Ifo Institut Deutschland mit höherem Exportüberschuss als China

Neue Argumente für Kritiker der deutschen Exportstärke: Laut Ifo-Institut hat Deutschland 2013 im weltweiten Vergleich den höchsten Überschuss in der Leistungsbilanz erzielt. Sogar China wird in den Schatten gestellt.
Update: 14.01.2014 - 16:45 Uhr 15 Kommentare
Transporter mit deutschen Neuwagen: „Selbst mit China ein leichter Überschuss". Quelle: dpa

Transporter mit deutschen Neuwagen: „Selbst mit China ein leichter Überschuss".

(Foto: dpa)

DüsseldorfDeutschland hat im vergangenen Jahr nach Berechnungen des Ifo-Instituts den weltweit höchsten Exportüberschuss erzielt. Mit umgerechnet rund 260 Milliarden Dollar weise die Leistungsbilanz ein deutlich höheres Plus aus als die der weltgrößten Handelsnation China mit rund 195 Milliarden Dollar. Auf Rang drei folgt der Rohstoffexporteur Saudi-Arabien, geht aus Berechnungen des Münchner Instituts für die Nachrichtenagentur Reuters hervor.

Demnach hat Deutschland im vergangenen Jahr in Euro gerechnet mit rund 200 Milliarden einen Rekordüberschuss in der Leistungsbilanz erzielt. Das entspricht 7,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. In diesem Jahr soll er auf 7,4 Prozent steigen, sagen die Ifo-Experten voraus.

Die EU-Kommission stuft Werte von mehr als sechs Prozent auf Dauer als stabilitätsgefährdend ein und nimmt deshalb seit einigen Monaten die deutschen Überschüsse genauer unter die Lupe. Auch das US-Finanzministerium sieht durch sie die Stabilität in Europa und der globalen Wirtschaft gefährdet. Kritiker sehen darin eines der großen Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft, die für die Finanz- und Schuldenkrise mitverantwortlich sind. Denn Ländern mit Exportüberschüssen stehen welche mit Defiziten gegenüber, die ihre Importe über Schulden finanzieren müssen.

Während der deutsche Überschuss mit den Euro-Ländern im abgelaufenen Jahr geschrumpft sei, dürfte er mit den USA ein Rekordhoch erreicht haben. „Erstmals seit der Wiedervereinigung dürfte im Jahr 2013 auch mit China ein leichter Überschuss erzielt worden sein“, erklärte das Ifo-Institut.

Es bezeichnet Deutschland als „größten Kapitalexporteur der Welt“. „Leistungsbilanzüberschüsse messen jenen Teil der Ersparnis eines Landes, der nicht zu Hause investiert wird“, erklärte das Ifo. „Anstatt im Inland viel zu investieren, exportierte Deutschland wiederum einen Großteil seiner Ersparnis ins Ausland.“ Das Geld gehe einerseits in Sach- und Finanzanlagen im Rest der Welt. Andererseits fließe es - direkt oder indirekt - auch in Form von Rettungskrediten oder öffentlichen Hilfen in Euro-Krisenländer.

In die Leistungsbilanz geht der gesamte Waren- und Dienstleistungsverkehr mit dem Ausland ein, aber beispielsweise auch Entwicklungshilfe und Vermögenseinkommen. „Für den deutschen Überschuss war fast ausschließlich der Warenhandel verantwortlich“, erklärte das Ifo-Institut.

Die Bundesregierung will derweil die international kritisierten hohen deutschen Exportüberschüsse mit einer Stärkung der inländischen Nachfrage begrenzen. „Die neue Bundesregierung wird sich entschlossen für eine Stärkung der binnenwirtschaftlichen Wachstumskraft Deutschlands einsetzen“, sagte der neue zuständige Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Sontowski am Dienstag. Dabei verwies er auf die Vereinbarungen des Koalitionsvertrags, die nicht zuletzt eine Stärkung der Investitionen vorsehen. „Von daher spricht alles dafür, dass im Zuge dieser Politik die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse zurückgehen werden“, erläuterte er auf Anfrage.

  • rtr
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15 Kommentare zu "Ifo Institut: Deutschland mit höherem Exportüberschuss als China"

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  • Naja, bitte nochmal genau recherchieren. Der Ami bezahlt die Güter schon, aber leider keines der EUR-ClubMed-Pleitestaaten. Der Export in die EUR-Südstaaten ist damit wirklich ein Zuschussgeschäft, was mal wieder nie Notwendigkeit belegt, dass der EUR-Währungsraum dringend einer massiven Reform bedarf.

  • Danke, so ist es. Dank EUR gibt es leider keine Sozialdividende mehr, wie zB in der Schweiz. Importgüter und Urlaube muss der deutsche Michel danke EUR viel zu teuer bezahlen ...

  • @Handelsblatt:

    Auch wenn Sie das Material (Text und Bilder) ja sicherlich von Reuters/DPA so übernommen haben, sei angemerkt, dass es ein schlechtes Beispiel für den Erfolg des deutschen Exportes ist, wenn man einen Autotransporter mit Kleinstwagen "Made in Slovakia" abbildet- auch dann, wenn man sie als "deutsche Neuwagen" betitelt. ;)

  • Stimmt! Wir sind noch dämlicher. Wir verschenken das Geld und pressen das eigene Volk zusätzlich noch aus wie eine Zitrone!

    Bauerngespräch: Jetzt habe ich meine Kühe endlich so weit, dass sie die doppelte Menge Milch produzieren und nur noch die Hälfte Futter fressen. Wie danken es einem die Viecher? Verrecken einfach! (Mann könnte Bauern auch durch Politiker und Kühe durch Bürger ersetzen!)

  • Deutschland braucht eine eigene Währung. Dann wird der deutsche Wohlstand nicht mehr verschleudert!
    Aber das "politische Projekt" will, dass die Deutschen für Europa bluten. Bis es zusammenklappt. Bei der Demographie wird's ja nicht mehr so lange dauern.

  • In Deutschland haelt man Dummheit noch immer fuer eine Tugend.
    Wenn die "Kunden" dann zahlungsunfaehig sind darf der Steuermichel mal wieder ein Rettungsbilloenchen rueber schieben. Wer permanent Exportueberschuesse faehrt der exportiert Wohlstand. Die anderen lassen nur anschreiben bis zum Bankrott. Der Michel hat jahrelang fuer einen Hungerlohn hart gearbeitet und am Ende doch nichts davon gehabt. Dumm gelaufen.

  • Leider nur bedingt richtig. Der entscheidende Grund: Die Zinsen sind für Deutschland ebenso zu niedrig wie der Außenwert des Euro. Mit der D-Mark würden die Importgüter - ebenso wie der Urlaub in Italien - billiger sein. Der deutsche Leistungsbilanzüberschuß würde mit der D-Mark sinken, aber die Arbeitnehmer könnten sich - selbst bei gleichbleibenden Löhnen - mehr leisten. Statt die eigenen deutschen Arbeitnehmer, "profitierten" zunächst die südlichen EU-Staaten, indem Deutschland deren Rettungspakete u.a. via Target-Saldo, Risiken der EZB-Bilanz, ESM, Bankenunion, etc. finanziert. Das Grundübel ist der Euro und die EZB-Zinspolitik. Beide verzerren die Marktpreise, u.a. mit negativen Folgen für den deutschen Arbeitnehmer! Der Aberwitz: Diese Politik hilft noch nicht einmal den Südländern (vgl. Arbeitslosenraten)! Die Einführung des Euro war der kapitalste Fehler der europäischen Nachkriegsgeschichte! Beim nächsten Abschwung müssen wir alle das Desaster bezahlen. Auch "Lehman" entwickelte sich über Jahre hinweg bis es "Bang!" machte.

  • Diese Statistik sollte man sich genauer anschauen, i.e. ob Waren, die von ausländischen Tochtergesellschaften oder Beteiligungen, welche in D voll bilanziert werden, auch als "Exporte" mitgezählt werden.
    Dazu würde auch die hohe Quote des Kapitalexports passen, i.e. für Werke oder Produktionseinrichtungen im Ausland.

  • @WorldChampionGER
    Darauf können die vielen Millionen Arbeitnehmer und der Mittelstand insb. stolz sein …

    Ach ja, warum denn? Mit was bezahlen denn die bankrotten US-Amerikaner – ca. 16 Billionen Doller Gesamtschulden - unsere ach so schönen Produkte? Sie lassen anschreiben, ich bin begeistert. Der Amerikaner fährt also einen tollen Mercedes oder BMW und wir haben lediglich ein Versprechen darauf das irgendwann irgendwie ein Ausgleich erfolgen wird. Im Rahmen einer Währungsreform wären dann die sogenannten Exportweltmeister die Dummen, sich krumm gelegt für nichts.

  • nur lassen es sich die chinesen wohl auch ganz bezahlen......

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