Nur noch ein Wachstum von 0,6%
Handelsblatt-Frühindikator: Konjunkturaussichten bleiben trübe

Der Handelsblatt-Frühindikator lässt für das dritte Quartal nur noch ein Wachstum von 0,6% in gleitender Jahresrate erwarten.

HB DÜSSELDORF. Die vorläufige Vorhersage von 0,8% im letzten Monat musste vor allem wegen der sich weiter verschlechternden Stimmung in Deutschland entsprechend nach unten korrigiert werden. Damit liegt der Indikator bereits unter der Prognose im Frühjahrsgutachten von 0,7% für das Gesamtjahr 2005. Es ist zudem damit zu rechnen, dass der Indikator in den kommenden Monaten noch weiter sinkt. Damit kann eine Konjunkturerholung für das laufende Jahr wohl abgeschrieben werden. Wenn die vorgezogene Bundestagswahl Impulse bringen sollte, dann dürften sich diese konjunkturell frühestens im kommenden Jahr bemerkbar machen.

Der für viele überraschend starke Anstieg des BIP von saisonbereinigt 1% im ersten Quartal ist somit keineswegs als Beleg eines beginnenden Aufschwungs zu werten. Er muss auch vor dem Hintergrund des sehr schwachen Vorquartals gesehen werden. Ohne Berücksichtigung des – nicht leicht zu quantifizierenden - Arbeitstageeffektes war das reale BIP im ersten Quartal nicht höher als im entsprechenden Vorjahresquartal. In gleitender Jahresrate ist das Wachstum gegenüber dem Vorquartal sogar von 1,6% auf 1,1% zurückgegangen. Die entsprechende Prognose des Handelsblatt-Frühindikators von 1,3% in gleitender Jahresrate wurde also noch unterschritten. Und für den weiteren Jahresverlauf lässt der Indikator eine weitere Abschwächung des Wachstumstrends auf 0,8% im zweiten und 0,6% im dritten Quartal erwarten. Von einem Aufschwung gibt es also bisher keine Spur.

Das liegt nicht zuletzt auch an der düsteren Stimmung im Lande. Im Gegensatz zu den jüngsten EU-Umfragen deuten sowohl die ifo-Geschäftserwartungen im Verarbeitenden Gewerbe als auch der ZEW-Finanzmarkttest auf eine weitere Konjunktureintrübung hin. Die Geschäftserwartungen sind schon seit April im Saldo negativ und haben ihren Abwärtstrend im Mai beschleunigt fortgesetzt. Auch der ZEW-Indikator liegt inzwischen wieder klar unter seinem historischen Mittelwert. All das sind durchaus typische Vorboten eines Abschwungs.

Zwar gab es bei den realen Wirtschaftsdaten zuletzt eine gewisse Entwarnung. Sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch im Baugewerbe sind im März wieder mehr Aufträge eingegangen. Dennoch wurde im ersten Quartal saisonbereinigt das Ergebnis des Vorquartals nicht erreicht, im Baugewerbe ging es sogar weiter deutlich abwärts. Auch vor diesem Hintergrund ist die Konjunkturentwicklung im ersten Quartal mit großer Skepsis zu sehen.

Nach wie vor lebt das deutsche Wirtschaftswachstum hauptsächlich vom Export. Ende letzten Jahres hatte es bei den Auftragseingängen noch so ausgesehen, als könnte die Inlandsnachfrage sich beleben. Der Schwung war aber schon im ersten Quartal wieder dahin. Dass es insgesamt nicht zu einem neuerlichen Nachfrageeinbruch gekommen ist, war nur der Auslandsnachfrage zu verdanken. Auch diese ist aber durch die insgesamt nachlassende Weltkonjunktur gefährdet und steht insoweit auf tönernen Füßen. Es wäre höchste Zeit, dass im Inland wieder mehr Vertrauen entsteht, vor allem bei den Investoren.

Die Erwartung im Frühjahrsgutachten, wonach sich das Wachstum im kommenden Jahr auf 1,5% beschleunigen soll, ist aus heutiger Sicht sehr unsicher geworden. Je nachdem, ob sich zum Jahresende wieder eine Wende zum besseren abzeichnet, kann es mit etwa gleicher Wahrscheinlichkeit deutlich besser oder aber auch deutlich schlechter kommen. Verlässliche Signale in die eine oder andere Richtung gibt es derzeit noch nicht.

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Die aktuelle Entwicklung der Einzelwerte:

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe (Gewicht 12%) sind im März um 2% gestiegen und haben damit den Rückgang vom Vormonat nahezu exakt wieder wettgemacht. Inlandsnachfrage und Exportgeschäft nahmen dabei etwa gleich stark zu. Auf das gesamte erste Quartal gesehen blieb gleichwohl das Inlandsgeschäft mit -3,1% deutlich hinter dem Vorquartal zurück.

De Nachfrage im Bauhauptgewerbe (Gewicht 24%) hat sich im März mit +8,8% gegenüber dem Vorquartal auf den ersten Blick deutlich erholt. Dabei muss man allerdings das extrem niedrige Ausgangsniveau im Februar wie auch im Januar berücksichtigen. Im Vorquartalsvergleich blieb denn auch trotz des Schlussspurts ein starkes Minus von 8,3%. Von der anhaltenden Flaute sind alle Baubereiche gleichermaßen betroffen.

Die Einzelhandelsumsätze (Gewicht 11%) liegen zur Zeit wegen einer Umstellung der amtlichen Statistik nicht in saisonbereinigter Berechung vor. Bei der Berechnung des Handelsblatt-Frühindikators wurden deshalb die Einzelhandelsumsätze für die Monate ab Februar 2005 nicht berücksichtigt. Vorläufigen Berechnungen des Statistischen Budesamtes zufolge sind sie in nicht-saisonbereinigter Rechnung im April um real 3% niedriger ausgefallen als im April des Vorjahres, obwohl dieser zwei Verkauftage weniger hatte.

Die ifo-Geschäftserwartungen im gesamtdeutschen Verarbeitenden Gewerbe (Gewicht 13%) haben im Mai weiter von -2,4 Punkten auf -5,1 Punkte nachgegeben. Auch insgesamt noch positiven Exporterwartungen gaben erstmals deutlich von 14,1 auf 11,8 Punkte nach. Die aktuelle Geschäftslage wurde allerdings mit -4,9 nach -5,4 Punkten etwas besser eingeschätzt als im Vormonat.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland (Gewicht 40%) sind im Mai abermals deutlich von 20,1 Punkten auf nur noch 13,9 Punkte gesunken, wobei sich die Einschätzung der aktuellen Konjunktursituation allerdings gleichzeitig um 3,7 Punkte verbessert hat. Dabei hat laut ZEW das unerwartet starke Wirtschaftswachstum im ersten Quartal die ausschlaggebende Rolle gespielt.

Das Handelsblatt-Konjunkturbarometer für die Neuen Länder lässt für das zweite und dritte Quartal jeweils ein Wachstum von 0,5% im Osten erwarten. Nach Berechnungen des IW Halle hat das Wachstum in den Neuen Ländern im ersten Quartal, umgerechnet in gleitende Jahresrate, 0,9% betragen, was genau der entsprechenden Vorhersage des Handelsblatt-Konjunkturbarometers entspricht. Zuletzt hat sich das ifo-Geschäftsklima ostdeutschen Baugewerbe weiter verschlechtert, wohingegen die Auftragseingänge mit +14% noch stärker als im Westen gestiegen sind. Im ostdeutschen Verarbeitenden Gewerbe hat es im Gegensatz dazu im März einen leichten Rückschlag um 2,6% gegeben.

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