Ifo-Umfrage
Die Weltkonjunktur trotzt der Krise

Vierteljährlich befragen die Münchener Wirtschaftsforscher Experten in mehr als 90 Ländern, wie sie die Konjunkturentwicklung und andere Wirtschaftsdaten in ihren Heimatländern einschätzen. Die Befragung im August fiel überraschend aus - auch für die USA.

doh DÜSSELDORF. Trotz der Turbulenzen auf den Kapitalmärkten hat sich das Weltwirtschaftsklima im dritten Quartal 2007 deutlich gebessert. Sowohl die Einschätzung der derzeitigen wirtschaftlichen Lage als auch die Erwartungen für die nächsten sechs Monate haben sich verglichen mit dem zweiten Quartal verbessert. Das deute auf eine "robuste Weltkonjunktur im zweiten Halbjahr 2007" hin, sagte der Ifo-Branchenexperte Gernot Nerb dem Handelsblatt.

Die Wirtschaftsforscher haben mehr als 1000 Konjunkturexperten aus multinationalen Unternehmen und international agierenden Institutionen Ende Juli bis Anfang August befragt - also zu Beginn der Krise auf dem US-Hypothekenmarkt. Wie sehr die Situation in den USA ausufert, konnten die Befragten damals freilich nicht wissen.

Trotz der bereits damals aufkommenden Unruhe verbesserte sich das Wirtschaftsklima in allen drei großen Wirtschaftsregionen: Westeuropa, Asien - und Nordamerika. In den USA war das Barometer im zweiten Quartal erstmals seit vier Jahren unter seinen langfristigen Durchschnitt gefallen war. Nun wurden laut Ifo sowohl die Lageurteile als auch die wirtschaftlichen Erwartungen für das kommende Halbjahr sind nach oben revidiert. "Vor allem die Erwartungen sind überraschend gestiegen", sagte Ifo-Branchenexperte Nerb. Auf einer Skala von eins bis zum höchsten Wert neun seien die Erwartungen an die Exportwirtschaft auf sieben sowie an die Erwartungen in Hinblick auf die Investitionen auf sechs gestiegen. Nur die Aussichten für den Konsum seien mit einer Einschätzung von fünf weiterhin gering. Im Vorquartal seien noch alle Bereiche im Durchschnitt schlechter als mit fünf bewertet worden, so Nerb.

Diese Zuversicht erklärt sich der Ökonom damit, dass "die US-Wirtschaft in vielen Branchen wie dem Chemiesektor oder dem Maschinenbau sehr gut läuft". Der von der Krise erfasste Bau mache weniger als zehn Prozent der Wirtschaftsleistung aus, der Wohnungsbau freilich noch weniger. Auch, wenn es der Branche schlecht gehe, könne sie die Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes um maximal 0,2 bis 0,4 Prozentpunkte im Jahr dämpfen.

In Westeuropa kletterte der Ifo-Indikator erneut, nachdem er im zweiten Quartal ein sechsjähriges Hoch erreicht hatte. In allen Ländern außer Portugal bewerteten die Befragten die aktuelle Wirtschaftslage positiv. In Dänemark, Irland, Spanien und Großbritannien erwarten die Experten allerdings eine leichte konjunkturelle Verlangsamung in den kommenden sechs Monaten.

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