Seitwärtsbewegung des Handelsblatt-Eurokonjunkturindikators
Eurokonjunktur tritt auf der Stelle

Die Hoffnung auf einen raschen Aufschwung nach dem Ende des Irak-Krieges muß wohl vorerst begraben werden. Der Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator erholte sich im Mai nur leicht von 1,2% auf 1,3% und setzte damit seine Seitwärtsbewegung weiter fort. Seit nunmehr acht Monaten ist die Eurokonjunktur damit praktisch nicht von der Stelle gekommen.

Die Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe war im April mit 80,8% sogar noch etwas niedriger als zu Jahresbeginn, wo sie bei 81,1% gelegen hatte. Und auch die Auftragseingänge haben sich seit der letzten Erhebung vor drei Monaten nochmals eingetrübt, nicht zuletzt aufgrund rückläufiger Exportgeschäfte. Kein Wunder also, daß sich das Industrievertrauen im April zum vierten mal in Folge weiter eingetrübt hat. Wenn die Geschäfte nicht laufen, lassen sich die Unternehmen offensichtlich auch von durchaus positiven weltpolitischen Entwicklungen kaum beeindrucken.

>>Tabellen

Allerdings: Bei aller Tristesse des konjunkturellen Gesamtbildes sind auch erste Hoffnungszeichen auszumachen. So hat sich erstmals seit einem halben Jahr das Konsumentenvertrauen in der Eurozone nicht weiter verschlechtert, sondern ist sogar leicht angestiegen. Das sollte man angesichts des grottenschlechten Vormonatsniveaus zwar nicht überbewerten. Aber immerhin scheint der seit Monaten grassierende Pessimismus in der Bevölkerung einen gewissen Boden gefunden zu haben. Wenn nichts weltbewegendes dazwischenkommt, sollte der Tiefpunkt des Verbraucherverrauens damit eigentlich überwunden sein.

Die Industrieproduktion ist im Februar nochmals leicht angestiegen und hat damit ihren zwischenzeitlichen Einbruch von Ende letzten Jahres erst einmal wieder wettgemacht. Trendmäßig lag die Produktion damit immerhin um gut anderthalb Prozentpunkte höher als vor Jahresfrist. Glaubt man den Umfrageergebnisse der EU, dürfte es im März und April aber schon wieder deutlich schlechter gelaufen sein. Damit fällt das Verarbeitende Gewerbe als Wachstumsmotor vorerst weiter aus. Wenn überhaupt, dann dürfte ähnlich wie Ende letzten Jahres hauptsächlich der Dienstleistungsbereich für ein bisschen Auftrieb im ersten Halbjahr gesorgt haben.

Für die ersten beiden Quartale lässt der Handelsblatt-Euroindikator ein reales Wachstum von jeweils 1,3% gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal ebenso erwarten. Das entspricht der im vierten Quartal erreichten Rate und unterstreicht somit die fehlende Dynamik der Konjunkturentwicklung im Euroraum. In gleitender Jahresrate gerechnet dürfte sich der mittelfristige Wachstumstrend gleichwohl leicht auf 1,5% zur Jahresmitte erhöhen, da es vor Jahresfrist noch schlechter gelaufen war. Derzeit sieht es nicht danach aus, als könnte im Gesamtjahr diese Marke noch wesentlich überschritten werden.

Die aktuelle Entwicklung der Einzelgrößen (Gewichtung in Klammern):

  • Das Industrievertrauen (Gewicht 15%) ist im April zum vierten mal in Folge zurückgegangen. Mit –13 nach –12 Punkten wurde ein Vierzehnmonatstief erreicht – pessimistischer waren die Unternehmen zuletzt im Februar 2002. Die Entwicklung verlief allerdings recht unterschiedlich in den einzelnen Ländern: In Deutschland, Frankreich und Österreich blieb die Stimmung unverändert, in Irland, Dänemark und den Niederlanden verbesserte sie sich sogar.
  • Das Konsumentenvertrauen im Euroraum (Gewicht 15%) konnte sich im April erstmals seit einem halben Jahr von –19 auf –21 Punkte erholen. Optimistischer sehen die Verbraucher nicht nur die allgemeine ökonomische Lage, sondern auch ihre persönlichen Perspektiven. Von einem Kaufrausch sind sie aber noch meilenweit entfernt.
  • Die Industrieproduktion (Gewicht 25%) ist im Februar nochmals um 0,2% angestiegen, nachdem sie schon im Monat davor um 1,3% zugelegt hatte. Im mittelfristigen Trend, der in den Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator eingeht, zeigt sich damit erstmals nach halbjährigem Rückgang wieder eine gewisse Stabilisierung. Negative Umfrageergebnisse für März und April lassen aber wenig gutes erwarten
  • Die Geldmenge M1 (Gewicht 30%) ist im März mit 11,5% Zuwachs gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat noch stärker gewachsen als in den Monaten zuvor. Auch saisonbereinigt hat sie mit 1,2% gegenüber Februar (0,8%) kräftig zugelegt. Damit bleibt die Liquidität im Euroraum weiter überreichlich, was die EZB aber offenbar nicht weiter beunruhigt. Zur Erklärung wird weiter auf die niedrigen Zinsen und die geopolitischen Unsicherheiten verwiesen.
  • Der harmonisierte Verbraucherpreisindex für den Euroraum (Gewicht 15%, mit negativem Vorzeichen) hat im März auf seinem Vormonatszuwachs von 2,4% verharrt. Im April dürfte er jedoch ersten Schätzungen zufolge auf 2,1% zurückgehen, nicht zuletzt aufgrund der entspannten Situation auf den Energiemärkten und wegen des steigenden Eurokurses. Die aktuelle Inflationsgefahr bleibt damit gering.



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