Stockende Konjunkturerholung im Euroraum
Eurokonjunktur-Indikator stagniert weiterhin

Die Eurokonjunktur bleibt auf Wachstumskurs, aber der Schwung ist erst einmal dahin. Das signalisiert der Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator, der mit 1,5 % im Juni zum zweiten mal in Folge nur stagnierte. Die für viele überraschend dynamische Entwicklung im ersten Quartal mit einem Wachstum von 0,6 % in gleitender Jahresrate hatte der Indikator exakt vorausgesagt.

HB DÜSSELDORF. Für das zweite und dritte Quartal lässt er eine weitere Steigerung des Wachstumstrends auf 1,0 % bzw. 1,75 % erwarten. Darin spiegelt sich die vergleichsweise gute Entwicklung der vorlaufenden Konjunkturdaten im letzten halben Jahr wider. So hatte sich die Stimmung der Industrie im Euroraum schon seit Mitte vergangenen Jahres kontinuierlich aufgehellt, und auch das Verbrauchervertrauen war langsam, aber sicher zurückgekehrt. Vor dem Hintergrund einer anziehenden Weltkonjunktur sollte also ein Wirtschaftswachstum von 1,6% in diesem Jahr, wie es im Frühjahrsgutachten für den Euroraum prognostiziert wurde, durchaus erreichbar sein.

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Die jüngsten Konjunkturdaten mahnen nun aber wieder zu etwas größerer Vorsicht. Sowohl das Industrievertrauen als auch das Konsumentenvertrauen haben im Mai einen Rückschlag erlitten und sind erstmals seit Dezember letzten Jahres wieder gesunken. Man mag darin eine eher psychologische Reaktion auf die gestiegenen Rohölpreise und die gestiegene Inflationsgefahr sehen. Auffällig ist aber, dass die negative Reaktion auf diese weltwirtschaftlichen Faktoren im Euroraum deutlich stärker ausfiel als im übrigen Europa, wo sich das Industrievertrauen zuletzt sogar weiter erholt hat.

Auch die Erholung der Industrieproduktion, soweit man von einer solchen überhaupt sprechen kann, steht noch immer auf sehr wackeligen Füßen. Plus- und Minuszeichen wechseln sich bei den monatlichen Zuwachsraten derzeit ständig ab, ein klarer Trend ist kaum zu erkennen. Immerhin: Bei den Auftragseingängen des sogenannten auftragsorientierten Verarbeitenden Gewerbes scheinen sich inzwischen die Erholungstendenzen durchzusetzen. Im März wurde immerhin ein Auftragsplus von 1,5% gegenüber dem vorausgegangenen Monat verbucht, nachdem sich schon im Februar mit 0,6% eine Nachfragebelebung angedeutet hatte. Inwieweit sich dies in einer tatsächlichen Produktionszunahme in den kommenden Monaten niederschlagen wird, bleibt allerdings abzuwarten, zumal die jüngsten Belastungen der Rohstoffmärkte im März noch nicht absehbar waren.

Die Inflationsrate im Euroraum ist im April von 1,7% auf 2,0% angestiegen, für Mai erwartet die europäische Statistikbehörde Eurostat einen weiteren, sprunghaften Anstieg auf 2,5%. Damit dürfte das Thema Zinssenkungen in diesem Jahr ein für allemal vom Tisch sein. Trotzdem scheinen die Sorgen vor einer ölpreisbedingten, starken Inflationsbeschleunigung übertrieben. So wurde der Inflationsanstieg im April weniger durch die Energiepreise verursacht als vielmehr durch höhere Steuern auf Tabak und Alkohol. Zudem setzt die schwache Konjunktur entsprechenden Preiserhöhungsspielräumen deutliche Grenzen.

Insgesamt stehen die Konjunkturzeichen im Euroraum weiter auf moderate Expansion, ein Wachstum von rd. 1,5% im Gesamtjahr erscheint durchaus möglich. Was immer noch fehlt, ist aber die Eigendynamik. Der Euroraum profitiert weit mehr von der weltwirtschaftlichen Erholung, als er zu ihr beiträgt. So lag das BIP im ersten Quartal in den USA um 4,9% höher , in Japan um 4,7% höher als vor Jahresfrist, verglichen mit nur 1,3% in der Eurozone. Entsprechend groß ist die Anfälligkeit des Euroraums gegenüber entsprechenden weltwirtschaftlichen Risiken. Das gilt besonders für Deutschland, die immer noch größte Volkwirtschaft im Euroraum. Aufgrund der in den letzten Jahren weit unterdurchschnittlichen Wachstumsentwicklung liegt das Gewicht Deutschlands zwar mittlerweile eher bei einem Viertel als einem Drittel des gemeinsamen Inlandsprodukts im Euroraum. Trotzdem bleibt das schwache Wachstum hierzulande ein Bremsklotz, der die gesamte Dynamik in Kontinentaleuropa hemmt.

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