt-Barclays-Indikator, den die Bank monatlich für das Handelsblatt exklusiv berechnet.

„Nachdem die deutsche Wirtschaft so tief eingebrochen war wie noch nie in der Nachkriegsgeschichte, erlebt sie nun das frühe Stadium einer klassischen V-förmigen Erholung“, sagt der Europa-Chefvolkswirt von Barclays Capital, Julian Callow. Die Industrieproduktion werde ihren Anstieg im vierten Quartal und auch in 2010 hinein fortsetzen. Im dritten Quartal dürfte der BIP-Zuwachs 0,9 Prozent betragen, im laufenden Schlussquartal noch 0,7 Prozent.

Auch die Volkswirte der Commerzbank und der Citigroup gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal weiter kräftig zulegen wird. Damit setzt die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone ihren Erholungskurs fort. Im Frühjahr war das BIP erstmals wieder gestiegen, nachdem es zuvor vier Quartale in Folge in zum Teil ungekanntem Ausmaß zurückgegangen war.

Angetrieben wird die deutsche Wirtschaft bei ihrer Aufholjagd von der Industrie, die die Krise besonders hart getroffen hatte. Die Produktion im produzierenden Gewerbe kletterte im September kräftig um 2,7 Prozent im Vormonatsvergleich, meldete das Bundeswirtschaftsministerium am Montag. Für August korrigierte das Haus den Anstieg auf knapp zwei Prozent nach oben. Vor allem die Hersteller von Investitionsgütern verzeichneten wegen starker Zuwächse im Maschinenbau und bei der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen einen Zuwachs von knapp sechs Prozent.

Den Produktionsschub verdanken die Unternehmen vor allem den Kunden im Ausland, die klassische Exportgüter wie Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge verstärkt nachfragen. Das lässt sich an den deutschen Exportzahlen ablesen, die das Statistische Bundesamt am Montag veröffentlicht hat. Im September sind die Ausfuhren um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat und damit unerwartet stark gestiegen. „Es geht Schritt für Schritt aufwärts“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Axel Nitschke. Besonders in China und dem arabischen Raum steige die Nachfrage nach deutschen Waren.

Trotz des starken zweiten Halbjahres wird das BIP im Gesamtjahr 2009 aber deutlich sinken. Barclays Capital rechnet mit einem Rückgang von 4,8 Prozent. Die meisten Volkswirte wie auch die Bundesregierung, die die Wachstumsprognose aus dem Herbstgutachten übernommen hatte, erwarten einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von fünf Prozent.

Der Schlussspurt in diesem Jahr aber wird der deutschen Wirtschaft eine gute Ausgangslage für das kommende Jahr liefern. Dann dürfte sie schon allein dank des deutlichen Zuwachses in der zweiten Jahreshälfte 2009 zulegen. Aufgrund der großen Zuversicht der Unternehmen und der positiven Auftragsdaten der Industrie – die Orders waren zuletzt siebenmal in Folge gestiegen – hält Barclays-Capital-Chefvolkswirt Callow 2010 sogar einen Anstieg des BIP von rund 2,5 Prozent für möglich. Das wäre zwar deutlich mehr, als der Durchschnitt der Volkswirte mit 1,4 Prozent erwartet. „Am Jahresende 2010 wäre die Wirtschaftsleistung in Deutschland dennoch weit unterhalb des Niveaus, das sie im letzten Aufschwung Anfang 2008 erreicht hatte“, erklärt Callow.

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