Im Profil: Oliver Holtemöller
Fasziniert von den Meteorologen

Der 38-jährige Oliver Holtenmöller wird dieser Tage die Leitung der Konjunkturabteilung des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) übernehmen. Damit gehört er zu den Experten, die der Regierung im Frühling und Herbst Empfehlungen und Konjunkturprognosen vorlegen. Holtemüller muss sich beweisen, denn der Job ist zeitlich begrenzt.
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HB. Der Wetterbericht im Ersten hat es Oliver Holtemöller angetan. Genauer gesagt: der 15-Tage-Trend der Tageshöchsttemperaturen. Die Bandbreite der Ergebnisse beschreiben Kachelmann und Co. mit Hilfe eines dunkel schattierten Bereichs, den Mittelwert mit einer hellen Linie. Je schmaler der dunkle Schatten um die mittlere Vorhersage, desto gesicherter die Vorhersage der Meteorologen.

An dieser Methodik will sich Ökonom Holtemöller ein Beispiel nehmen. Der 38-jährige Hesse übernimmt in diesen Tagen die Leitung der Konjunkturabteilung des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und gehört damit zu den Experten, die im Frühling und Herbst der Regierung eine Gemeinschaftsdiagnose mit wirtschaftspolitischen Empfehlungen und Konjunkturprognosen vorlegen. Dass die Auguren das Ausmaß der Krise völlig falsch eingeschätzt hatten, handelte ihnen nicht nur tosende Kritik ein – es schärfte auch die Erkenntnis, dass zu einer modernen Prognose Bandbreiten und Angaben über die Unsicherheit gehören.

Auf die Verbesserung solcher Prognoseintervalle will sich der Nachfolger des Hallenser Urgesteins Udo Ludwig in Halle konzentrieren. „Gute wissenschaftsbasierte Politikberatung“, sagt er, zeichne sich dadurch aus, „dass die Annahmen bekannt und die Schlussfolgerungen relevant“ seien. Weniger Ideologiedebatten, mehr theoretisch und empirisch gestützte Evidenz peilt Holtemöller an.

Bislang ist der Makroökonom, der zuletzt in Aachen eine Juniorprofessur hatte, jedoch selbst in der eigenen Zunft ein unbeschriebenes Blatt. In Halle sitzt er im doppelten Sinne auf einem Schleudersitz. Zum einen wird das Institut 2010 früher als turnusgemäß üblich evaluiert und über die Förderung aus Steuermitteln entschieden – nach dem Warnschuss der letzten Evaluation ist eine positive Bewertung unerlässlich. Zum anderen gilt der prestigeträchtige Regierungsauftrag für die Gemeinschaftsdiagnose nur bis Frühling, dann werden die Karten neu gemischt.

Holtemöller muss sich beweisen – und baut auf seinen Leitspruch: „Sapere aude – Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“.

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