Herbstgutachten
Wirtschaftsforscher fordern Zinssenkung

Die schwache Konjunktur in der Eurozone und große Risiken der Schuldenkrise treiben die deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute um. In ihrem Herbstgutachten fordern sie von Politik und Notenbank klare Entscheidungen.
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Wegen des Konjunktureinbruchs im Euroraum raten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute der EZB zu einer Zinssenkung. Die wirtschaftliche und monetäre Analyse der Lage und der Aussichten für den Euroraum sprächen dafür, den Schlüsselzins von 1,5 auf 1,0 Prozent zu senken, schrieben die Institute in ihrem am Donnerstag vorgelegten Herbstgutachten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte die Zinsen in diesem Jahr im Kampf gegen die anziehende Inflation zwei Mal erhöht. Trotz der aufkommenden Rezessionssorgen hielt sie den Schlüsselzins Anfang des Monats konstant. Da aber nach Aussage des scheidenden EZB-Chefs Jean-Claude Trichet das Für und Wider einer Zinssenkung bereits eingehend besprochen wurde, schließen Experten eine geldpolitische Lockerung in den nächsten Monaten nicht aus.

Die Wirtschaftsforscher sehen Deutschland im Gegensatz zu 2008 zwar nicht vor einer Rezession, schließen diese Gefahr aber ausdrücklich nicht aus. Banken und Versicherungen mit griechischen Staatsanleihen müssten zwar mit Einbußen rechnen, „eine Ansteckung in dem Ausmaß wie nach der Insolvenz von Lehman Brothers ist aber wenig wahrscheinlich“. Sollte sich die Staatsschuldenkrise jedoch weiter zuspitzen, werde das europäische Finanzsystem erneut ins Wanken geraten, so die Experten. Dies würde Auswirkungen auch auf nichtfinanzielle Unternehmen haben. Die deutsche Konjunktur würde dann stärker als erwartet gedämpft, so dass es zu einer Rezession käme.

Kritik übten die Wirtschaftsexperten am Euro-Krisenmanagement der Politik. Sie fordern, endlich einheitliche Verfahren für den Umgang mit Staats- und Bankenpleiten durchzusetzen.

Kommentare zu " Herbstgutachten: Wirtschaftsforscher fordern Zinssenkung"

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  • Die Inflation wird zu einem erheblichen Teil durch höhere Rohstoffkosten und insbesondere durch erhöhte Energiekosten angetrieben, wie man hier auch im HB nachlesen kann.

    Zinssenkungen und damit weitere zukünftige Geldentwertung sind daher nicht sinnvoll, eher noch kontraproduktiv.

  • Der Leitzins IST seit Jahren extrem niedrig. Die EZB ist eben nicht die FED, der Euro nicht die Weltleitwährung und es fehlen große Investoren wie China. Folglich kommt es in Europa bei einer Zinssenkung viel schneller zur Inflation.

  • Ohne Spaß, so ist es. Billiges Geld allein verführt nur zur Zockerei. Soll etwa in etwas investiert werde, was es schon zur Genüge gibt?

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