Hinweis auf allmähliche Konjunkturerholung
Kredit-Nachfrage und Geldmenge ziehen an

Die Nachfrage nach Krediten zieht in der Euro-Zone langsam wieder an. Volkswirte werten dies als weiteren Hinweis auf eine allmähliche Konjunkturerholung und als Rechtfertigung für die Europäische Zentralbank (EZB), die Zinsen möglicherweise doch nicht weiter zu senken.

Reuters FRANKFURT. Wie die EZB am Donnerstag in Frankfurt mitteilte, beschleunigte sich das Wachstum der gesamten Kreditvergabe im Währungsraum im Juli auf 5,3 % von 4,8 % im Juni. An den privaten Sektor wurden 5,5 (Juni 5,1) Prozent mehr Kredite vergeben als vor einem Jahr.

„Die jüngsten Zahlen liefern weitere Anzeichen für einen moderaten Aufschwung in der Euro-Zone“, sagte Volkswirt Michael Schubert von der Commerzbank. Insgesamt sei genügend Liquidität vorhanden, um eine wirtschaftliche Belebung zu finanzieren. „Das legt nahe, dass es keine weiteren Zinssenkungen durch die EZB geben wird“, ergänzte Schubert.

Zuletzt hatte EZB-Direktoriumsmitglied Eugenio Domingo Solans gesagt, dass die geldpolitischen Bedingungen die wirtschaftliche Erholung begünstigten. In einem Interview mit einem spanischen Radiosender hatte Domingo darauf verwiesen, dass die Zinsen inflationsbereinigt nahe null Prozent liegen.

Beim EZB-Ratstreffen nächste Woche werden die Währungshüter nach nahezu einhelliger Einschätzung von Volkswirten den Leitzins in der Euro-Zone unverändert bei 2,00 % belassen. Wie eine am Mittwoch veröffentlichte Reuters-Umfrage ferner ergab, gehen die meisten Experten zwar von einer weiteren geldpolitischen Lockerung in diesem oder dem nächsten Jahr aus. Das Ausmaß des Zinsschritts wird angesichts zunehmender Hinweise auf ein allmähliches Anziehen der Konjunktur aber moderater eingeschätzt als in den vergangenen Monaten.

Auch das Geldmengenwachstum beschleunigte sich im Juli - entgegen den Erwartungen von Volkswirten. Die Geldmenge M3 stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat bereinigt um 8,5 % nach revidiert 8,4 % im Juni. Von Reuters befragte Analysten hatten demgegenüber im Schnitt eine Verlangsamung des Wachstums auf 8,1 % vorausgesagt. Der M3-Anstieg im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (Mai bis Juli) verharrte bei 8,5 % und lag damit weiter deutlich über dem EZB-Referenzwert von 4,5 %.

Das Wachstum des für die EZB-Zinspolitik relevanten Geldmengenaggregats M3 liegt schon seit rund zwei Jahren weit über diesem Wert. Die Notenbank führt dies auf Kapitalumschichtungen im Zuge der Aktienmarktschwäche in den vergangenen Jahren zurück, sieht darin aber keinen Hinweis auf erhöhten Preisdruck. Starkes Geldmengenwachstum kann grundsätzlich zu steigender Inflation führen und ist für die EZB, deren oberstes Ziel Preisstabilität ist, normalerweise ein Zeichen für die Notwendigkeit von Zinserhöhungen.

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