Ifo-Geschäftsklimaindex

Euro-Krise verdirbt Wirtschaft die Laune

Die schlechten Nachrichten aus der Euro-Zone reißen nicht ab. Nun erfassen sie auch Deutschland: Die Stimmung in den Unternehmen trübt sich kräftig ein. Und auch die Aussichten beurteilen die Manager schlechter.
Update: 24.05.2012 - 10:30 Uhr 12 Kommentare
Der Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn. Quelle: dapd

Der Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn.

(Foto: dapd)

MünchenDer Ifo-Geschäftsklimaindex, der wichtigste Gradmesser für die deutsche Konjunktur, ging angesichts der verschärften Schuldenkrise von 109,9 Punkten im April auf nun 106,9 Punkte zurück, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag mitteilte. Zuvor war das an den Märkten stark beachtete Barometer sechs Monate in Folge gestiegen. Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang auf 109,4 Punkte erwartet. "Die deutsche Wirtschaft steht unter dem Eindruck der in letzter Zeit gestiegenen Unsicherheit im Euroraum", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Die 7000 befragten Manager schätzten die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter ein als zuletzt. Das Barometer fiel auf 100,9 Zähler von 102,7 Punkten. Experten hatten hier einen Rückgang auf 102 Zähler vorausgesagt.

Auch die Geschäftslage wurde schlechter eingeschätzt. Dieser Index fiel auf 113,3 Punkte von 117,5 Zählern. Hier waren 117,4 Punkte erwartet worden.

Die Spekulationen über einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone hatten die Finanzmärkte zuletzt beunruhigt. Zudem sorgten Differenzen zwischen Deutschland und Frankreich über den rechten Weg aus der Schuldenkrise für Verunsicherung.

Auch aus den anderen Euro-Ländern kommen schlechte Nachrichten. Im Mai verbuchten sowohl die Industrie als auch die Dienstleister schwächere Geschäfte. Das ergab die am Donnerstag veröffentliche monatliche Markit-Umfrage für die gesamte Euro-Zone. Alle Indizes lagen unter den Prognosen der Volkswirte.

Für die Industrie in der Euro-Zone fiel das Barometer vorläufig auf 45,0 Punkte nach 45,9 Punkten im April, die Umfrage unter den Dienstleistern ergab einen Stand von 46,5 Zählern nach 46,9 Punkten im Vormonat.

Erst ein Stand von mehr als 50 Punkten deutet auf Wachstum in dem jeweiligen Sektor hin.

Damit wird immer deutlich, dass der Abschwung in den Krisenstaaten in der Peripherie auf die Kernländer wie Deutschland und Frankreich überzugreifen droht, die bisher die Währungsgemeinschaft vor einem Abgleiten in die Rezession bewahrt haben.

Dabei steht Deutschland wirtschaftlich noch immer relativ gut da: Trotz sinkender Investitionen in Maschinen und Gebäude ist die Wirtschaft hierzulande im ersten Quartal kräftig gewachsen.

Boomende Exporte und kauffreudige Verbraucher ließen das Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März um 0,5 Prozent zum Vorquartal steigen.

  • dapd
  • rtr
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12 Kommentare zu "Ifo-Geschäftsklimaindex: Euro-Krise verdirbt der deutschen Wirtschaft die Laune"

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  • Ihr Beitrag Mazi ist ein Widerspruch in sich. Es ist die Eurokrise, basierend auf einer hemmungslosen Verschuldungsorgie, Kern des Übels. Die Krisenverursacher und Schuldenmaniacs wollen jetzt finanziellen Ausgleich für ihr Fehlverhalten. Dass Deutschland hier nicht vorgeprescht ist und reihenweise Absagen erteilt hat, hat mit dem Schuldenproblem überhaupt nichts zu tun. Sie würfeln zusammen, was ursächlich nicht zusammen gehört. Das Problem sind etwa 2,5 Billionen faule Schulden in Europa, die komplett abzuschreiben sind. Das hat mit Merkel und Schäuble nichts zu tun.

  • @Mazi

    Erwartungsgemäß ist die deutsche Schönwetter-Politik gescheitert, insbesondere nachdem wir alle die Grundsätze dieser verantwortungslosen und menschenverachtenden Gilde kennenlernen mußten ... ES GILT DAS GEBROCHENE WORT !!!

    Eben diese gebrochenen Versprechen und Verträge, gepaart mit kontraproduktiver Wirtschaftspolitik zugunsten von Konzernen und Finanz-Mafia, die man seit Jahren mit Schönreden, Verschleiern, Lügen, Vertuschen, zuzukleistern versucht(e), werden dieses EPSILON verglühen lassen.

    Der innere Seismograph eines stetig wachsenden Teil's unserer Bevölkerung registriert entsetzt die ersten Erschütterungen unserer einstmals demokratisch strukturierten Gesellschaft, deren Ursachen in den Glaubensbekenntnissen unserer EURO-Phantasten zu verorten sind.

    Das System wird nach Kräften versuchen, Macht und Pfründe zu verteidigen. Dabei spielen so Kleinigkeiten wie Rechtsbrüche keine Rolle mehr.

    Die hässliche Fratze des Leibhaftigen wird immer deutlicher sichtbar!

  • Die weisungsberechtigte und -gebende deutsch-französische Achse hat dazu geführt dass Regeln vereinbart und den anderen Mitgliedern auf geschwätzt wurden, die vor allem im Interesse der größeren Wirtschaften von Vorteil waren (Bestechung kann dabei nicht ausgeschlossen werden).
    Was man lange als etwas positives betrachtet hat (Motor der Euro-Zone) erweist sich jetzt als verhängnisvoll, weil diese Regel das Auseinander brechen der Währungsunion zur Folge haben werden.
    In einer Freihandelszone und Währungsunion kann das Prinzip der eigenen Verantwortung nur dann funktionieren wenn alle Mitglieder die gleiche Ausgangsvoraussetzungen mitbringen, das ist innerhalb der Währungsunion bei Weitem nicht der Fall, daher kann das Prinzip der eigenen Verantwortung nicht funktionieren.
    Dieses Prinzip der eigenen Verantwortung, vor allem von Deutschland gewollt, führt zwangsläufig zum Kannibalismus, das heißt die kleinere und schwächere Wirtschaften werden von den stärkeren unausweichlich zerrieben und dann übernommen. Dabei wandern die gut bezahlte Jobs ab, was auf die Steuereinahnen sich negativ auswirkt (Haushaltsdefizit). Wir werden also entweder ein Auseinanderbrechen der Währungsunion erleben oder eine Art Neokolonialismus was dann zu politische Instabilität führen wird.

  • Das Problem ist dass weiterhin die Steuerungsmechanismen nicht verstanden und durch die Eliten verteidigt werden. Eine Marktwirtschaft ist die einzig richtige Lösung, aber bitte eine faire und soziale !!!

    1. Wer weiss schon dass die UK pro Einwohner höher verschuldet ist als die Spanier wenn man Staatsschulden um Private und Industrieschulden ergänzt. ( Ich weiss nicht wie das in % bzg. der Wirtschaftsleistung aussieht)

    2.Die Vermögen die reiche Griechen aus dem Land geschafft haben sollen mit 25 % besteuert ausreichen um alle Schulden zu tilgen. Warum lässt man lieber Kinder im Land hungern als teilweise unzulässig erworbene Vermögen anzugehen ?

    3. Mit Geld wird immer noch mehr Geld gemacht als mit wirklicher Arbeit

    Beide Enden (Der soziale Ausnutzer und der vermögenende Steuervermeider) müssen radikal in die Pflicht genommen werden um den Wohlstand nicht zu gefährden.

  • Obwohl ich in vielen Punkten Ihren Standpunkt teile, bin ich mit Ihrem "Schluss" absolut nicht einverstanden.

    Wir dürfen hier die Fakten nicht zu sehr durcheinander werfen.

    Es ist nicht die Euro-Krise, die Deutschland Probleme bereitet. Es ist vielmehr der inkompetente Kurs von Merkel und Schäuble, der die Begehrlichkeiten aus dem Ausland weckt. Es wird immer wieder aus der deutschen Regierung das Signal gegeben, es geht noch mehr. Das muss unterbunden sein, wenn wir uns wenigstens eine gewisse Rechtssicherheit erhalten wollen.

    Es gibt viele völkerrechtliche Verträge, die eben die Finanzierung ausländischer Staaten untersagen. Die sind nicht zu kommentieren, sondern anzuwenden. Deutschland steht an keinem Prager. Merkel und Schäuble stellen sich freiwillig selbst an den Pranger!

    80 % der Bevölkerung sind gegen den ESM-Vertrag. Mit welcher Legitimation leiten unsere Abgeordneten dann ein Recht ab, für einen derart kriminellen Vertrag zu stimmen. In die Wüste gehören sie!

    Um zum Thema zurückzukommen: Ich halte den Vorstoß von Hollande aus seiner Sicht für berechtigt, solange die deutsche Politik - und hier speziell Schäuble - erkennen lässt, dass noch viel mehr z.L. des deutschen Steuerzahlers zu holen ist.

    Es ist auch nicht zu verkennen, dass Schäuble nichts anderes macht als Schröder zum Ende seiner Amtszeit auch gemacht hat. Er will sich nämlich auch seinen nächsten Job erkaufen.

    Alles ganz klare Zeichen dafür, dass unser System krank ist und einer Reform bedarf.

  • Ein Jammer!
    Warum löst man den Euro nicht auf.
    Zurück zu den nationalen Währungen, den ECU als Verrechungs-und Orientierungswährung.
    Umtauschkurs: 1 Euro = 2 neue DM, wie oft denn noch ?

  • Tja, wenn es nur um Autos ginge, vielleicht.
    Gestern war die Konjunktur in Deutschland noch Top, heute ist sie eingetrübt, morgen ganz vertrübt und übermorgen ganz pleite.
    Deutschland hatte schon immer ein Problem bei der Innennachfrage. Diese Meldungen werden dem nur gerecht.
    Aber, wie schon geschrieben, mir kommt eine fette eingebildete DM dann gerade recht. Ich kann viel billiger für den deutschen Markt produzieren, und zwar mit den Fachkräften, die Deutschland nicht mehr hat.
    Startups machen endlich wieder Spaß, in anderen Ländern, die endlich ihre Jugendarbeitslosigkeit mindern können.
    Der deutsche Verbraucher kann wieder kaufen was das Zeug hält, ja, wenn er denn noch Arbeit hat. Aber die deutschen Sozialsysteme werden es schon richten. Die DM ist ja richtig stark.
    So stark, das die Importe der anderen EU-Länder sich lieber die Produkte aus China kommen lassen, denn ganz ehrlich, dort ist das schöne deutsche Auto nämlich billiger produziert, und somit auch billiger als es direkt aus der starken DM zu kaufen.
    Macht nur, ich freue mich :).

  • Gute Kurzanalyse.

    In der Tat stellen die Sensations- und Enthüllungsmedien inclusive Handelsblatt, Spiegel, Süddeutsche, ganz zu schweigen vom Verblödungs-Privat-TV einen wesentlichen Beitrag zur Destruktivität und Defätismus in der Gesellschaft.

    Sensationsgeilheit und Aufbausche, um aus jedem Furz von Sarrazin, Grass und Hollande einen riesengroßen und auflagenstarken Sturm zu machen......

  • Herr je! Die wirtschaftliche Realität überall in Europa ist schlimm; 50% der europäischen Jugend ist arbeitslos; unsere Währung, Staaten und Banken drohen unter der Schuldenlast zu kollabieren - kein Problem und keine Eilmeldung wert!

    Aber dass irgendein Indikator von irgendeinem Institut das irgendwelche Unternehmen zu irgendwelchen Stimmungen befragt gesunken ist, ist eine EILMELDUNG wert?

    Ich bitte Sie!?

  • Es war absehbar, dass mit Hollande der Euro untergeht. Wenn Hollande jetzt meint mit Merkel auf Konfrontationkurs gehen zu müssen, sollte sie ihm eiskalt die rote Karte zeigen. Es muss von der Kanzlerin mehr als nur deutlich ausgesprochen werden, dass sich Deutschland nicht erpressen lässt. Deutschland hat eine Führungsrolle und kann sich nicht zum Spielball von Partikularinteressen machen lassen. Formulierungsvorschlag: "Deutschland steht zur europäischen Verantwortung, aber diese endet dort, wo Einelinteressen zum Schaden anderer durchgesetzt werden sollen. Wer sich aus der Gemeinschaft ausgrenzt indem er nicht erfüllbare Forderungen stellt, betreibt dies in eigener Verantwortung. Das ist das Deutschland nicht anzulasten, und mit Deutschland auch nicht zu machen. Es gebietet mein Amtseid die Interessen Deutschland nicht auf Druck von außen auf`s Spiel zu setzten. Ich habe den Präsidenten Hollande diesbezüglich in Kenntnis gesetzt."

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