Harscher Angriff
Britischer Notenbankchef will Banken spalten

In ungewöhnlich scharfen Tönen hat der Chef der englischen Notenbank die Finanzbranche angegriffen und eine Aufspaltung der Banken vorgeschlagen. „Noch nie schuldeten so wenige so vielen so viel Geld“, polterte Mervyn King.
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LONDON/ZÜRICH. Dass der britische Notenbankchef Mervyn King vor allem die ungezügelte Risikolust der Banken für die Finanzkrise verantwortlich macht, ist kein Geheimnis. Aber die radikalen Schlussfolgerungen, die er aus seiner Analyse zieht, haben doch viele in der Londoner City überrascht. In einer Rede forderte King eine radikale Reform der Bankenregulierung. Zur Not sollten Geldhäuser, die so groß sind, dass sie im Notfall vom Staat gerettet werden müssen, aufgespalten werden.

„Too big to fail“ heißt dieses Problem im angelsächsischen Fachjargon. Weil sich diese Banken darauf verlassen konnten, dass sie vom Staat aufgefangen werden, gerieten sie im Boom in Versuchung, hohe Risiken einzugehen – einer der Gründe für den Beinahekollaps des globalen Finanzsystems vor zwölf Monaten. Einige Experten wie King fordern deshalb die Aufspaltung großer Institute. Diskutiert wird eine Teilung in eine systemrelevante Universalbank, die im Notfall vom Staat aufgefangen würde, und eine riskante Investmentbank, die liquidiert werden könnte.

Im Gegensatz zu King konzentrieren sich die britische Labour-Regierung und die Gruppe der 20 größten Industrie- und Schwellenländer bei ihren Reformanstrengungen bislang auf schärfere Kapitalvorschriften für Banken. Die Institute sollen riskante Geschäfte mit mehr Eigenkapital unterlegen und in guten Zeiten dickere Kapitalpolster schaffen, von denen sie in schlechten Zeiten zehren können.

Auch Notenbankchef King erkennt an, dass dieser Ansatz zur Lösung der Finanzkrise beiträgt; er reicht aber seiner Meinung nach nicht aus. „Schärfere Kapitalvorschriften reduzieren das Risiko für den Steuerzahler, im Notfall einspringen zu müssen, aber sie schließen es nicht aus“, sagte King. Es sei nicht einzusehen, warum Vorschläge, riskantere Aktivitäten wie den Eigenhandel der Investmentbanken von solideren Aktivitäten wie dem Privatkundengeschäft zu trennen, als nicht praktikabel abgetan würden.

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