Heikle Wirtschaftslage
Russland: Die Party geht zu Ende

Einst haben die Petrodollar Russland einen rauschhaften Boom finanziert. Und noch im Oktober hatte Ministerpräsident Wladimir Putin vollmundig erklärt, warum sein Land die Finanzkrise besser schultert als andere Staaten. Wirtschaftsexperten sehen Russland jedoch 2009 kurz vor der Rezession stehen. Langsam nimmt nun auch die Nervosität im Kreml zu. Der Kater, der jetzt folgt, wird das Land verändern.

MOSKAU. Krise? Wer derzeit durch Moskaus pompöse Einkaufszentren zieht, sucht vergebens nach Anzeichen einer Krise. Die Vorbereitungen für die Neujahrsfeierlichkeiten laufen auf vollen Touren. Es ist rappelvoll. Und es bleibt nicht beim Schaufensterbummel. Laut Umfragen wollen die russischen Verbraucher zum Jahresende noch einmal tief ins Portemonnaie greifen - und im Schnitt zwölf Prozent mehr ausgeben als im Vorjahr. Dabei kommt eine Summe zusammen, die deutsche Einzelhändler vor Neid erblassen ließe: Im Schnitt wollen die russischen Shopper zum Fest 537 Euro ausgeben - ein Drittel mehr als die Deutschen,

Obwohl noch gekauft wird, was das Zeug hält, lässt die Aussagekraft solcher Zahlen stark nach. Die Ergebnisse stammen aus einer Deloitte-Studie vom Oktober. Das ist die Zeit, in der Russlands starker Mann, Ministerpräsident Wladimir Putin, vor Finanzexperten im Moskauer Nobelhotel Baltschug Kempinski doziert, warum sein Land die Krise besser meistern kann als andere Staaten.

Das ist mittlerweile fraglich. Analysten wie Matthew Vogel von Barclays Capital sehen Russland, bislang von hohen Rohstoffpreisen und starkem Wirtschaftswachstum verwöhnt, 2009 bereits am Rande der Rezession. Es genügt ein Blick auf den Ölpreis und den Stand der Währungsreserven. Allein in der vergangenen Woche hat die Zentralbank rund 18 Mrd. Dollar eingesetzt, um den Rubel zu stützen. Inzwischen hat sie 161 Mrd. Dollar - ein Fünftel ihrer Devisenkasse - darauf verwendet, in weniger als fünf Monaten. Den Absturz der russischen Währung hat das bisher aber nicht bremsen können.

Den Sog erzeugt vor allem das immer billigere Rohöl: Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der russischen Sorte Urals hat seit Juli 70 Prozent eingebüßt - auf derzeit rund 40 Dollar. Zusammen mit dem kontinuierlichen Abfluss ausländischen Geldes sorgt dies für eine brisante Mischung, die auf die Währung durchschlägt. Die Konsumenten mögen noch so kauffreudig sein - in der Krise entpuppt sich, wie stark die Wirtschaft von den Rohstoffmärkten abhängt.

Die Ratingagentur Standard & Poor?s stufte gerade die langfristigen russischen Staatsanleihen herab und bewertet sie mit der zweitschlechtesten Note in der Klasse der guten Schuldner. Begründung: schmelzende Währungsreserven, fehlende strukturelle Reformen. Russlands Wirtschaft hat außer dem Binnenkonsum kein Netz - und das ist bei fallenden Löhnen recht weitmaschig.

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