Ifo-Geschäftsklimaindex
Stimmung in Chefetagen trübt sich deutlich ein

Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im April gesunken: Das wichtigste Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft gab von 106,7 auf 104,4 Punkte nach. Bereits im Vormonat war der Index gefallen. Mut macht die Baubranche.
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MünchenDie Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im April überraschend deutlich abgekühlt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel auf 104,4 von 106,7 Punkten im Vormonat, teilte das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch mit. Damit fiel der Index den zweiten Monat in Folge.

„Die deutsche Konjunktur legt eine Verschnaufpause ein“, sagte ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen. Zwar bewerteten die Firmen ihre aktuelle Lage nach wie vor als gut, dennoch herrsche in den Chefetagen mehr Zurückhaltung. „Auch die Erwartungen an den zukünftigen Geschäftsverlauf sind nochmals zurückgenommen worden.“

Konjukturbarometer

Entwicklung des ifo-Geschäftsklimaindex

von Mai 2012 bis Mai 2013 (Punkte)


Fachleute hatten angesichts des Ärgers rund um die Rettung von Zypern, der Regierungskrise in Italien und vieler weiterer ungelöster Probleme in der Euro-Zone mit einem leichten Rückgang bei dem wichtigsten Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft gerechnet.

Im März war der Index überraschend gefallen, nachdem er seit November unablässig gestiegen war. Erst bei drei Veränderungen in die gleiche Richtung nacheinander sprechen Fachleute von einer Trendwende. Noch hält sich der ifo-Index auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Insbesondere am Bau könnte das Geschäft nach der langen Frostperiode jetzt im Frühjahr anziehen: „Der Bau hat volle Auftragsbücher, die können jetzt abgearbeitet werden“, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe.

Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Lange bevor sich das Auf und Ab in amtlichen Zahlen niederschlägt, bildet der seit Jahrzehnten erhobene Wert recht zuverlässig die Lage ab. Dafür befragen die Wirtschaftsforscher des Münchner Ifo Instituts einmal pro Monat rund 7000 Firmen – von kleinen Geschäften bis hin zu großen Konzernen mit tausenden Beschäftigten.

Rund ein Dutzend Fragen werden zur Einschätzung der aktuellen Lage und zu Erwartungen für die nächsten sechs Monate gestellt. Aus den Antworten werden die drei Indizes zum Geschäftsklima, zur Lage und zu den Erwartungen erstellt.

Mit der getrübten Stimmung in den Chefetagen kommt rund eine Woche vor der nächsten Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) eine weitere schlechte Nachricht aus dem konjunkturellen Musterland der Euro-Zone: Bereits zuvor hatte eine Umfrage unter Einkaufsmanagern ergeben, dass die deutsche Konjunktur zum Start des zweiten Quartals überraschend an Fahrt verloren hat. Der Schwächeanfall des Zugpferds könnte den Währungshütern in Frankfurt weitere Argumente liefern, den Leitzins um 25 Basispunkte auf 0,5 Prozent zu senken und damit die Rezession in vielen Euro-Ländern noch stärker anzugehen.

Das Ifo-Institut rechnet jedoch nicht damit, dass die Zinsen sinken werden: „Das hätte keine größeren Effekte für die deutsche Wirtschaft, und auch für die anderen Euro-Länder wären sie nur marginal“, sagte Wohlrabe.

Bei den europäischen Verbrauchern in Europa ist die Stimmung laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens GfK derzeit zweigeteilt. „Wir haben momentan eine gewisse Polarisierung innerhalb Europas. Wir haben vor allem im Zentrum – teils auch in Osteuropa – Staaten, in denen ist die Stimmung relativ gut“, sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl mit Blick auf das erste Quartal 2013. Vor allem im Mittelmeergebiet und im Westen sei die Stimmung jedoch von der Rezession beeinflusst. Während die nördlichen und östlichen Länder auf eine Erholung zusteuerten, stehe den Krisenländern ein weiteres hartes Jahr bevor.


dpa 
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  • Ist das HB jetzt wirklich die "Parteizeitung" der AfD?

    Nichts für ungut, aber dafür bezahle ich auch weiterhin nichts.

  • Seit Ende Januar gehen alle deutschen Autoaktien in den Sinkflug über. Der Maschinenbau und die Chemie folgten kurz danach. Die Börse ist weiterhin die Supernase für die zukünftige Entwicklung der Märkte. Die Geldpolitik justiert nur das Gesamtniveau, auf dem sich das ganze abspielt. Der Börsenanstieg von gestern wird recht schnell verfliegen, wenn die Konjunkturdaten weiter pessimistisch sind.

    Für all das brauchts keinen Hr. Sinn und seinen Ifo.

    Im übrigen auch keine Euroskeptiker - weder Schwarzseher noch Opportunisten.

  • Ich würde es einmal so sagen: "Exakt vom Leineweber prognostitiert, auf fortunanetz, für das ich nicht mehr schreibe. Es waren schon längst alle anderen Wirtschaftsindikatoren unter Wasser. Die Eurokris ist erst am Anfang. Bitte unterstützen Sie mich in Bayern auf dem Landesparteitag der AfD. Und zwar bevor Deutschland wegen der Eurorettung gänzlich untergeht. Ich betone nochmals: Spanien, Italien und Frankreich können für sich selbst nicht haften. Es bleibt nur Deutschland übrig, wobei ja die Verschuldungsgrenzen schon wieder europaweit aufgeweicht wurden.

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