Wirtschaftsaufschwung
Industrie fährt Maschinen hoch

Die deutsche Wirtschaft hat sich offenbar bereits im Verlauf des abgelaufenen zweiten Quartals aus den Klammern der Weltrezession befreien können. Der Handelsblatt-Barclays-Indikator signalisiert für das Frühjahr lediglich noch ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent gegenüber dem Winter.

DÜSSELDORF. „Im Sommer werde die Wirtschaft dann spürbar wachsen“, sagte Barclays-Ökonom James Ashley. Der Handelsblatt-Barclays-Indikator signalisiert ein Plus von 0,3 Prozent für das dritte Quartal. Damit wäre die Abwärtsspirale, die im zweiten Quartal 2008 in Gang kam, durchbrochen. Seitdem ist die Wirtschaftsleistung in Deutschland um insgesamt rund sieben Prozent geschrumpft. Die Bundesregierung hatte in ihrer Prognose einen Rückgang von einem Prozent im zweiten und ein Plus von 0,2 Prozent im dritten Quartal vorhergesagt. Angesichts des dramatischen Einbruchs im Winter ist es trotzdem kaum wahrscheinlich, dass auf Jahressicht die Wachstumsprognose von minus sechs Prozent deutlich übertroffen werden kann. Allenfalls ein paar Zehntel Punkte seien möglich, hieß es in Regierungskreisen.

Harte Konjunkturdaten bestätigen, dass es nach einem schwachen April im Mai für die deutsche Wirtschaft rasant aufwärts ging. Das produzierende Gewerbe steigerte seine Produktion so stark wie seit rund 16 Jahren nicht mehr. Industrie, Bau- und Energiewirtschaft stellten bereinigt um saisonale Schwankungen 3,7 Prozent mehr her als im April, teilte das Wirtschaftsministerium mit; Volkswirte hatten lediglich mit rund 0,5 Prozent Zuwachs gerechnet. Damit bewegte sich die Industrieproduktion im Mai etwa auf dem Durchschnittsniveau des ersten Quartals. Sollte sie im Juni nochmals ähnlich stark zulegen können, wäre das zweite Quartal insgesamt für die Industrie besser als das erste gelaufen.

„Die aktuellen Zahlen sind ein erfreuliches Zeichen“, sagte Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU). Angesichts des scharfen Einbruchs im Winterhalbjahr gäben die Daten „Grund für vorsichtigen Optimismus.“ Bereits am Mittwoch hatten überraschend gute Daten zu den Industrieaufträgen und zur Rohstahlproduktion signalisiert, dass es auch in den nächsten Monaten weiter aufwärts gehen dürfte.

Positive Impulse erhielt das produzierende Gewerbe im Mai vor allem aus dem Industriesektor, wo die Produktion gegenüber dem Vormonat um 5,1 Prozent zulegte. Besonders stark war der Zuwachs mit 8,3 Prozent bei den Herstellern von Investitionsgütern, zu denen auch die Kfz-Produktion zählt. Hier dürften die Abwrackprämie in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern eine große Rolle gespielt haben. Die Produktion von Vorleistungen legte um 4,3 Prozent zu, die von Konsumgütern um 0,6 Prozent. Im Baugewerbe und Energiesektor sank die Produktion dagegen um 3,2 bzw. 3,8 Prozent. „Der konjunkturelle Umkehrpunkt ist keine Fiktion, er bildet sich tatsächlich heraus“, sagte Andreas Scheuerle von der Deka-Bank.

Ein Wermutstropfen gab es dennoch: Das Ministerium korrigierte den Produktionsrückgang des Vormonats noch weiter nach unten: So lag das Minus im April bei 2,6 Prozent, nachdem zunächst ein Rückgang um 1,9 Prozent ermittelt wurde. Hauptgrund ist die starke Revision der Energieproduktion.

Während sich in Deutschland nun eine etwas raschere Erholung abzeichnet, dürfte die Eurozone vorerst in der Rezession bleiben. Nachdem das reale Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 2,5 Prozent sank, dürfte sich im weiteren Jahresverlauf lediglich die Fallgeschwindigkeit verlangsamen. Das zeigt der „Euro-zone economic outlook“, ein Gemeinschaftsprojekt vom Münchner Ifo-Institut, dem Inesse Paris und dem ISAE in Rom. Die Volkswirte erwarten einen Rückgang der Wirtschaftsleistung der Euro-Zone um 0,6 Prozent im zweiten und um je 0,4 Prozent im dritten und vierten Quartal.

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