Ifo-Index überraschend gestiegen
Wirtschaft wird wieder zuversichtlicher

Allen Erwartungen zum Trotz hat der Ifo-Index im Oktober seine seit Juli andauernde Talfahrt gestoppt und ist leicht nach oben geklettert. Die 7 000 befragten Unternehmen berichteten sowohl von besseren aktuellen Geschäften als auch von optimistischeren Zukunftsaussichten - trotz der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung.

HB MÜNCHEN. Wie das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung am Mittwoch mitteilte, stieg der Index auf 105,3 Punkte von 104,9 Punkten im September. Analysten und Bankvolkswirte hatten nach drei Rückgängen in den Vormonaten damit gerechnet, dass das wichtigste Konjunkturbarometer der deutschen Wirtschaft auf 104,5 Punkte zurückgeht.

Der Index zur Beurteilung der aktuellen Lage verbesserte sich dabei auf 111,8 Punkte und erreichte den höchsten Stand seit April 1991. Die Ökonomen hatten für diesen Teilindex einen Wert von 111,7 erwartet, nach 111,3 im September. Die Erwartungen auf Sicht von sechs Monaten verbesserten sich im Oktober auf 99,2 Punkte. Hier war ein Wert von 98,0 vorhergesagt worden nach zuletzt 98,9 Punkten. Der Erwartungsindikator verzeichnete damit den ersten Anstieg seit drei Monaten.

Im verarbeitenden Gewerbe stieg der Geschäftsklimaindex. Während die Unternehmen hier ihre Lage unverändert günstig einstuften, hellten sich ihre Erwartungen auf. Auch ihre Möglichkeiten im Auslandsgeschäft bewerteten sie günstiger als im September. Im Bauhauptgewerbe verbesserte sich das Geschäftsklima minimal. Die Antworten der Großhändler fielen merklich positiver aus. Von einer günstigeren Geschäftslage berichteten auch die Einzelhändler, deren Aussichten sich aber verschlechterten.

Analysten reagieren leicht betreten

„Die Wirtschaft ist sehr gut in Schwung. Es ist kein Pessimismus in der Wirtschaft erkennbar“, sagte Ifo-Experte Klaus Abberger. Zum Anstieg des Ifo-Index im Oktober beigetragen habe das stabile Umfeld bei Öl und Euro sowie die günstigen Exportaussichten. Der Europäischen Zentralbank (EZB) empfahl Abberger, nach der erwarteten Zinserhöhung im Dezember auf dann 3,50 Prozent eine Pause einzulegen. „Es ist kein Automatismus für weitere Zinserhöhungen notwendig“, sagte der Experte.

Der Euro reagierte auf die überraschend positiven Ifo-Daten mit Kursgewinnen auf zeitweise 1,2580 Dollar. Rentenkurse gaben dagegen nach. Der Dax grenzte seine Verluste auf 0,11 Prozent ein nach minus 0,17 Prozent vor der Veröffentlichung.

Der Anstieg des Index ließ Analysten etwas ratlos dreinschauen. „Vielleicht waren die Erwartungen zuletzt zu pessimistisch“, sagte Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus & Burkhardt. „Man fühlt sich langsam als Analyst etwas dumm“, sagte Dirk Schumacher von Goldman Sachs. „Die Unternehmen glauben, dass die Mehrwertsteuererhöhung zwar wehtut, aber nicht so schlimm ist.“ Das dritte Quartal sei wohl stark gewesen, und die Konjunktur habe im vierten Quartal ihr Momentum behalten.

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