"Hoher Ölpreis ist Risiko für die Wirtschaft"
OECD rät US-Notenbank zu langsameren Zinserhöhungen

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa (OECD) hat angesichts des verheerenden Folgen des Hurrikans „Katrina“ der US-Notenbank nahe gelegt, die Zinsen langsamer zu erhöhen als bisher.

HB PARIS. Die in Paris ansässige Organisation bestätigte am Dienstag die Prognose für das US-Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr von 3,6 Prozent. Es sei bislang nicht möglich, die Konsequenzen des Sturmes korrekt abzuschätzen. Zugleich zeigte sich die OECD besorgt, der anhaltend hohe Ölpreis sei ein Risiko für die Wirtschaft. Der Anstieg sei vergleichbar mit der Entwicklung zu Zeiten des Ölpreisschocks in den 70er Jahren. An die Europäische Zentralbank (EZB) appellierte die OECD, bei ihrer lockeren Geldpolitik zu bleiben. Für Deutschland senkte die Organisation ihre Wachstumsprognose zudem leicht auf ein Prozent von zuvor 1,2 Prozent für 2005.

„Es gibt keine dringende Notwendigkeit, die Zinsen zu erhöhen“, sagte OECD-Chefvolkswirt Jean-Philippe Cotis. Die US-Notenbank Fed hat die Zinsen zuletzt am 9. August auf 4,5 Prozent erhöht und damit ihre allmähliche Straffung der Geldpolitik fortgesetzt. Die EZB dagegen ließ das Zinsniveau für die Euro-Zone vergangene Woche unverändert auf einem Rekordtief von 2,0 Prozent. „Die Federal Reserve sollte sich weiter in Richtung Neutralität bewegen (von einer lockeren Haltung), wenngleich womöglich mit einem etwas gemäßigterem Tempo als bisher“, sagte Cotis.

Für die Euro-Zone rechnet die OECD für dieses Jahr nun mit einem Wachstum von 1,3 Prozent statt bislang 1,2 Prozent. Angesichts der erwarteten Erholung zeigte sich Cotis aber zurückhaltend. Es sei schwer zu sagen, ob sich der Aufschwung tatsächlich realisieren werde. Allerdings bestehe Hoffnung, dass die starke deutsche Exportwirtschaft allmählich auf das Niveau der Investitionen durchschlage. Die Bundesregierung erwartet für Deutschland in diesem Jahr ebenfalls ein Wachstum von einem Prozent. Viele Ökonomen halten dies aber wegen der Stagnation der Wirtschaftsleistung im Frühjahr und dem Höhenflug des Ölpreises nur noch für schwer erreichbar.

Für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, Frankreich, hob die OECD ihre Wachstumsprognose indes leicht an auf nun 1,6 Prozent von bislang 1,4 Prozent.

Ausführlichere Vorhersagen veröffentlicht die Organisation zwei Mal pro Jahr in einem speziellem Ausblick. Die nächste Ausgabe wird für November erwartet.

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