Ifo-Index
Deutsche Wirtschaft in bester Konjunkturlaune

Die Schuldenkrisen in Europa und den USA lassen die deutsche Wirtschaft kalt. Sie trotzt den Negativ-Schlagzeilen und zeigt sich robuster denn je, wie der Ifo-Geschäftsklimaindex zeigt. Schlechter fällt der Ausblick aus.
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BerlinDie deutsche Wirtschaft trotzt der Schuldenkrise weiter und befindet sich in Rekordlaune. Der Ifo-Geschäftsklima-Index stieg im Juni überraschend auf 114,5 von 114,2 Punkten im Mai, wie das Münchner Institut am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 113,5 Zähler gerechnet. Damit erreichte das wichtigste deutsche Konjunktur-Barometer den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. „Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem robusten Aufschwung“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. „Die Unternehmen bewerten ihre momentane Geschäftslage deutlich positiver als im Mai“.

Analysten zeigten sich positiv überrascht. Sie deuteten dies als Anzeichen dafür, dass trotz des verschlechterten Umfelds für Exporte nun auch andere Sektoren den Aufschwung stützen. "Der globale Industriezyklus verliert zwar an Schwung", sagte Dirk Schumacher von Goldman Sachs. "Dafür gewinnen die auf den Binnenmarkt konzentrierten Dienstleister an Kraft. Die inländische Nachfrage bleibt robust. Deshalb ist nur mit einer moderaten Konjunkturabkühlung zu rechnen."

Ähnlich sieht das Jens-Oliver Niklasch von der LBBW. „Mit diesem Anstieg war nicht zu rechnen. Die meisten Frühindikatoren waren schließlich rückläufig. Die Baukonjunktur belebt sich merklich, das zeigt sich auch bei der Lagebeurteilung. Dieses Jahr wird noch gute Wachstumszahlen bringen: Wir rechnen mit einem BIP-Plus von 3,5 Prozent.“

Etwas pessimistischer als zuletzt bewerteten die rund 7000 vom Ifo-Institut befragten Manager hingegen ihre Geschäftsaussichten. Der Wert für die Aussichten trübte sich wie in den Vormonaten weiter ein und sank von 107,4 auf 106,3 Punkte. Eine grundsätzliche Trendwende verberge sich hinter den Werten allerdings nicht, sagte Hans-Werner Sinn. Experten hatten mit schlimmerem gerechnet. "Dass sich die Erwartungskomponente so stabil zeigt, ist schon bemerkenswert. Man kann nun davon ausgehen, dass das zweite Quartal besser ausfallen wird, als man das so erwartet hatte,“ sagte Marco Bargel von der Postbank.

Ihre Lage beurteilten die Unternehmen deutlich besser, der Index kletterte auf 123,3 von 121,5 Punkten.

Nach dem furiosen Auftakt zum Jahresbeginn rechnen die meisten Experten mit einem Abebben des Aufschwungs, vielen Fachleuten zufolge ist der Höhepunkt bereits überschritten. Zudem nehmen die Risiken zu: Die bisher ungelöste Schuldenkrise in der Euro-Zone, drastische Sparpakete von Handelspartnern, die hohen Rohstoffpreise und das maue Wachstum der USA belasten den Ausblick für die exportorientierte deutsche Wirtschaft. Außerdem haben die Notenbanken in den meisten Schwellenländern zudem die Leitzinsen angehoben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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