Ifo-Studie: Neun von zehn deutschen Firmen wollen wieder einstellen

Ifo-Studie
Neun von zehn deutschen Firmen wollen wieder einstellen

Die große Mehrzahl deutscher Unternehmen will in den nächsten Monaten neue Jobs schaffen. Allerdings sollen Angestellte nur befristete Verträge erhalten. Die IG Metall hält die geplante Leiharbeit für eine Bedrohung für Stammbeschäftigte.
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HB BERLIN. Der Aufschwung sorgt für immer mehr Zuversicht bei den Personalchefs: Fast neun von zehn Firmen in Deutschland wollen in den nächsten zwölf Monaten Mitarbeiter einstellen, wie aus einer am Montag veröffentlichten Ifo-Studie für das „Manager-Magazin“ hervorgeht. Allerdings werde auch die Tendenz zunehmen, neuen Beschäftigten zunächst nur einen befristeten Arbeitsvertrag anzubieten. Rund ein Viertel der Firmen, die Neueinstellungen planen, geben an, dass dabei Befristungen eine größere Rolle spielen würden als bisher. Nur vier Prozent wollten Zeitverträge zurückfahren. Fast zwei Drittel hielten an ihrer bisherigen Strategie fest.

In der Krise hatte sich der deutsche Arbeitsmarkt vergleichsweise gut behauptet. Seit dem Aufschwung sinkt die Zahl der Arbeitslosen in Richtung drei Millionen. Auch frühere Umfragen hatten ergeben, dass die Firmen derzeit vor allem auf mehr Zeitarbeit setzen. Dies gilt laut Ifo-Studie besonders für Handel und Dienstleister. „Wenn die Auftragslage schnell zunimmt, sind die Unternehmen gezwungen, für mehr Personalkapazitäten zu sorgen, ohne so schnell neue Arbeitskräfte einstellen zu können“, berichtete das „Manager-Magazin“. Die beiden Branchen wollen die positive Entwicklung demnach vor allem über Arbeitszeitkonten und Überstunden abfedern.

IG Metall - Unbefristete Beschäftigung ist Ausnahme

Die Arbeitgeber setzen in der Konjunkturerholung nach Angaben der IG Metall vorrangig auf Leiharbeit und befristete Beschäftigung. Rund 43 Prozent der Betriebe nutzten Leiharbeit zur Abdeckung des zusätzlichen Arbeitskräftebedarfs, habe eine Umfrage unter 5100 Betriebsräten im Organisationsbereich der IG Metall ergeben. Weitere 42 Prozent der Firmen stellen demnach nur befristet ein. Nur in 15 Prozent der Betriebe würden unbefristete Stellen geschaffen. „Unbefristete Beschäftigung ist die Ausnahme. Leiharbeit wird zur Bedrohung für Stammbeschäftigte. Das ist alarmierend“, sagte der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wies den Vorwurf als unbegründet zurück. Solange Unsicherheiten über die weitere Entwicklung bestünden, setzten die Firmen auf Leiharbeit. Die Erfahrung zeige aber, dass bei einem stabilen Aufschwung anschließend die Zahl der Stammarbeitsplätze ebenfalls wachse.

Dieser Zuwachs sei stärker als bei der Zeitarbeit. „Die Behauptung, Zeitarbeit verdrängt Stammarbeitsplätze, wird auch durch stetige Wiederholung nicht wahr“, erklärte der Verband.

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  • Leiharbeit und befristete Arbeitsverhältnisse bei gleichzeitigem lautem klagen über Fachkräftemangel. Daran erkennt man sehr leicht die Qualität der herrschenden Arbeitgeberkaste. Gewinnmaximierung vor Dauerhaftigkeit, so herrscht man halt in der Lobbykratie Deutschland. Demokratie war gestern. Solange Leiharbeit nicht teuerer gemacht wird als reguläre beschäftigung, wird es keine Kontinuität mehr geben. Schwarz-Gelbe Lobbysoldaten sind da nicht hilfreich!

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