Ifo-Geschäftsklimaindex gefallen
Binnennachfrage bleibt schwach

Die Stimmung der Firmen in Deutschland hat sich im März unerwartet verschlechtert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel auf 94,0 von revidiert 95,4 Punkten im Februar, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Mittwoch mitteilte.

HB BERLIN. Nach der unerwarteten Verschlechterung des Ifo-Geschäftsklimas im März muss ein spürbarer Aufschwung in Deutschland wohl erneut vertagt werden. „Leider verdichten sich die Anzeichen für eine Verringerung der konjunkturellen Dynamik“, erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Insbesondere sei der erhoffte Aufschwung der Investitionsgüternachfrage noch nicht in Gang gekommen.

Die rund 7 000 befragten Firmen bewerteten sowohl ihre gegenwärtige Lage schlechter als auch ihre Geschäftsaussichten. Der Index zur Lageeinschätzung fiel auf 93,3 von 94,5 Punkten, der für die Geschäftsaussichten auf 94,6 von 96,4 Punkten. Volkswirte hatten im Schnitt einen Anstieg des Ifo-Index auf 95,6 Punkte erwartet.

Das Ifo-Institut erklärte, im verarbeitenden Gewerbe sei der Geschäftsklimaindex stark zurückgegangen, weil die Unternehmen ihre Lage spürbar ungünstiger einschätzten. „Aber auch die Geschäftsaussichten wurden nicht mehr so optimistisch wie im Vormonat bewertet.“ Unverändert gut schätzten die Industrieunternehmen dagegen ihre Exportchancen ein. Wieder eingetrübt habe sich das Geschäftsklima im Einzelhandel. „Zwar wurde hier die aktuelle Lage im Vergleich zum Vormonat etwas besser gesehen, bei den Geschäftsaussichten sind die Einzelhändler aber pessimistischer geworden“, hieß es beim Ifo.

Im Großhandel stabilisierte sich das Geschäftsklima dagegen, wie das Ifo mitteilte. Leicht aufgehellt habe sich auch das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe, aber nur in dem Sinne, dass es seine Lage und seine Aussichten weniger ungünstig bewertete.

Ifo-Volkswirt Klaus Abberger sagte Reuters, die schwache Binnenkonjunktur habe auf die Stimmung der Firmen gedrückt: „Der Hauptgrund dürfte nach wie vor die schwache Binnennachfrage sein, dass hier keine Dynamik kommt.“ Die Exportfirmen bewerteten ihre Exportchancen zwar weiter gut, die Ertragslage werde aber durch den hohen Euro belastet. Ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb sagte Bloomberg TV, der Aufschwung in Deutschland sei noch nicht in Gang gekommen.

Banken-Analysten warnten allerdings davor, den Ifo-Rückgang überzubewerten. „Der Ifo-Rückgang ist für mich kein Beinbruch und schon gar nicht der Sargnagel des Aufschwungs“, sagte Andreas Rees von der Hypo-Vereinsbank. Wichtiger sei, dass andere Frühindikatoren, die weiter in die Zukunft schauten, wie zum Beispiel der ZEW-Indikator oder der OECD-Frühindikator, sich zuletzt deutlich verbessert hätten: „Es ist also nur eine Frage der Zeit bis der Ifo-Index auch wieder zulegt.

Uwe Angenendt von der BHF-Bank sagte, es habe erhebliche Belastungen vom Ölpreis gegeben: „Das hat zur negativen Lageeinschätzung geführt.“ Wichtiger sei aber, dass die Erwartungen relativ stabil geblieben seien. „Das lässt hoffen, dass der konjunkturelle Aufschwung im ersten Quartal Fortschritte gemacht hat.“ Ralph Solveen von der Commerzbank sagte, ein starker Aufschwung sei nicht zu erwarten: „Das Bild ist wie gehabt: Der Export zieht, die Inlandsnachfrage bleibt schwach.“ Wenn sich die Dynamik der Weltwirtschaft abschwäche, womit im späteren Verlauf 2005 zu rechnen sei, werde auch die konjunkturelle Dynamik in Deutschland schlechter werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%