Hoffnung
Arbeitsmarkt hält sich robust

Der Einbruch am deutschen Arbeitsmarkt dürfte weniger schlimm ausfallen als befürchtet. Diese Hoffnung haben sowohl Umfragen unter Unternehmen als auch die Einschätzungen führender Ökonomen genährt. Auch der stärkste prozentuale Rückgang der Beschäftigtenzahl im verarbeitenden Gewerbe seit Januar 1995 stimmt Volkswirte nicht pessimistisch.
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BERLIN. „Gemessen daran, dass wir den stärksten wirtschaftlichen Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt haben, zeigt sich der Arbeitsmarkt noch immer sehr robust“, sagt Andreas Scheuerle von der Deka-Bank.

Verglichen mit dem Vorjahresmonat sank im August die Zahl der Beschäftigten in den Industriebetrieben um 4,4 Prozent. Einen Monat zuvor war sie noch um 3,9 Prozent zurückgegangen. Das meldete das Statistische Bundesamt. Gleichzeitig sank die Zahl der Arbeitsstunden im August verglichen mit dem Vorjahresmonat um mehr als zehn Prozent – eine Folge „der starken Nutzung von Kurzarbeit“, schrieb das Amt. „Diese Reaktion der Unternehmen ist verglichen mit dem scharfen Einbruch der Produktion noch relativ milde“, sagt Volkswirt Scheuerle.

Das Arbeitsvolumen war zuletzt weit weniger gesunken als die gesamtwirtschaftliche Produktion. Besonders krass sind die Verhältnisse in der Metall- und Elektroindustrie, unter deren Dach sich große Exportbranchen wie der Maschinenbau und die Autoindustrie versammeln: Die Zahl der Metall-Beschäftigten sank binnen Jahresfrist zwar um 4,9 Prozent auf 3,46 Millionen, die Produktion bewegte sich aber zugleich sogar um mehr als 25 Prozent unter Vorjahresniveau.

Die Jobsicherung, vorwiegend per Kurzarbeit, hat freilich eine deutlich messbare Kehrseite: Sie belastet die Ertragskraft der Unternehmen. Die Lohnstückkosten in der Metall- und Elektroindustrie waren im Zeitraum Januar bis August 2009 um fast 27 Prozent höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Trotzdem zeigten sich, gesamtwirtschaftlich, in jüngster Zeit diverse Besserungstendenzen. Aus Unternehmensumfragen wie dem Handelsblatt Business-Monitor geht hervor, dass in den kommenden zwölf Monaten zwar nach wie vor mehr Unternehmen Personal abbauen als aufbauen wollen – die im ersten Halbjahr noch weit geöffnete Schere schließt sich aber allmählich.

Auch die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hatten in ihrem Herbstgutachten eine kleine Entwarnung für den Arbeitsmarkt gegeben. Bis zum Jahresende sei zwar mit einem besonders starken Beschäftigungsabbau zu rechnen, denn die meisten Betriebe hätten in der ersten Jahreshälfte für sechs bis acht Monate Kurzarbeit angemeldet. „Bei anhaltend schwacher Auftragslage ist es wahrscheinlich, dass sich viele Unternehmen zu Entlassungen durchringen müssen.“ Danach dürfte sich die Abwärtsdynamik aber verlangsamen. Im Jahresdurchschnitt 2010 sei mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl auf 4,1 Millionen zu rechnen.

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