Im Eurogebiet bei vier Prozent
Inflation erreicht Rekordhoch

Nach Höchstpreisen bei Rohöl und Benzin hat nun auch die Teuerung in der Eurozone Rekordniveau erreicht. Die Jahresinflation stieg einer vorläufigen Schätzung zufolge auf 4,0 Prozent. Es ist die höchste Rate seit Einführung des Euro am 1. Januar 1999.

HB BRÜSSEL. Der bisherige Rekordwert von 3,7 Prozent im Mai wurde deutlich übertroffen, wie die Europäische Statistikbehörde Eurostat auf Grundlage einer vorläufigen Schätzung mitteilte. Es ist das erste Mal seit Beginn der regelmäßigen Inflationsmessungen durch Eurostat im Jahr 1997, dass die Preise um 4,0 Prozent über dem Vorjahresmonat liegen. Die nun erreichte Rate ist zudem die höchste seit Einführung des Euro am 1. Januar 1999.

Die Mehrheit der Bankvolkswirte hatte mit einer Inflationsrate von 3,9 Prozent im Juni gerechnet. Sollte der Ölpreis weiter in die Höhe schnellen, dürfte sie auch in den Folgemonaten weiter steigen, meinen die Analysten. Mittlerweile liegt die Teuerung in der Eurozone mehr als doppelt so hoch wie von der Europäischen Zentralbank (EZB) anvisiert. Die EZB sieht Preisstabilität bei einer HVPI-Jahresinflation von „unter, aber nahe 2,0 Prozent“ erreicht.

Die vorläufige Schätzung von Eurostat bezieht sich auf frühe Datenangaben aus 9 der 15 Staaten der Währungsunion, darunter Deutschland. Sie ist in der Regel sehr zuverlässig: Von den 24 vorläufigen Schätzungen der vergangenen zwei Jahre waren laut Eurostat 14 exakt, die übrigen 10 wichen nur um 0,1 Prozentpunkte von der endgültig festgestellten Inflationsrate ab.

In die Inflationsmessung von Eurostat gehen Lebensmittel- und Energiepreise, Wohnungsmieten und Telefongebühren, die Kosten für Kleidung, Körperpflege und Haushaltsgeräte, aber auch für Fahrzeuge, Unterhaltungselektronik und Restaurantbesuche ein. Auch die Kosten für Bankdienstleistungen und einzelne Versicherungen werden berücksichtigt.

In Deutschland, der größten Volkswirtschaft des gemeinsamen Währungsgebietes, sind vor allem Heizöl und Kraftstoffe die Preistreiber. Zu den Gründen für das Eurogebiet wird sich Eurostat erst am 16. Juli detailliert äußern.

Seit Anfang 2008 sind – abgesehen von April – jeden Monat neue Inflationsrekorde aufgestellt worden. In Deutschland hat sich die Teuerungsrate im Juni von 3,0 auf 3,3 Prozent beschleunigt, ergaben vorläufige Berechnungen des Statistischen Bundesamtes. Der Preisschub war so stark wie seit Dezember 1993 nicht mehr.

Streit in der Koalition

Die Rekordinflation sorgt auch für neuen Streit in der Großen Koalition. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat im Handelsblatt Einwände von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) gegen eine Zinserhöhung der EZB scharf zurückgewiesen. „Von Zinsempfehlungen der Politik halte ich deshalb überhaupt nichts.“ Die Entwicklung an der Preisfront bewertete er als „beunruhigend“.

Glos reagierte damit auf Äußerungen Steinbrücks zur Zinspolitik. Der Finanzminister hatte vor negativen Auswirkungen der für Donnerstag erwarteten EZB-Leitzinserhöhung auf die Konjunktur gewarnt. Die Äußerung zur Geldpolitik ist ungewöhnlich. Denn bisher war der Finanzminister immer wieder für das ungeschriebene Gesetz eingetreten, wonach sich die Politik nicht in Entscheidungen der Zentralbank einmischt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%