Ifo-Geschäftsklimaindex
Euro-Krise verdirbt der deutschen Wirtschaft die Laune

Die schlechten Nachrichten aus der Euro-Zone reißen nicht ab. Nun erfassen sie auch Deutschland: Die Stimmung in den Unternehmen trübt sich kräftig ein. Und auch die Aussichten beurteilen die Manager schlechter.
  • 12

MünchenDer Ifo-Geschäftsklimaindex, der wichtigste Gradmesser für die deutsche Konjunktur, ging angesichts der verschärften Schuldenkrise von 109,9 Punkten im April auf nun 106,9 Punkte zurück, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag mitteilte. Zuvor war das an den Märkten stark beachtete Barometer sechs Monate in Folge gestiegen. Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang auf 109,4 Punkte erwartet. "Die deutsche Wirtschaft steht unter dem Eindruck der in letzter Zeit gestiegenen Unsicherheit im Euroraum", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Die 7000 befragten Manager schätzten die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter ein als zuletzt. Das Barometer fiel auf 100,9 Zähler von 102,7 Punkten. Experten hatten hier einen Rückgang auf 102 Zähler vorausgesagt.

Auch die Geschäftslage wurde schlechter eingeschätzt. Dieser Index fiel auf 113,3 Punkte von 117,5 Zählern. Hier waren 117,4 Punkte erwartet worden.

Die Spekulationen über einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone hatten die Finanzmärkte zuletzt beunruhigt. Zudem sorgten Differenzen zwischen Deutschland und Frankreich über den rechten Weg aus der Schuldenkrise für Verunsicherung.

Auch aus den anderen Euro-Ländern kommen schlechte Nachrichten. Im Mai verbuchten sowohl die Industrie als auch die Dienstleister schwächere Geschäfte. Das ergab die am Donnerstag veröffentliche monatliche Markit-Umfrage für die gesamte Euro-Zone. Alle Indizes lagen unter den Prognosen der Volkswirte.

Für die Industrie in der Euro-Zone fiel das Barometer vorläufig auf 45,0 Punkte nach 45,9 Punkten im April, die Umfrage unter den Dienstleistern ergab einen Stand von 46,5 Zählern nach 46,9 Punkten im Vormonat.

Erst ein Stand von mehr als 50 Punkten deutet auf Wachstum in dem jeweiligen Sektor hin.

Damit wird immer deutlich, dass der Abschwung in den Krisenstaaten in der Peripherie auf die Kernländer wie Deutschland und Frankreich überzugreifen droht, die bisher die Währungsgemeinschaft vor einem Abgleiten in die Rezession bewahrt haben.

Dabei steht Deutschland wirtschaftlich noch immer relativ gut da: Trotz sinkender Investitionen in Maschinen und Gebäude ist die Wirtschaft hierzulande im ersten Quartal kräftig gewachsen.

Boomende Exporte und kauffreudige Verbraucher ließen das Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März um 0,5 Prozent zum Vorquartal steigen.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ifo-Geschäftsklimaindex: Euro-Krise verdirbt der deutschen Wirtschaft die Laune"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ihr Beitrag Mazi ist ein Widerspruch in sich. Es ist die Eurokrise, basierend auf einer hemmungslosen Verschuldungsorgie, Kern des Übels. Die Krisenverursacher und Schuldenmaniacs wollen jetzt finanziellen Ausgleich für ihr Fehlverhalten. Dass Deutschland hier nicht vorgeprescht ist und reihenweise Absagen erteilt hat, hat mit dem Schuldenproblem überhaupt nichts zu tun. Sie würfeln zusammen, was ursächlich nicht zusammen gehört. Das Problem sind etwa 2,5 Billionen faule Schulden in Europa, die komplett abzuschreiben sind. Das hat mit Merkel und Schäuble nichts zu tun.

  • @Mazi

    Erwartungsgemäß ist die deutsche Schönwetter-Politik gescheitert, insbesondere nachdem wir alle die Grundsätze dieser verantwortungslosen und menschenverachtenden Gilde kennenlernen mußten ... ES GILT DAS GEBROCHENE WORT !!!

    Eben diese gebrochenen Versprechen und Verträge, gepaart mit kontraproduktiver Wirtschaftspolitik zugunsten von Konzernen und Finanz-Mafia, die man seit Jahren mit Schönreden, Verschleiern, Lügen, Vertuschen, zuzukleistern versucht(e), werden dieses EPSILON verglühen lassen.

    Der innere Seismograph eines stetig wachsenden Teil's unserer Bevölkerung registriert entsetzt die ersten Erschütterungen unserer einstmals demokratisch strukturierten Gesellschaft, deren Ursachen in den Glaubensbekenntnissen unserer EURO-Phantasten zu verorten sind.

    Das System wird nach Kräften versuchen, Macht und Pfründe zu verteidigen. Dabei spielen so Kleinigkeiten wie Rechtsbrüche keine Rolle mehr.

    Die hässliche Fratze des Leibhaftigen wird immer deutlicher sichtbar!

  • Die weisungsberechtigte und -gebende deutsch-französische Achse hat dazu geführt dass Regeln vereinbart und den anderen Mitgliedern auf geschwätzt wurden, die vor allem im Interesse der größeren Wirtschaften von Vorteil waren (Bestechung kann dabei nicht ausgeschlossen werden).
    Was man lange als etwas positives betrachtet hat (Motor der Euro-Zone) erweist sich jetzt als verhängnisvoll, weil diese Regel das Auseinander brechen der Währungsunion zur Folge haben werden.
    In einer Freihandelszone und Währungsunion kann das Prinzip der eigenen Verantwortung nur dann funktionieren wenn alle Mitglieder die gleiche Ausgangsvoraussetzungen mitbringen, das ist innerhalb der Währungsunion bei Weitem nicht der Fall, daher kann das Prinzip der eigenen Verantwortung nicht funktionieren.
    Dieses Prinzip der eigenen Verantwortung, vor allem von Deutschland gewollt, führt zwangsläufig zum Kannibalismus, das heißt die kleinere und schwächere Wirtschaften werden von den stärkeren unausweichlich zerrieben und dann übernommen. Dabei wandern die gut bezahlte Jobs ab, was auf die Steuereinahnen sich negativ auswirkt (Haushaltsdefizit). Wir werden also entweder ein Auseinanderbrechen der Währungsunion erleben oder eine Art Neokolonialismus was dann zu politische Instabilität führen wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%