Hintergrund: Hintergrund: Die geldpolitischen Sitzungen im Vergleich

Hintergrund
Hintergrund: Die geldpolitischen Sitzungen im Vergleich

Die Vorbereitung und der Ablauf der geldpolitischen Sitzungen bei Europäischer Zentralbank (EZB), Bank of England (BoE) und Federal Reserve (Fed) im Vergleich.

EZB

Im Vorfeld:

  • ­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­Die volkswirtschaftliche Abteilung veröffentlicht zwei Mal pro Monat ein "Orange Book", ein fortlaufend aktualisiertes Handbuch mit allen verfügbaren Zahlen zur Wirtschaft des Euro-Raums und Angaben zur internationalen Wirtschaft. Es geht sechs Arbeitstage vor einer geldpolitischen Sitzung an alle Mitglieder des EZB-Rats.
  • Zusätzlich erhalten die Ratsmitglieder aus der volkswirtschaftlichen Abteilung begleitende Informationen über die Entwicklungen zwischen den Sitzungen.
  • Darüber hinaus gibt es - abhängig von der Aktualität - Ausarbeitungen zu ganz verschiedenen Themen wie Ölpreise oder Immobilienmarkt. Viele dieser ad hoc-Papiere macht auch die volkswirtschaftliche Abteilung.
  • In den Zyklus ist vier Mal jährlich der Report über die Projektionen für Wachstum und Inflation einbezogen: zwei Mal - im Juni und Dezember - produziert unter dem Dach des Monetary Policy Committee (MPC), zwei Mal - März und September - produziert von den ECB-Stäben.

Ablauf der Sitzung:

  1. EZB-Direktoriumsmitglied Gertrude Tumpel-Gugerell gibt einen Überblick über alle Märkte (Beschreibung, keine Wertung)

  2. EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing gibt einen Überblick über die wirtschaftliche und monetäre Lage plus Einschätzung plus Handlungsempfehlung.

  3. Diskussion der EZB-Ratsmitglieder

  4. Der Präsident fasst zusammen und kommt zu einer Schlussfolgerung. Wenn es keine Gegenstimmen gibt, gilt der Beschluss als gefasst.



Bank of England

Im Vorfeld:

  • Am Freitag der Vorwoche:


    Der Stab gibt den Mitgliedern des Monetary Policy Committee (MPC) einen Überblick über alle für die geldpolitische Entscheidung relevanten Informationen.
  • Am Mittwoch:


    Die MPC-Mitglieder diskutieren die wichtigsten wirtschaftlichen Themen. In der Regel legt der Gouverneur die Tagesordnung fest, aber alle Mitglieder können Themen vorbringen.


    Vier Mal jährlich erstellen der Stab und alle MPC-Mitglieder Prognosen. Dann stehen die damit verbundenen Themen im Vordergrund.

Ablauf der Sitzung:

  1. Chefvolkswirt Charles Bean gibt seine Interpretation der Entwicklungen und gibt eine Handlungsempfehlung.

  2. MPC-Mitglieder können ein kurzes Statement und eine Handlungsempfehlung. abgeben.

  3. Der Gouverneur gibt seine Meinung zuletzt preis.

  4. Bei der Abstimmung zählen alle neun Stimmen gleich. Nur bei Stimmengleichheit gibt die Stimme des Präsidenten den Ausschlag.



Federal Reserve

Im Vorfeld:

  • Etwa zehn Tage vor der Sitzung des Federal Open Market Committee (FOMC) beginnen 25 Stabsmitglieder mit der Erstellung ihres eigenen, unabhängigen Wirtschaftsausblicks. Er geht Donnerstags vor der Sitzung an die FOMC-Mitglieder. Annahme: Konstante Zinsen.
  • Am Donnerstag vor der Sitzung erhalten die FOMC-Mitglieder das „Grünbuch“ mit dem Ausblick des Stabs. Teil I enthält Prognose und Analyse des Ausblicks, Teil II enthält eine detaillierte Analyse der jüngsten Entwicklungen in der Wirtschaft und an den Finanzmärkten.
  • Am Samstag Vormittag erhalten die FOMC-Mitglieder das „Blaubuch“, eine detaillierte Darstellung der Optionen der Geldpolitik.
  • Am Montag vor der Sitzung präsentiert der Stab dem Board ausführlich den Ausblick.
  • Zwei Mal jährlich - im Vorfeld des Humphrey Hawkins Report im Februar und Juli - werden Langfristprognosen vorbereitet, etwas zum Thema Deflation.

Ablauf der Sitzung:

  1. Dino Kos, Manager „Finanzmarktoperationen“, gibt einen Überblick über die Entwicklung an den Finanzmärkten.

  2. David Stockton, Direktor „Forschung und Statistik“, präsentiert die Prognose des Stabs der Fed-Gouverneure.

  3. Wenn internationale Entwicklungen von Bedeutung sind, wird sein Bericht ergänzt durch den von Karen Johnson, Direktor „Internationale Finanzen“.

  4. Jedes FOMC-Miglied gibt seine Meinung zu dem Ausblick. Der Vorsitzende äußert sich in dieser Runde nicht.

  5. Vincent Reinhart, Direktor „Geldpolitische Angelegenheiten“ präsentiert die im Blaubuch enthaltenen Optionen der Geldpolitik, ohne einen bestimmten Kurs zu empfehlen.

  6. Die FOMC-Mitglieder diskutieren die Optionen. Diesmal beginnt der Vorsitzende.

  7. Entscheidungsrunde. Der Vorsitzende (gilt für die Ära Greenspan) gibt sehr klare und kraftvolle Argumente für eine bestimmte Entscheidung - oft untermauert mit neuen Daten oder neuen Einsichten. Die anderen Mitglieder sagen, warum sie zustimmen oder nicht.

  8. Der Vorsitzende fasst zusammen.

  9. Abstimmung.

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin
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