Hintergrund
Warum Euro-Bonds zum Reizwort wurden

Die Eurozone ist derzeit tief gespalten. Grund ist die Debatte über Euro-Bonds. Der Chef der Eurogruppe, Jean- Claude Juncker, kämpft für solche gemeinsamen Anleihen als geeignetes Mittel zur Überwindung der Staatsschuldenkrise in den Euroländern. Deutschland und Frankreich trommeln dagegen. Warum eigentlch?
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HB FRANKFURT/MAIN. Deutschland und Frankreich wehren sich vehement, weil Euro- Bonds wegen der Beteiligung klammer Staaten ihre Bonität belasten könnten. Das würde zu höheren Zinsen führen. Außerdem würden sie mithaften für die Schulden anderer, die zuvor über ihre Verhältnisse gelebt haben.

Nach dem Juncker-Modell soll eine noch zu gründende europäische Schuldenagentur Anleihen begeben, für die dann alle Euroländer gemeinsam haften. Das Ziel: Hoch verschuldete Krisenländer sollen am Rentenmarkt zu vergleichsweise günstigen Konditionen Kredite aufnehmen können. Damit will Juncker Spekulanten in die Suppe spucken, die auf immer neue Schuldenkrisen in Euro-Ländern wetten.

Parallel soll ein Anreizsystem für verschuldete Euroländer geschaffen werden, damit diese den Abbau ihrer Defizite vorantreiben. Denn Kritiker warnen: Der Anreiz, sich auf Kosten anderer zu verschulden, würde sich massiv erhöhen, wenn die gesamte Eurozone für die Miesen einstehen würde. Nach dem Juncker-Vorschlag sollen Euro-Bonds nationale Staatsanleihen ergänzen, aber nicht ersetzen. Die Papiere sollen einen Teil der nationalen Schulden auf europäischer Ebene bündeln.

Der größte Teil der Schulden soll aber nach wie vor zu nationalen Zinssätzen verzinst werden. Dies sieht der Luxemburger als Weg, die Spekulationen gegen den Euro dauerhaft zu stoppen. Die Bundesregierung warnt hingegen vor einem ständigen Streit über die Aufteilung zwischen "nationalen Schulden" mit teuren Zinssätzen und "Gemeinschaftsschulden" mit niedrigeren Zinsen.

Umstritten ist auch, wie realistisch es ist, dass nationale Bonds neben europäischen langfristig bestehen können. Andreas Rees, Chefvolkswirt Deutschland bei Unicredit, warnt: "Die Ausgabe von Euro-Bonds würde die Zinssätze für portugiesische und spanische Staatsanleihen massiv in die Höhe treiben. Aufgrund der jüngsten Turbulenzen dürfte ein Großteil der Anleger in den vermeintlich sicheren Hafen einer europäischen Gemeinschaftsanleihe flüchten." Neue Anleihen aus diesen Ländern würden dann zu Ladenhütern. Im Endeffekt wären diese Länder zur Finanzierung ihrer Nettokreditaufnahme vollständig auf Euro-Bonds angewiesen.

Kommentare zu " Hintergrund: Warum Euro-Bonds zum Reizwort wurden"

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  • Eurobonds:
    1) Sie lösen keine Problem sondern schinden nur wieder Zeit bis zur totalen Katastrophe
    2) Alle gehen zusammen und zur gleichen Zeit unter
    3) Geben Spekulanten Zeit, sich aus der Verantwortung zu schleichen
    Deshalb nein zu Euro-bonds ohne grundlegende Reformen in der EU.

  • Warum analysiert eigentlich niemand mehr, dass bei Gründung der Gemeinschaftswährung zur Gewährleistung der Stabilität des Euros genau diese gegenseitige Haftung der Staaten ausdrücklich untersagt war? Wieso ist das jetzt eigentlich plötzlich möglich und soll jetzt genau gegnteilig wirken?

  • @mousti
    ..wenn ihr Luxemburger soviel zahlt, kann man ja locker auf die deutschen Steuergelder verzichten !

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