Ifo-index
„Aufschwung gespickt mit Schlaglöchern“

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober den siebten Monat in Folge verbessert. Die vom Münchner Ifo-Institut befragten Firmen zeigten sich mit ihrer Geschäftssituation nicht mehr ganz so unzufrieden wie im September. Experten hatten einen stärkeren Anstieg des Ifo-Index erwartet.
  • 0

HB BERLIN. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg demnach leicht um 0,6 auf auf 91,9 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit etwas mehr als einem Jahr. „Die Erholung setzt sich zögerlich fort“, sagte der Präsident des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo), Hans-Werner Sinn, am Freitag. Die von Reuters befragten Analysten hatten einen Anstieg auf 92,0 Zähler erwartet. Die 7000 befragten Manager beurteilten die Lage und die Aussichten für die kommenden sechs Monate besser.

Die exportabhängige Industrie setzte ihren leichten Aufwärtstrend fort. „Trotz der Aufwertung des Euro sehen die Unternehmen etwas bessere Exportchancen“, sagte Sinn. Der vorhandene Maschinenpark sei etwas besser ausgelastet als im Sommer. „Den Personalabbau planen die Unternehmen etwas zu verlangsamen“, sagte der Ifo-Chef.

Auch die deutschen Einkaufsmanager senden positive Signale. Der Aufschwung in der deutschen Privatwirtschaft gewinnt demnach zusehends an Breite: Erstmals seit 15 Monaten wuchs die Industrie wieder, wie aus den vom Markit-Institut vorgelegten vorläufigen Einkaufsmanagerindex für Oktober hervorgeht. Auch im Großhandel und im Baugewerbe geht es laut Ifo aufwärts. Dagegen trübte sich die Stimmung bei den Einzelhändlern und den Dienstleistern ein.

Der Regierungswechsel hat dem Ifo-Institut zufolge die Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen bisher kaum heben können. Die Bundestagswahl sei kein entscheidender Faktor bei der monatlichen Firmenbefragung gewesen, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger zu Reuters. Die weltwirtschaftliche Erholung spiele dagegen eine größere Rolle.

Analysten zeigten sich erfreut über die Ifo-Daten. Se warnte aber zugleich vor verfrühter Euphorie. Beim Blick auf einzelne Komponenten zeige sich, dass im wesentlichen der Einzelhandel die Wirtschaftsstimmung etwas trübe, sagte Simon Junker von der Commerzbank. "Der Konsum scheint also nachzulassen und das wahrscheinlich, weil die Leute realisieren, dass der Arbeitsmarkt einbrechen dürfte in den kommenden Monaten." Der Ifo-Index nehme schon vorweg, dass sich das starke zweite Halbjahr nicht so im kommenden Jahr fortschreiben lassen dürfte.

Als enttäuschend bezeichnete Citgroup-Ökonom Jürgen Michels die Entwicklung der aktuellen Geschäftslage. Allerdings sei der Anstieg der Erwartungen "durchaus ein gutes Zeichen", besonders angesichts der jüngsten Euroaufwertung. Nach Michels' Einschätzung lässt der Ifo-Index aber noch keine Schlüsse auf das Weihnachtsgeschäft zu. "Jetzt muss geschaut werden, was bei den Koalitionsverhandlungen rauskommt", gab der Ökonom zu bedenken. "Das wird die Entwicklung des Indexes bestimmen."

Andreas Scheuerle von der Dekabank rechnet vor dem Hintergrund der Ifo-Daten eine weitere Wirtschaftserholung, aber "gespickt mit Schlaglöchern". Auch wenn die Erwartungskomponente weiter gestiegen sei, werde das Tempo dieses Anstiegs wohl etwas moderater werden. "Das ist aber normal und kompatibel mit der etwas holprigen Erholung, die wir sehen", sagte Scheuerle. Als enttäuschend bezeichnete er die Lagebeurteilung, die nur beschränkt nachgezogen habe. "Warum das so ist, ist auf den ersten Blick etwas rätselhaft, denn wir haben beispielsweise gute Auftragseingänge gesehen im dritten Quartal", erklärte der Ökonom und fügte hinzu: "Es hakt also noch."

Kommentare zu " Ifo-index: „Aufschwung gespickt mit Schlaglöchern“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%