Hintergrund
Branchen profitieren unterschiedlich stark

Tendenziell geht es aufwärts mit der Wirtschaft in Deutschlnad. Allerdings profitieren die verschiedenen Branchen in unterschiedlichem Ausmaß vom Anziehen der Weltkonjunktur.

AUTOINDUSTRIE: Ende 2003 hieß es noch, neue Modelle würden den Absatz ordentlich in Gang bringen. Die Enttäuschung kam mit den Zahlen für Februar: Die Deutschen kauften 2 % weniger Autos als im Vorjahresmonat. „Die Konjunktur auf den wichtigsten Automobilmärkten ist immer noch nicht angesprungen“, sagt VW-Chef Bernd Pischetsrieder. Opel-Chef Carl-Peter Forster rechnet damit, dass sich der europäische Markt 2004 nur leicht über dem Vorjahresniveau entwickeln wird. Weniger skeptisch sind die Prognose-Institute. Das Center of Automotive Research, Gelsenkirchen, erwartet weiterhin, dass im Gesamtjahr 3,4 Millionen Autos einen Käufer finden. Fazit: Es geht aufwärts.

MASCHINENBAU: Die Stimmung ist bei den Unternehmen des Maschinenbaus schon seit einigen Monaten deutlich besser als in vielen anderen Branchen. Der Anlagenbauer Voith beispielsweise rechnet dieses Jahr mit 6 % mehr Umsatz, die Technotrans AG, Druckzulieferer aus Sassenberg, ist überzeugt, den Umsatz um 8 % steigern zu können. „23 von 38 Fachverbänden melden einen gestiegenen Auftragseingang“, sagt Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Verbands der Maschinen- und Anlagebauer. Im Januar kamen bereits 9 % mehr Aufträge herein; da die Bestellungen einen Vorlauf von vier bis sechs Monaten haben, wird sich dieser Anstieg im Laufe des Jahres in bessere Umsätze niederschlagen. Fazit: Es geht deutlich aufwärts.

INFORMATIONSTECHNIK: Die Erholung war Ende 2003 schon Wirklichkeit und setzt sich nun fort. Nachdem die Wirtschaft in den vergangenen Jahren kaum Geld für IT ausgegeben hat, rechnet SAP für 2004 mit einem Anstieg des Umsatzes um 10 %. Auch der zweitgrößte Anbieter, die Software AG, konnte wieder einen Umsatzanstieg ankündigen. Ihr Chef Karl-Heinz Streibich geht davon aus, dass die IT-Budgets der Unternehmen in diesem Jahr in den USA um 6 % und in Europa um 2 % wachsen werden. Die IT-Tochter der Telekom, T-Systems, hat gerade die Gewinnschwelle erreicht. Auch der Branchenverband Bitkom blickt auf der Cebit optimistisch ins Jahr 2004: „Wir erwarten, dass die IT-Ausgaben weltweit um 4,3 % wachsen.“ Fazit: Es geht deutlich aufwärts.

EINZELHANDEL: Die Voraussage des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) bestätigte sich. Die Konsumverweigerung löse sich 2004 noch nicht auf, hieß es vorab – und sie hat sich nicht aufgelöst. Der HDE erwartet zwar, dass die Verbraucher 2004 wieder etwas mehr Geld ausgeben – von der Größenordnung her liege der Anstieg jedoch im Bereich der Preissteigerung, so dass der Verband real lediglich mit einer Stagnation rechnet. Dabei ist die Branche zweigeteilt: Während der Lebensmittelhandel weiter wächst, leiden Anbieter von mittel- und langfristigen Verbrauchsgütern unter der Sparsamkeit der Verbraucher. Ein Drittel der Einzelhändler will 2004 weiter Mitarbeiter entlassen. Fazit: Die Stimmung ist zweigeteilt.

BAUBRANCHE: Im Dezember 2003 hieß es noch optimistisch, dass die Diskussion um die Eigenheimzulage potenzielle Bauherren dazu bringen könnte, noch in diesem Jahr mit ihren Projekten loszulegen. In der Realität des Jahres 2004 setzen die großen Baukonzerne ihre Hoffnungen ausschließlich auf das Auslandsgeschäft. „Der Baumarkt Deutschland wird aus unserer Sicht nicht mehr nennenswert wachsen“, sagte der Chef von Hochtief, Hans-Peter Keitel. Die gute Auslastung komme aus den Vereinigten Staaten und Asien. Auch bei Bilfinger Berger sank der Anteil der in Deutschland erbrachten Bauleistung von 31 % auf 27 %. Das gleiche Bild bei der Strabag AG: Weniger heimische Aufträge, aber unterm Strich mehr Gewinn sind angekündigt. Fazit: Die Stimmung ist gespalten.

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