Herbstgutachten
Institute: Wachstum sinkt 2007 auf 1,4 Prozent

Dämpfer für die Konjunktur: Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten für das kommende Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent. Besser soll es dagegen für das laufende Jahr aussehen. Doch die Regierung wird zunehmend skeptisch gegenüber der Arbeit der Wirtschaftsforscher.

doh/saf BERLIN. Für 2006 rechnen die Institute in ihrem Herbstgutachten, das morgen veröffentlicht wird, mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 2,3 Prozent, hieß es gestern in Regierungskreisen. In ihrem Frühjahrsgutachten waren die Wirtschaftsforschungsinstitute noch von einem Wachstum von 1,8 Prozent in diesem Jahr und 1,2 Prozent 2007 ausgegangen.

Die Prognose der Institute unterscheidet sich kaum von der neuen Wachstumsschätzung der Bundesregierung, die Wirtschaftsminister Michael Glos am Freitag bekannt geben will. Demnach erwartet die Regierung für dieses Jahr ein Wachstum von 2,4 Prozent und 1,5 Prozent 2007. Beide Zahlen liegen nach Informationen des Handelsblatts „am unteren Ende“ des Prognosespektrums. Tatsächlich rechnet die Regierung in diesem wie auch im nächsten Jahr mit einem deutlich höheren Wirtschaftswachstum, heißt es im interministeriellen Arbeitskreis der Regierung, dem Experten aus dem Wirtschafts- und Finanzministerium sowie dem Kanzleramt angehören.

Unterdessen diskutiert man im Wirtschaftsministerium offenbar, wie man das Verfahren des Gemeinschaftsgutachtens verbessern kann. Nach Informationen des Handelsblatts aus Ministeriumskreisen gibt es erste Überlegungen, auch internationale Institute in die Ausschreibung mit einzubeziehen.

Er habe zunehmend ein „gespaltenes Verhältnis“ zu der wissenschaftlichen Expertise in Deutschland, sagte Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) bei der Verleihung des Weltwirtschaftlichen Preises des Kieler Instituts für Weltwirtschaft Mitte Juni in Kiel. Der Finanzminister steht mit dieser Kritik nicht alleine da. Seit Jahren kritisiert die Politik, ihnen werde zu wenig Praxistaugliches vorgeschlagen.

Kein Politiker liest die Ratschläge der Ökonomen

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) bezeichnete die Ratschläge von Ökonomen als „oft sehr gut formuliert und sehr gut gemeint“, aber fügte hinzu: „Kein Politiker liest sie.“ Nach Informationen des Handelsblattes gibt es im Wirtschaftsministerium Überlegungen, wie man das Verfahren bei Frühjahrs- und Herbstgutachten – letzteres wird am morgigen Donnerstag in Berlin übergeben – ändern könnte. „Da passiert was“, berichten Beteiligte. Noch befindet sich das Thema aber auf reiner Diskussionsebene.

Kern der Überlegungen ist, dass der Wettbewerb unter den Autoren gestärkt werden soll. So werde über eine Ausschreibung für drei bis fünf Jahre nachgedacht. Denkbar sei eine Ausschreibung unter internationalen Instituten. Zugleich werde die Idee diskutiert, dass sich nur ein Teil der Institute über eine Ausschreibung bewerben soll; man könne sich vorstellen, dass ein Kern von drei Instituten gesetzt werde. Neue Ideen und einen „Blick von außen“ verspricht man sich davon. Zur Bedingung machen dürfte man die Teilnahme ausländischer Institute allerdings nicht – die Gutachten müssen in deutscher Sprache verfasst sein, weshalb nur wenig Institute in Frage kommen.

Auch bislang wurde der Auftrag jeweils nur für ein Jahr erteilt – er galt aber als reine Formsache. Daher dürften die Pläne in den führenden Instituten für gehörigen Wirbel sorgen. Schließlich bringt die Teilnahme an der Gemeinschaftsdiagnose neben öffentlicher Wahrnehmung vor allem auch eines: Geld. Für die Frühjahrs- und Herbstgutachten gibt der Bund pro Jahr 1,3 Millionen Euro aus. Schon jetzt stehen die Institute in hartem Wettbewerb zueinander. Spätestens alle sieben Jahre prüft eine Evaluierungkommission aus unabhängigen Forschern, die von der Wissenschaftsgemeinschaft Leibniz (WGL) gebildet wird, die führenden deutschen Forschungsinstitute.

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