Höhere Wachstumsprognose
IWF strotzt vor Optimismus

Noch im April hatte der Internationale Währungsfonds vorausgesagt, dass das Weltwirtschaftswachstum sich von 5,4 Prozent im Jahr 2006 auf 4,9 Prozent im laufenden und im kommenden Jahr verlangsamen werde. Offenbar ein Irrtum: Die Organisation wird seine Wachstumsprognosen nach oben revidieren. Dies kündigte Chefvolkswirt Simon Johnson vor Journalisten in Frankfurt an.

FRANKFURT. Neben dem starken Wachstum in den Schwellenländern trägt zu der neuen Prognose vor allem bei, dass die Dynamik in Europa noch besser ist als vom Fonds im Frühjahr unterstellt. Johnson deutete an, dass die Wachstumsprognose für den Euro-Raum für 2007 und 2008 von bisher jeweils 2,3 Prozent auf rund 2,5 Prozent angehoben werden könnte.

Zu den Risiken für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte nimmt Johnson eine dezidiert amerikanische Sichtweise ein. Das hohe amerikanische Leistungsbilanzdefizit, über das viele Europäer sich Sorgen machen, beunruhigt ihn kaum. Er verwies darauf, dass es zuletzt rückläufig gewesen sei. Anders als in den späten sechziger Jahren, als die Weltwirtschaft zuletzt so lange so stark wuchs wie derzeit, würden diesmal die Kurse der wichtigsten Währungen frei am Markt bestimmt. Deshalb sei die Krisengefahr heute geringer als damals.

Auch mögliche Risiken durch die unregulierten und intransparenten Hedge-Fonds nimmt er weit weniger wichtig als etwas die Bundesbank und deutsche Regierungsvertreter, die hier gerne die Aufsicht verbessern würden. Für den IWF-Vertreter wäre es ausreichend, wenn die Hedge-Fonds freiwillig etwas mehr Transparenz herstellten und Banken-Regulierer darauf achteten, dass die Geldinstitute nicht zu hohe Kreditrisiken mit Hedge-Fonds eingehen.

Für den IWF-Chefvolkswirt ist die größte Gefahr für die Weltwirtschaft der zunehmende Inflationsdruck, der sich aus dem anhaltend hohen Wachstum ergibt. „Die Notenbanken müssen in diesem Umfeld hart daran arbeiten, ihre hohe Glaubwürdigkeit zu bewahren“, sagte Johnson. Eine Aufforderung oder auch nur Prognose, dass deswegen weitere Zinserhöhungen durch die EZB oder die US–Notenbank nötig seien, verband er damit allerdings nicht. „Die EZB und die Fed sind derzeit beide in derselben Lage“, sagte Johnson, „beide entscheiden anhand der Daten und Informationen, die sie in den nächsten Monaten bekommen, ob weitere Zinserhöhungen nötig sind.“

Zwar hat sich die US-Wirtschaft zuletzt etwas schlechter entwickelt als der Fonds erwartet hatte, doch ist Johnson optimistisch, dass die Konjunktur dort in der zweiten Jahreshälfte wieder anzieht.

Größere makroökonomische Verwerfungen aus den Problemen am amerikanischen Immobilienmarkt befürchtet der IWF nicht. „Die Probleme bei Hypothekenkrediten minderer Sicherheit haben nicht auf andere Segmente übergegriffen und haben sich nicht zu einem Problem für die Gesamtwirtschaft ausgewachsen“, stellte Johnson fest.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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