Ifo-Prognose
Abwärtsstrudel erfasst Ostdeutschland

Die Rezession wird Ostdeutschland im kommenden Jahr nach Ansicht des Ifo-Instituts hart treffen. Die Wirtschaftsleistung dürfte im Zuge der schwächelnden Industrie um 1,9 Prozent schrumpfen, wie die Dresdner Niederlassung des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Montag mitteilte.

HB BERLIN/FRANKFURT. Die Ifo-Experten vertraten zudem die Ansicht, dass sich die Lage am ostdeutschen Arbeitsmarkt im Laufe des Jahres spürbar verschlechtern, die Zahl der Erwerbstätigen um 0,9 Prozent sinken werde. „Im Jahr 2009 setzt sich die rezessive Entwicklung in der ostdeutschen Wirtschaft (einschließlich Berlin) fort“, erklärte das Ifo.

Das verarbeitende Gewerbe könne sich dem Abwärtstrend nicht entziehen, hier werde die Bruttowertschöpfung um drei Prozent zurückgehen. Auch die Bauwirtschaft werde nicht das Ergebnis von 2008 halten können. Unterschiedlich dürften sich die Dienstleister entwickeln, wie es hieß. „Der starke Einbruch in der Industrie trifft insbesondere die produktionsnahen Bereiche hart.“ Hier seien nach äußerst erfolgreichen Jahren nun tiefe Einschnitte zu erwarten. Konsumnahe Zweige hingegen könnten zunächst vom nachlassenden Preisdruck profitieren. Der jüngste Aufwind bei der Beschäftigung und steigende Einkommen dürften die Kaufkraft erhöhen. „Angesichts der erwarteten Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage werden die Impulse hieraus dennoch schwach bleiben.“

Für Gesamtdeutschland hatte die Münchner Ifo-Zentrale bereits vorige Woche ein Schrumpfen der Wirtschaft 2009 von 2,2 Prozent vorhergesagt. Damit gehört das Ifo eher zum Lager der Konjunktur-Pessimisten.

Auch nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank haben sich die Aussichten für die deutsche Wirtschaft „markant verschlechtert“. Im Winterhalbjahr 2008/2009 werde die Wirtschaft voraussichtlich erheblich schrumpfen, schreibt die Notenbank in ihrem am Montag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht, ohne eine genaue Zahl zu nennen. Grund dafür sei die Verschärfung der Finanzkrise seit Herbst und der Einbruch der Weltwirtschaft. Für 2009 bestätigte die Bundesbank ihre Prognose und rechnet mit einer tiefen Rezession in Deutschland. Die Wirtschaft werde mit einem Minus von 0,8 Prozent den schärfsten Abschwung seit 1993 erleben.

Die Bundesbank sieht den privaten Konsum auch künftig nicht in der Rolle der Konjunkturlokomotive. Dank steigender Beschäftigung und höherer Tarifabschlüsse hätten die Bürger im Sommerquartal zwar erstmals seit einem Jahr wieder mehr ausgegeben, schrieb die Bundesbank. Das Konsumklima sei jedoch „nach wie vor gestört“, wie sich an der hohen Sparquote ablesen lasse. Der weltweite Konjunkturabschwung und deutliche Kursrückgänge an den Aktienmärkten dürften nicht nur die Vermögen schmälern, sondern auch das Vertrauen der Verbraucher belasten.

Die Bundesbank geht deshalb davon aus, dass der private Konsum 2009 nur um magere 0,1 Prozent zulegt. Sie begründet ihren Pessimismus damit, „dass angesichts der zunehmenden Unsicherheit über die zukünftige Einkommenssituation das Vorsichtsmotiv wieder stärker in den Vordergrund tritt“. Obwohl die Reallöhne im kommenden Jahr angesichts der erwarteten niedrigen Teuerungsrate von 0,8 Prozent steigen könnten, werde das kaum den Konsum ankurbeln. Aus Sorge vor dem Verlust des Arbeitsplatzes werde stattdessen mehr gespart. Die Sparquote dürfte auf etwa zwölf Prozent steigen. Ende September legten die Deutschen im Schnitt 11,4 Prozent des verfügbaren Einkommens auf die hohen Kante - das war der höchste Wert seit 1993.

Der Konsum gilt als letzter Hoffnungsträger der deutschen Wirtschaft, weil der Export wegen der Rezession bei wichtigen Handelspartnern wie den USA zunehmend lahmt und die Unternehmen in der Rezession weniger investieren. Die stark sinkende Teuerung hat das von den Nürnberger GfK-Marktforschern ermittelte Konsumklima im November und Dezember steigen lassen. Der Einzelhandel zeigte sich bislang zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft. In der Politik wird über Maßnahmen zur Stärkung des Konsums diskutiert. Die Vorschläge reichen hier von der Ausgabe von Konsumgutscheinen bis zu Steuersenkungen.

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