Ifo-Index für Westdeutschland steigt auf 94,2 Punkte
Bundesregierung: Talsohle ist durchschritten

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist für den vergangenen Monat Oktober deutlicher gestiegen, als die Experten das erwartet hatten. Dabei beurteilten die Firmen sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Geschäftsaussichten besser als im Vormonat.

HB MÜNCHEN. Der Ifo-Index für Westdeutschland hat auf 94,2 von revidierten 92,0 Punkten im September zugelegt, teilte das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Dienstag mit. Damit hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft zum sechsten Mal in Folge verbessert. Von der Nachrichtenagentur Reuters im Vorfeld befragte Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Anstieg auf 92,3 Punkte gerechnet.

Die Bundesregierung sieht sich durch die Verbesserung des Ifo-Geschäftsklimaindexes Oktober in ihrem Optimismus zur deutschen Wirtschaftsentwicklung bestätigt. „Die erfreuliche Entwicklung (des Ifo-Indexes) bestätigt die Einschätzung der Bundesregierung, dass wir die Talsohle durchschritten haben“, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Das werde vor allem durch die deutlich bessere Einschätzung der aktuellen Geschäftsklage untermauert.

„Nachdem wir jetzt sechs Mal in Folge einen Anstieg hatten mit einer sich verstärkenden Tendenz, würde ich sagen, dass ein Aufschwung sehr wahrscheinlich ist“, sagte Ifo-Chefvolkswirt Gernot Nerb in München. Einen ähnlich deutlichen Aufwärtstrend habe der Ifo-Index zuletzt im Aufschwungsjahr 1999 vorgelegt. „Einen so starken Anstieg hätte ich persönlich nicht erwartet.“ Auch andere Ökonomen waren vor Veröffentlichung von einem geringeren Anstieg des Konjunkturbarometers ausgegangen. Die erneute Besserung des Geschäftsklimas entspricht nach Einschätzung von Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn der Erwartung einer leichten konjunkturellen Besserung im letzten Vierteljahr dieses Jahres. Zuletzt

Ungeachtet der neuern Belege für eine Konjunkturerholung hwarnte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Michael Rogowski, vor zu frühem Jubel. Noch sei „die Diskrepanz zwischen steigender Zuversicht und Realität groß“, sagte er in Berlin. Der BDI-Chef verwies auf Signale, die Optimismus rechtfertigten, aber auch auf Hinweise, die allen Hoffnungen einen Strich durch die Rechnung machen könnten. So hielten sich die Unternehmen nach wie vor mit Investitionen zurück, betonte Rogowski

Der Ifo-Teilindex der Erwartungen stieg auf 107,9 von 105,2 Punkten im September. Der Teilindex für die Lagebeurteilung legte auf 81,1 von 79,2 Punkten zu. In Ostdeutschland verbesserte sich das Geschäftsklima auf 104,7 von 104,0 Punkten im Vormonat.

Der Indexanstieg steht Sinn zufolge im Einklang mit der Gemeinschaftsprognose der Wirtschaftsforschungsinstitute, wonach im vierten Quartal eine leichte konjunkturelle Belebung zu erwarten ist. Dem ifo-Präsidenten zufolge hat sich das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe und im Großhandel deutlich verbessert. Im Einzelhandel und im Bauhauptgewerbe kam es dagegen im Westen zu einem leichten Rückgang. In den neuen Bundesländern nahm der Geschäftsklimaindex etwas weniger stark zu als im Westen, wobei die Besserung allein aus günstigeren Urteilen zur Lage resultierte. Die Erwartungen bildeten sich leicht zurück. Dabei sei das Klima im Osten vor allem im Bauhauptgewebe gestiegen, merkte Sinn an, in geringerem Maße im Einzel- und Großhandel. Im Verarbeitenden Gewerbe blieb der Index unverändert.

Nach einer Faustformel des Ifo-Instituts ist schon ein Anstieg des Gesamtindexes in drei aufeinander folgenden Monaten ein Signal für eine konjunkturelle Trendwende. Analysten hatten im Vorfeld gewarnt, sollte die Lagebeurteilung den Geschäftserwartungen der Firmen nicht nachziehen, könnte eine Erwartungsblase entstehen.

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