Hoher Ölpreis drückt das Wirtschaftswachstum
HWWA senkt Wachstumsprognose

Der hohe Ölpreis wird nach Einschätzung des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs in diesem Jahr die deutsche Konjunktur deutlich abbremsen.

HB BERLIN. Als viertes der sechs führenden Forschungsinstitute senkte das HWWA am Montag seine Wachstumsprognose und zwar auf 0,6 von 0,9 Prozent. Dabei geht das Institut von einem leichten Anstieg des privaten Konsums und der Ausrüstungsinvestitionen aus, erwartet zugleich aber ein spürbar schwächeres Exportwachstum. Zur Wirtschaftspolitik erklärten die HWWA-Forscher: „Von der Regierungserklärung des Bundeskanzlers und den Ergebnissen des 'Beschäftigungsgipfels' sind für dieses Jahr keine großen Impulse mehr für die Konjunktur in Deutschland zu erwarten.“

Trotz der Prognosesenkung geht das HWWA weiterhin „von einer moderaten Erholung der Konjunktur“ aus. Dabei werde der Export eine wesentliche Stütze bleiben. Allerdings dürften die Ausfuhren nur noch um 3,8 nach 8,6 Prozent im vergangenen Jahr zulegen und die Importe um knapp vier Prozent nach 6,4 Prozent steigen. Neben dem hohen Ölpreis führte das HWWA als Begründung für die Prognosesenkung das schwache zweite Halbjahr 2004 an. Dadurch habe sich die Ausgangsbasis für 2005 verschlechtert. Die Wirtschaft war 2004 zwar um 1,6 Prozent gewachsen. Allerdings hatte sich die Dynamik im Jahresverlauf abgeschwächt. Im dritten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt unverändert geblieben und im vierten Quartal um 0,2 Prozent zum Vorquartal geschrumpft.

HWWA rechnet mit deutlich höherem Ölpreis als bisher

Bereits im Dezember hatte das HWWA eine vergleichsweise pessimistische Prognose für 2005 abgegeben und vor den Folgen des hohen Ölpreises gewarnt. In der neuen Prognose hieß es: „Aus heutiger Sicht muss (...) mit einem deutlich höheren Ölpreis - und damit auch mit stärkeren Bremswirkungen - gerechnet werden als Ende vergangenen Jahres.“ Das HWWA gilt als führendes Institut bei der Prognose von Rohstoffpreis-Entwicklungen. Allein seit Jahresbeginn hat sich ein Barrel (rund 159 Liter) der führenden europäischen Öl-Sorte Brent um fast 40 Prozent verteuert.

Die privaten Konsumausgaben dürften dem HWWA zufolge 2005 um 0,5 Prozent zulegen, nachdem sie 2004 um 0,4 Prozent zurück gegangen waren. Bei den Ausrüstungsinvestitionen erwarten die Forscher einen Zuwachs um 4,0 nach 1,2 Prozent im vergangenen Jahr. Für den Arbeitsmarkt sehen die Hamburger Experten noch keine große Entlastung. Die Zahl der Arbeitslosen werde im Jahresschnitt mit 4,75 Millionen einen neuen Höchststand erreichen, allerdings vor allem wegen der durch Hartz IV neu hinzu gekommenen erwerbsfähigen Sozialhilfeempfänger.

In den vergangenen Wochen hatten bereits das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) ihre BIP-Prognosen für 2005 gesenkt. Die anderen Institute gehen von 1,0 (RWI), 1,1 (IWH) und 0,6 (IfW) Prozent Wirtschaftswachstum aus. Die Bundesregierung hält bisher an ihrer Prognose fest, dass das BIP um 1,6 Prozent zulegen wird.

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