Schlechte Entwicklung
Deutschland sackt in die Rezession

Der Konjunkturabschwung hat Deutschland bereits fest im Griff. Der Handelsblatt-Barclays-Indikator für die Konjunkturentwicklung signalisiert für das vierte Quartal eine Schrumpfung. Der Grund für den rapiden Sturz in die Rezession ist der Kollaps in der Industrie. Und die Folgen der Finanzkrise werden in den kommenden Monaten die Probleme noch verschärfen.
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FRANKFURT/NEW YORK. Die deutsche Wirtschaft steckt nach neuesten Konjunkturdaten bereits mitten in einer Rezession. Die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone kann sich dem Abschwung im Zuge der weltweiten Finanzkrise nicht länger entziehen, obwohl sie sich bisher besser gehalten hatte als der Rest des Währungsraums. Der Handelsblatt-Barclays-Indikator für die Konjunkturentwicklung signalisiert für das laufende vierte Quartal eine Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,4 Prozent (im Vergleich zum Vorquartal). Im dritten Quartal sank die Wirtschaftsleistung nach revidierten Daten bereits um 0,1 Prozent.

"Der Abschwung wird auch im kommenden Jahr anhalten", sagt der Europa-Chefvolkswirt von Barclays Capital, Julian Callow. Es zeichne sich jetzt schon für das Gesamtjahr 2009 ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um mindestens 0,2 Prozent ab. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prophezeit für das nächste Jahr sogar ein Minus von 0,8 Prozent. Eine "schwarze Null", wie von der Bundesregierung erhofft, erscheint bereits unmöglich.

Eine der Kernursachen für die schlechte Entwicklung liegt laut Callow im "Kollaps" der Industrie. Bislang laufen die Lieferungen im Außenhandel zwar noch gut, wie am Freitag vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Daten zeigten. Allerdings brechen den Firmen die Aufträge gegenwärtig mit nie gekannter Geschwindigkeit weg: Mit minus acht Prozent war der Rückgang im September so stark wie nie in der gesamtdeutschen Geschichte.

Und die Zahl der Stornierungen wächst schnell: "Bereits produzierte Maschinen und Anlagen werden in zunehmender Zahl von den Bestellern nicht abgenommen", berichtet Martin Kannegiesser, Chef des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall. Die Folge: Die Unternehmen fahren ihre Produktion rasch herunter. Die Erzeugung brach nach offiziellen Angaben im September mit minus 3,6 Prozent im Vormonatsvergleich so stark ein wie seit Mitte der 90er-Jahre nicht mehr. Im gleichen Monat erlitt die deutsche Industrie den stärksten Umsatzeinbruch seit der Wiedervereinigung. Im Vergleich zu August 2008 sanken die Erlöse real um 3,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte.

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  • Tja, keine drei Jahre später wiederholt sich alles nochmal. Aber diesmal ohne irgendeine Hoffnung auf Besserung, weil fast alle westliche Industriestaaten pleite sind, die sich noch weiter verschuldeten, um einen selbsttragenden Aufschwung auszulösen.
    Diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt. Sämtliche Konjunkturstrohfeuer sind wirkungslos verpufft. Jetzt sind die Staaten pleite und haben neben explodierenden Ausgaben für Zinsen und Soziales noch wegbrechende Steuereinnahmen.

    +++ unser erträumter Aufschwung - eine Fata-Morgana +++
    Aber es war ein schöner Traum, der sogar drei Jahre lang gehalten hat.

  • Liebe Redaktion,

    dieser Artikel stammt aus 2008. Wie lange soll der hier noch eingestellt bleiben?

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