Herbstgutachten
Konjunktur stabiler als erwartet

Der Aufschwung in Deutschland trägt trotz der Finanzmarktkrise bis ins nächste Jahr. Auch bei einer sich abschwächenden Weltkonjunktur werde er nicht abbrechen, schreiben die Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose.

BERLIN/WASHINGTON. „Selbst in einem Szenario, in dem gleichzeitig die Immobilienpreise in den USA weiter einbrechen, die Aktienkurse in den Industrieländern kräftig sinken und der Euro erheblich aufwertet, wären die Effekte wohl nicht so groß, dass mit einer Rezession in Deutschland zu rechnen wäre", heißt es in dem Gutachten, das heute veröffentlicht wird und dem Handelsblatt bereits vorliegt. Die Institute rechnen für 2007 mit einem Wachstum von 2,6 Prozent und für 2008 mit 2,2 Prozent.

Ein derartiges Negativ-Szenario halten die Gutachter allerdings für unwahrscheinlich. Sie erwarten, dass sich die Weltkonjunktur nur leicht abkühlt. Zu dieser Einschätzung kommt auch der Internationale Währungsfonds (IWF). Der Fonds sagt für die von der Immobilienkrise erschütterte US-Wirtschaft zwar nur 1,9 Prozent Wachstum in diesem wie auch im kommenden Jahr voraus - dies wäre der schwächste Anstieg seit fünf Jahren. Die Dynamik der Schwellenländer werde dieser Entwicklung aber entgegenwirken. Zu den Konjunkturlokomotiven zählt der IWF in diesem Jahr China mit zehn Prozent sowie Indien mit 8,4 Prozent und Russland mit 6,5 Prozent Wachstum. Die Exportnachfrage aus diesen Ländern glichen die US-Schwäche aus, prognostiziert der Europa-Chefökonom von Barclays Capital, Julian Callow.

Von der Auslandsnachfrage dürfte die deutsche Wirtscchaft erheblich profitieren. So geht etwa aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages hervor, dass deutsche Unternehmen in den kommenden Monaten mit anziehenden Exportgeschäften rechnen.

Die tragende Stütze der hiesigen Konjunktur dürfte dem Herbstgutachten zufolge im kommenden Jahr der private Verbrauch sein. Das verfügbare Einkommen werde dank der Lohnerhöhungen, wieder steigender Renten und sinkender Arbeitslosigkeit höher liegen als in den Vorjahren. Die Institute erwarten, dass der Konsum 2008 um 1,9 Prozent zulegen wird. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland wird sich den Gutachtern zufolge weiter reduzieren – allerdings langsamer als in diesem Jahr. Auch die privaten Bauinvestitionen dürften die Konjunktur stützen: Nachdem der Eigenheimbau mit der Abschaffung der Eigenheimzulage eingebrochen war, dürfte er im kommenden Jahr wieder anziehen.

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