Schwacher Start
Aufschwung macht Sommerpause

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland hat sich im Juli abgeschwächt. Die Wirtschaft bekam weniger Aufträge, der Außenhandel schwächelt und die Industrieproduktion stieg nur minimal. Doch dank des guten Frühjahrs wird das Wachstum so stark ausfallen
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DÜSSELDORF. Die deutsche Wirtschaft ist überraschend schwach in das Sommerquartal gestartet. Die Industrieproduktion legte im Juli lediglich um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat zu, die Exporte sanken gar um 1,5 Prozent, teilten gestern Bundeswirtschaftsministerium und Statistisches Bundesamt mit. "Das Tempo der Erholung lässt nach", kommentierte Ulrich Kater von der Dekabank die Daten.

Dass der Aufschwung aber keineswegs schon vorbei ist, signalisiert der Handelsblatt-Frühindikator, den Barclays Capital monatlich berechnet. "Wir erwarten für das dritte Quartal 0,7 Prozent und für das vierte Quartal 0,3 Prozent Wachstum", sagte Barclays Ökonom Julian Callow. Für das Gesamtjahr ergäbe sich dann ein Zuwachs der Wirtschaftsleistung um 3,3 Prozent - das wäre mehr als doppelt so viel, wie zur Zeit in der offiziellen Wachstumsprognose der Bundesregierung steht.

Die neue Konjunktur-Prognose wird turnusmäßig am 21. Oktober von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) veröffentlicht. Sie dient als Basis für die Steuerschätzung Anfang November. In Regierungskreisen wird derzeit ebenfalls von etwa drei Prozent Wirtschaftswachstum ausgegangen. Hintergrund ist sehr gute zweite Quartal, in dem die Wirtschaftsleistung um 2,2 Prozent zulegte - und damit so stark wuchs, wie zuletzt im ersten Quartal 1991.

Der Aufschwung lässt auch die Steuereinnahmen wieder steigen und die Einhaltung des Defizitkriteriums des Maastricht-Vertrages wieder möglich erscheinen. "Angesichts besserer Steuereinnahmen könnte 2012 das Defizit wieder unter drei Prozent sinken", sagte der Steuerschätzer des Instituts für Weltwirtschaft, Alfred Boss, dem Handelsblatt. Der Finanzexperte geht davon aus, dass der Staat dieses Jahr rund 521 Mrd. Euro und 2011 gar 529 Mrd. Euro Steuern einnehmen dürfte. Das wären elf bzw. 14 Mrd. Euro mehr, als der Arbeitskreis Steuerschätzung im Mai prognostiziert hat. Hinzu kämen noch die Einnahmen aus den neuen Steuern auf Brennelemente und Flugtickets, sagte Boss.

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