Hoffnungsträger
Goldman Sachs steht auf Bangladesch

Investmentbanker zählen das Land an der Gangesmündung zur Liga der wirtschaftlichen Hoffnungsträger. Weitgehend unbemerkt vom Westen findet im einstigen Krisenland ein Aufbruch statt. Von der Weltrezession blieb das nach wie vor zu den ärmsten Ländern der Welt gehörende Bangladesch verschont. Zu den Boombranchen gehört vor allem der Mobilfunk.
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DHAKA. Der Fortschritt in Bangladeschs verkehrs- und müllgeplagter Hauptstadt Dhaka kommt unscheinbar daher. Zum Beispiel in Form kleiner Sticker mit einer fröhlich-gelben Sonnenblume und dem Schriftzug "Cell Bazaar". Sie kleben überall, auf Dhakas Taxis und Minibussen, am Tresen von Kiosken und Läden. Cell Bazaar ist ein Kind der Mobilfunkrevolution, ein virtueller Marktplatz. Mit simplen Textnachrichten wird hier alles gehandelt, was verkäuflich ist: vom Sack Reis über den Kühlschrank und das Auto bis hin zur kompletten Eigentumswohnung.

Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit in den westlichen Industrieländern findet in Bangladesch ein Aufbruch statt. Junge Unternehmen wie Cell Bazaar verändern die Lebensgewohnheiten, der größte Mobilfunkanbieter Grameenphone feiert ein fulminantes Börsendebüt, neue Exportbranchen wie der Schiffbau drängen auf die Weltmärkte. "Bangladesch stand immer im Schatten von Asiens Tigerstaaten, jetzt setzt es an zur Aufholjagd", beobachtet Daniel Seidl, Direktor der deutsch-bengalischen Handelskammer in Dhaka.

Investmentbanker nennen das Land einen Hoffnungsträger

Die Investmentbanker von Goldman Sachs zählen das Land an der Gangesmündung inzwischen zur Liga der wirtschaftlichen Hoffnungsträger wie Ägypten, Indonesien, die Philippinen und die Türkei. Gemessen an diesen Ländern liegt Bangladesh freilich noch immer weit zurück: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug im vergangenen Fiskaljahr bis Ende Juni 89,6 Mrd. Dollar - das entspricht gerade einmal der Hälfte der Wirtschaftsleistung des kleinen Stadtstaats Singapur. Und mit einem Pro-Kopf-BIP von 621 Dollar gehört Bangladesch weiterhin zu den ärmsten Ländern der Welt.

Doch junge Unternehmer wie Ka-mal Quadir, der 37-jährige Gründer von Cell Bazaar, lassen das Potenzial des Landes aufblitzen. Innerhalb von drei Jahren hat Cell Bazaar vier Millionen Nutzer gewonnen. Nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land. Dort sorgt der Handel über das Handy für mehr Preistransparenz und verringert so die Abhängigkeit der Kleinbauern von skrupellosen Zwischenhändlern. Quadir, der am Massachusetts Institute of Technology (MIT) studierte, hätte auch bei einer der großen US-Banken anheuern können. Er zog es aber vor, in die Chaos-Metropole Dhaka zurückzukehren. "Die Geschäftschancen hier sind gewaltig", sagt er.

Die Boombranche schlechthin ist der Mobilfunk. Jeder Dritte von Bangladeschs 145 Mio. Einwohnern hat heute ein eigenes Mobiltelefon. Vor acht Jahren waren es ganze 200 000. Die weltweite Wirtschaftskrise hat die Dynamik des Landes nur wenig gebremst. Die Wirtschaft wuchs im Fiskaljahr 2008/09 um 5,9 Prozent, das waren gerade mal 0,3 Punkte weniger als im Vorjahr. Für das kommende Haushaltsjahr sagt die Regierung sechs Prozent Wachstum voraus, die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) prognostiziert 5,2 Prozent.

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  • bangladesch ist doch das Land, das untergeht, wenn der Meeresspiegel auf Grund der Erderwärmung steigt.

    in diesem Land zu investieren ist absoluter irrsinn was sich bei der nächsten Überschwemmungskatastrophe zeigen wird. - Aber es geht ja wie immer nur um kurzfristige Gewinne!

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