Ifo-Chef Hans-Werner Sinn
„EZB-Programm ist Testballon für Anleihekäufe“

Der Eurozone droht eine Rezession. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit großangelegter Anleihekäufe der EZB. Ifo-Chef Sinn hofft, dass die Notenbank zumindest die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs abwartet.
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FrankfurtDer Chef des Münchner Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn sieht den von der Europäischen Zentralbank (EZB) geplanten Ankauf von besicherten Kreditpaketen (ABS) als Vorläufer für eine quantitative Lockerung (QE) mit großangelegten Anleihekäufen. „Das ABS-Programm ist möglicherweise nur ein Testballon“, sagte Sinn dem Handelsblatt. „Ich hoffe, die EZB wartet zumindest, bis der EuGH zum OMT-Programm Stellung genommen hat, denn QE heißt ja wieder, dass man Staatspapiere kauft.“

EZB-Chef Draghi hatte Anfang Oktober angekündigt, dass die EZB Kreditverbriefungen (ABS) und Pfandbriefe für bis zu eine Billion Euro kaufen will. Mit ABS-Papieren können Banken Kredit-Risiken bündeln, aus der Bilanz auslagern und am Markt damit handeln. Idealerweise haben sie dann mehr Mittel frei, um neue Darlehen zu vergeben.

Dahinter steht die Hoffnung, die Banken dadurch zu einer höheren Kreditvergabe zu animieren. Vor dem direkten Kauf von Staatsanleihen scheut die EZB bisher zurück. Andere Notenbanken in den USA, Großbritannien und Japan haben bereits in großem Stil eigene Staatsanleihen aufgekauft. Durch die schwache Konjunktur und die niedrigen Preise könnte die EZB aber bald ähnliches tun.

Am Donnerstag hat der EZB-Rat außerdem beschlossen, griechischen Banken mehr Liquidität zur Verfügung zu stellen. Die Notenbank senkte den Abschlag auf Sicherheiten, die griechische Institute bei der EZB hinterlegen. Aus Sicht von Ifo-Chef Sinn hat diese Entscheidung vergleichsweise geringe Auswirkungen. „Das ist ein Klacks relativ zu der dramatischen und vielfältigen Verringerung der Bonitätsanforderung für die in Zahlung genommenen Pfänder“, sagt er. Die EZB hat im Zuge der Finanzkrise ihre Sicherheitsanforderungen für Zentralbank-Kredite gesenkt. Aus Sicht von Sinn habe sie es den Euro-Krisenländern dadurch erlaubt, „1000 Milliarden Euro an Target-Krediten aus den lokalen Druckerpressen zu ziehen.“

Target ist ein internes Verrechnungssystem der Euro-Zentralbanken. Über dieses System wickeln die Banken im Euroraum ihre internationalen Zahlungen ab.

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

Kommentare zu " Ifo-Chef Hans-Werner Sinn: „EZB-Programm ist Testballon für Anleihekäufe“"

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  • Dann hätte man sich das "No Bail Out" Gebot sparen können.Wieso kam der Passus in´s Gesetz?Krisen sind im Kapitalismus gesetzmäßig.Zyklische,strukturelle,systemische Krisen,auch Börsen-Blasen gab es schon vor dem Euro.Insofern war klar,dass auch dem Euro Krisen bevorstehen.Dann hätte man sich das No Bail Out sparen können,wenn man nicht bereit ist,die Märkte schalten und walten zu lassen.Bei der FED das Selbe,kaum geht es abwärts,soll neues Geld kommen.Ohne Geldspritzen geht wohl nichts mehr..?

  • "Die nationalen Parlamente werden dann wohl bald überflüssig bzw. sind es schon."

    Dann können wir uns also die Diäten und Pensionen für die Politiker einstellen. M.E. ist es noch gravierender. Diäten und Pensionen der Politiker sollten wegen Arbeitsverweigerung eingestellt werden. Nur dann fangen die Mädels und Burschen an zu laufen.

    Ohne finanzielle Einbußen geht es denen am ... vorbei.

  • Konnte auf Ihre Frage mit den 76 E Stadt Essen nicht antworten.
    Die Buchung, 76E in den Aktiva, ist völlig falsch von Anfang an. Es wird immer der niedrigste Wert gebucht.

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