HWWI erhöht Prognose
Ungebremster Aufschwung

Deutschlands Ökonomen glauben an einen lang anhaltenden Aufschwung. Nach dem Institut für Weltwirtschaft und dem Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung hat nun das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) seine Prognosen deutlich erhöht. Das HWWI erwartet bis Ende kommenden Jahres einen ungebremsten Aufschwung.

HB BERLIN/HAMBURG. Das HWWI erwartet nun ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 2,8 Prozent. In der April-Prognose hatte das Institut 2,3 Prozent prognostiziert. Der Aufschwung in Deutschland setze sich „weitgehend ungebremst fort“, heißt es in der aktuellen, am Donnerstag veröffentlichten HWWI-Konjunkturprognose. Für 2008 erwarten die HWWi-Experten einen BIP-Anstieg von 2,5% nach bislang prognostizierten 2,4%.

Die Konjunktur werde immer stärker durch die Binnennachfrage getragen. Die hohen Unternehmensgewinne, die guten Konjunkturaussichten und die immer noch relativ niedrigen langfristigen Zinsen werden laut HWWI zu weiter kräftig steigenden privaten Investitionen im laufenden Jahr führen. Aber auch die staatlichen Investitionen würden wieder deutlich ausgeweitet. Allerdings erwartet das HWWI „mit dem Wechsel zu einem restriktiveren Kurs der Geldpolitik steigende langfristige Zinsen“. Das Institut rechnet mit zwei weiteren Zinsschritten noch im laufenden Jahr.

Die insgesamt positive Konjunkturentwicklung wirke sich auf den Arbeitsmarkt aus. Die Zahl der Erwerbstätigen steige 2007 um etwa 500 000 und 2008 um weitere 300 000 Personen. Die Zahl der Arbeitslosen werde sich 2007 auf durchschnittlich 3,75 Millionen und 2008 auf 3,40 Millionen verringern. Die Arbeitslosenquote dürfte damit 2007 auf 8,7 Prozent und 2008 auf 7,9 Prozent zurückgehen. Rascher als in den vergangenen Jahren dürften laut HWWI die verfügbaren Einkommen wachsen. Das rege den privaten Konsum an. Das HWWI geht davon aus, dass die privaten Konsumausgaben im laufenden Jahr um 0,5 Prozent und im kommenden Jahr um 1,8% steigen werden.

Die Mehrwertsteuererhöhung sei bisher nur zu geringen Teilen überwälzt worden und damit die Konsumnachfrage nur partiell beeinträchtigt worden. Zudem habe sie zu keinem starken Preisschub geführt. Der Anstieg der Verbraucherpreise dürfte daher 2007 laut HWWI bei 1,8 Prozent liegen. Im kommenden Jahr sinke die Inflationsrate auf 1,5 Prozent. Es sei zwar davon auszugehen, dass im Laufe des Jahres eine immer weitergehende Überwälzung der Mehrwertsteuer stattfinde, aber diese werde bei den zunehmenden Einkommen nicht zu Einbrüchen im privaten Konsum führen.

Die verbesserte Lage der öffentlichen Haushalte dürfte gemäß HWWI auch den staatlichen Konsum wieder stärker wachsen lassen. Die Konsumausgaben des Staates steigen laut HWWI 2007 um 2,0 Prozent und 2008 um 1,7 Prozent. „Damit wird der Konsum schon im laufenden, aber besonders im nächsten Jahr zu einer tragenden Stütze der Konjunktur“, heißt es im HWWI-Konjunkturbericht.

Der Export werde etwas durch den starken Euro und die nachlassende Konjunktur in den USA gedämpft. Allerdings sei ein großer Teil der deutschen Exporte nicht unmittelbar vom Euro-Kurs betroffen, da er in die Länder der europäischen Währungsunion gehe.

Die zurückhaltende Lohnpolitik der vergangenen Jahre habe die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft erhöht. Daher sei auch in den kommenden Monaten mit einem kräftigen Exportwachstum zu rechnen. Das HWWI erwartet 2007 einen Anstieg der Exporte um 8,2 Prozent und im kommenden Jahr um 7,1 Prozent. Die Einfuhren werden sich im laufenden Jahr um 8,1 Prozent und im kommenden Jahr um 7,0 Prozent erhöhen.

Die gute konjunkturelle Entwicklung führe zu steigenden Steuereinnahmen und verminderten Ausgaben für Arbeitslosigkeit. Als Folge sinke das staatliche Budgetdefizit 2007 auf 0,3% des BIP. Im kommenden Jahr könnte ein ausgeglichenes Budget erreicht werden. Damit ist aus HWWI-Sicht der Konsolidierungsbedarf nicht beendet, sondern weitere Einsparungen notwendig, um das Budget auch strukturell auszugleichen.

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