Ifo-Geschäftsklimaindex
Der Großhandel ist die Schwachstelle

Der leichte Abschwung des Ifo-Geschäftsklimaindexes setzt sich fort: Im Juli ist das Konjunkturbarometer abermals gefallen - und zwar exakt so stark, wie Experten erwartet hatten. Vor allem der Großhandel schaut inzwischen weniger optimistisch in die Zukunft.

HB MÜNCHEN. Der Index sank im Juli von 107,0 Punkte auf 106,4 Punkte. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die weiteren Aussichten wurden von den befragten Unternehmen etwas weniger günstig beurteilt als noch im Juni, wie das Ifo-Institut mitteilte. Die Konjunkturforscher gaben jedoch zugleich Entwarnung: Der Aufschwung sei nicht in Gefahr und werde sich auch im zweiten Halbjahr fortsetzen. Auch am Arbeitsmarkt sei mit einer weiteren Entspannung zu rechnen.

Ihre aktuelle Geschäftslage beurteilten die 7000 befragten Unternehmen nahezu ebenso positiv wie zuvor: Der Teilindex sank im Juli nur minimal von 111,4 auf 111,3 Punkte. Der Teilindex zur Beurteilung der Geschäftserwartungen im kommenden halben Jahr fiel dagegen exakt um einen Punkt auf 102,8 Punkte. Der Rückgang lag im erwarteten Rahmen, nachdem der Ifo-Index bereits im Vormonat seinen höchsten Stand seit der deutschen Wiedervereinigung nicht mehr halten konnte.

Ifo zufolge hat sich das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe nach der leichten Abwärtstendenz in den vorangegangen fünf Monaten im Juli wieder geringfügig aufgehellt. Verbessert hätten sich aber nur die Urteile zur gegenwärtigen Situation, während die Perspektiven abermals etwas zurückhaltender eingeschätzt werden.

Im Einzelhandel habe der Klimaindikator knapp auf den Stand vom Vormonat gehalten. Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Situation günstiger, ihre Erwartungen haben sich allerdings abgeschwächt. Spürbar abgekühlt hat sich nach ifo-Angaben das Geschäftsklima im Großhandel. Die aktuelle Geschäftslage wird in diesem Sektor zwar nur etwas weniger positiv eingestuft als im Juni, der Optimismus hinsichtlich der künftigen Entwicklung hat jedoch erheblich nachgelassen.

Die „gute Botschaft“ des Ifo-Index sei, dass sich die Industrie als wichtigste Komponente nur geringfügig verschlechtert habe, sagte Ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb. Die Lageeinschätzung in der Industrie habe sich nicht verändert, allerdings seien die Erwartungen nicht mehr ganz so positiv. „Das Ganze deutet auf eine Fortsetzung der robusten Industriekonjunktur hin“, sagte Nerb.

Er geht davon aus, dass vor allem das Inlandsgeschäft in den kommenden Monaten besser in Gang kommt. Hierfür sprächen die Ergebnisse zum Investitionsgütersektor. Diese seien nochmals deutlich gestiegen, „sodass insgesamt die Investitionen und künftig auch der Konsum die Konjunktur stützen werden“, sagte Nerb. Etwas weniger als bisher werde der Export Impulse für die Konjunktur liefern. Kritisch werde es erst, wenn der Euro noch stärker zulege. Die gut laufende Weltwirtschaft beflügle aber die Exportgeschäfte.

Auch der Ölpreis könne immer wieder als Störfaktor auftreten. Die Unternehmen seien zurzeit aber der Meinung, dass diese Risiken beherrschbar seien. Das gegenwärtige Zinsniveau könne die Wirtschaft gut verkraften, sagte Nerb weiter. Es müsse abgewartet werden, ob die EZB die Zinsen erneut im September oder Oktober anheben werde. „Im Augenblick besteht sicher kein akuter Handlungsbedarf“, sagte der Ifo-Experte. Inflationsgefahren größerer Art seien nicht zu erkennen. Auch die vorliegenden Daten signalisierten nicht, dass Schlimmeres zu erwarten sei. „Die EZB kann relativ gelassen die weitere Entwicklung betrachten“, sagte Nerb.

Am deutschen Aktienmarkt konnte der Ifo-Geschäftsklimaindex nicht überraschen und daher keine Impulse setzen.

Aktuelle Berichte von den internationalen Börsen finden Sie hier



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%