Ifo-Index
Ifo-Institut sieht Spielraum für höhere Zinsen

Der Stimmungsaufschwung in der deutschen Wirtschaft hat sich im März völlig überraschend fortgesetzt. Dabei hatten Analysten mit einem Rückgang des Ifo-Indexes gerechnet.

HB BERLIN. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 105,4 von revidiert 103,4 Punkten im Februar, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Dienstag mitteilte. Das ist der höchste Stand seit 15 Jahren. Dabei bewerteten die rund 7000 befragten Unternehmen sowohl ihre Zukunftsaussichten als auch ihre jetzige Geschäftslage zuversichtlicher als im Februar. „Der konjunkturelle Aufschwung hat sich damit weiter stabilisiert“, erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft.

Wie der Ifo-Index berechnet wird - lesen Sie nach im  Wirtschaftswiki

Aus den Antworten der rund 7000 vom Ifo befragten Unternehmen geht laut Ifo-Volkswirt Klaus Abberger zufolge hervor, dass sich die bessere Wirtschaftslage allmählich auch auf die Beschäftigung auswirkt. „Der Abbau dürfte gestoppt sein“, sagte er. Wann sich die Erholung auch in mehr Arbeitsplätzen niederschlage, sei aber noch unklar. Auf jeden Fall dürften die Beschäftigten in den Unternehmen ihre Stellen wieder als stärker gesichert empfinden, was sich positiv auf die Konsumneigung auswirken könne.

„Die Daten lassen den Rückschluss zu, dass die Erholung jetzt doch sehr breit ist“, sagte Abberger am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Auch hauptsächlich im Inland tätige Firmen würden erfasst, und auch die Lage in der Bauwirtschaft und im Handel stabilisiere sich. Zudem komme der Abbau von Arbeitsplätzen zum Stillstand. „Der Abbau dürfte gestoppt sein“, sagte Abberger. Die jüngsten Daten ließen erwarten, dass die Ifo-Prognose eines Wirtschaftswachstums in Deutschland um 1,7 Prozent in diesem Jahr „zumindest erreicht wird“. Durch die Erholung der Wirtschaft sieht Abberger auch Spielraum für eine weitere kleine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank. „Aus deutscher Sicht eröffnet sich Spielraum für eine weitere Zinsanpassung“, sagte er.

An den Finanzmärkten wird mit einem weiteren Zinsschritt der EZB für Mai oder Juni gerechnet, nachdem die Notenbank die Leitzinsen für die Euro-Zone bereits im Dezember und März um jeweils einen Viertel Prozentpunkt auf inzwischen 2,50 Prozent angehoben hatte. Analysten erwarten bis zum Herbst noch mindestens zwei weitere Zinserhöhungen. Der Ifo-Volkswirt warnte allerdings, die hohen Ölpreise seien nach wie vor ein Risiko für die Konjunkturentwicklung. „Der Ölpreis hat sich zwar etwas stabilisiert, bleibt aber volatil“, sagte er. Abberger verwies darauf, dass die Ölexporteure an den Kapazitätsgrenzen förderten, und kleine Ereignisse sich daher stark auf den Ölpreis auswirken könnten.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte 65 Analysten hatten im Schnitt einen Indexwert von 102,8 Punkten erwartet - der jetzige Wert übertraf sogar die optimistischste Prognose deutlich. Dabei hatten sie auf einen Rückgang der Geschäftserwartungen gesetzt und mit einer besseren Beurteilung der Geschäftslage gerechnet.

Nach Angaben des Ifo stieg der Erwartungsindikator im März auf 105,7 von revidiert 104,9 Punkten. Der Lageindex sprang auf 105,1 von 101,9 Zählern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%