Wachstum schwächt sich im Jahresverlauf weiter ab
Handelsblatt-Frühindikator: Trübe Aussichten für deutsche Wirtschaft

Die Aussichten für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte sind schlecht. Das signalisiert der Handelsblatt-Frühindikator.

DÜSSELDORF. Das Barometer prognostiziert im Mai für das dritte Quartal nur noch ein Wachstum von 0,8 Prozent in gleitender Jahresrate. Damit setzt der Frühindikator seinen Abwärtstrend fort. Für das erste Vierteljahr prognostiziert er ein Wachstum von 1,3 Prozent, für das zweite nur ein Prozent Wachstum in gleitender Jahresrate.

„Damit zeichnet sich für die deutsche Konjunktur ein echter Wendepunkt nach unten ab“, sagt Ulrich van Suntum, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Münster. Der Ökonom hat den Frühindikator für das Handelsblatt entwickelt und berechnet ihn jeden Monat neu.

Auf die schwache Entwicklung deuten auch andere Konjunkturdaten hin. Im verarbeitenden Gewerbe sowie im Baugewerbe ging die Nachfrage im Februar erneut deutlich zurück. „Das Zwischenhoch im vergangenen Dezember erweist sich damit immer mehr als eine Eintagsfliege, die nicht die erhoffte Konjunkturbelebung gebracht hat“, sagt van Suntum. Vor allem die Inlandsnachfrage sei wieder in ihren alten Trott zurückgefallen.

Auch für das Gesamtjahr 2005 ist der Ökonom pessimistisch: Van Suntum erwartet lediglich einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,5 Prozent – wenn sich die Konjunkturdaten in den kommenden Monaten nicht weiter verschlechtern würden. „Es könnte aber auch noch schlimmer kommen, vor allem wenn der rückläufige Trend bei den Auftragseingängen weiter anhalten sollte“, sagt der Ökonom.

Van Suntum steht mit seinem pessimistischen Ausblick nicht alleine da: Die sechs führenden deutschen Wirtschaftsinstitute hatten in ihrer Frühjahrsprognose ein BIP-Plus von 0,7 Prozent geschätzt. Auch einige Bankenvolkswirte prognostizieren Wachstumswerte unter ein Prozent. Andreas Scheuerle von der Deka-Bank etwa rechnet mit einem BIP-Anstieg um 0,6 Prozent im laufenden Jahr.

Der Handelsblatt-Frühindikator für die neuen Bundesländer hat im Mai ebenso weiter nachgegeben. Die aktuelle Prognose für das dritte Quartal liegt mit 0,6 Prozent niedriger als im April geschätzt. In Ostdeutschland zeigt sich das gleiche Konjunkturmuster wie im Westen: Das Wachstum schwächt sich im Verlauf des Jahres weiter ab. Für das erste Quartal schätzt der Indikator ein Wachstum von 0,9 Prozent, für das Quartal von 0,7 Prozent in gleitender Jahresrate. Als Ursachen dafür sieht van Suntum das verschlechterte Geschäftsklima und den Nachfragerückgang im ostdeutschen Baugewerbe.

>>Tabellen: Handelsblatt Frühindikator

>>Tabellen: Handelsblatt Ostbarometer

Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe (Gewicht: zwölf Prozent) sind im Februar erneut um 2,1 Prozent im Monatsvergleich gesunken.Es wurden vor allem weniger Vorleistungsgüter bestellt. Die Nachfrage aus dem Ausland ging um zwei Prozent und damit ähnlich stark wie die Inlandsnachfrage (minus 2,2 Prozent) zurück.

Die Nachfrage im Bauhauptgewerbe (Gewicht: 24 Prozent) ist nach dem deutlichen Rückgang im Januar im Februar erneut gesunken und hat damit einen Tiefstand erreicht. Für den Rückgang haben vor allem der Tiefbau und der Wohnungsbau gesorgt, die um 8,5 und ein Prozent zurückgingen.

Die Einzelhandelsumsätze (Gewicht: elf Prozent) dürften im Februar über dem Vorjahresstand gelegen haben, allerdings unter dem Niveau des Vormonats. Wegen einer Statistikumstellung ist derzeit allerdings nur eine geringere Datenbasis verfügbar.

Die Ifo-Geschäftserwartungen im gesamtdeutschen verarbeitenden Gewerbe (Gewicht: 13 Prozent) sind im April das vierte Mal in Folge und damit in einen negativen Bereich (minus 2,3 Zähler) gesunken. Die Kapazitätsauslastung der deutschen Industrie ging im März auf 82,7 Prozent zurück. Die Exporterwartungen sanken nur leicht von 14,9 auf 14,1 Punkte.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland (Gewicht: 40 Prozent) sind im April deutlich von 36,3 auf 20,1 Punkte gesunken. Die Beurteilung der aktuellen Lage verschlechterte sich ebenfalls erneut, um sieben Punkte. Laut ZEW sind dafür zuletzt schwache Auftragseingänge und der unklare Reformkurs der Wirtschaftspolitik verantwortlich.

Definition: Der Indikator soll frühzeitig Wendepunkte der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung anzeigen und läuft ihr etwa drei Monate voraus. Referenzgröße ist die gleitende Jahresrate des realen Bruttoinlandsprodukts. Das ist die Veränderung in den vergangenen vier gegenüber den vorherigen vier Quartalen.

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