IMK-Forscher Horn: „Rezession hängt an Deutschland wie ein Gewicht an den Füßen“

IMK-Forscher Horn
„Rezession hängt an Deutschland wie ein Gewicht an den Füßen“

Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Aufschwung – noch. IMK-Forscher gehen davon aus, dass die Krisenländer in der Rezession verharren – das bleibe nicht ohne Auswirkungen für Deutschland. Sie fordern Gegenmaßnahmen.
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Die Krise im Euroraum kann nach Meinung gewerkschaftsnaher Wirtschaftsforscher nur durch eine Abkehr vom bisherigen Sparkurs in den angeschlagenen Ländern der Währungsunion überwunden werden. Die „überharten Sparprogramme“ in den Euro-Krisenländern würden die Schuldenstände mittlerweile eher erhöhen als reduzieren, erklärte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung am Montag in Berlin. Das belegten aktuelle Studien und eigene Berechnungen des IMK. Striktes Sparen bremse den Wirtschaftsaufschwung demnach stärker als bisher gedacht.

Ein Kurswechsel ist aus Sicht des Instituts daher überfällig. Um Wachstum und Beschäftigung in Europa nicht noch weiter zu beeinträchtigen, sollten die Sparmaßnahmen abgemildert und zeitlich gestreckt werden. „Dass die harten Einschnitte in den Krisenländern nicht von Erfolg gekrönt sind, liegt nicht etwa an der laschen Umsetzung, sondern ist die makroökonomisch zwingende Folge eines sich selbst konterkarierenden Austeritätskurses“, erklärte das IMK. Staaten mit finanziellem Spielraum sollten die Konjunktur mit einer passenden Steuer- und Lohnpolitik sowie Investitionen fördern. Für Deutschland ergebe sich ein Spielraum von Lohnerhöhungen um rund 3,5 Prozent.

Das Institut bekräftigte seine im Dezember angehobene Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft. Das IMK rechnet weiterhin für 2013 mit einem Plus von 0,8 Prozent. Das Wachstum werde gestützt vom privaten Konsum und vom Export nach Osteuropa, Asien und Amerika. Doch könne dies die Nachfrageschwäche im Euroraum auf Dauer nicht ausgleichen, erklärte das Institut.

„Die deutsche Wirtschaft wird sich in diesem Jahr über Wasser halten können“, sagte der wissenschaftliche Direktor des IMK, Gustav Horn. „Doch die Rezession im Euroraum hängt ihr wie ein Gewicht an den Füßen.“

Die Düsseldorfer Forscher gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung der Euro-Zone im laufenden Jahr weiter um 0,5 Prozent schrumpft. Die Europäische Zentralbank rechnet ebenfalls nicht mit einem Ende der Rezession. Zuletzt haben sich jedoch ein paar Stimmungsindikatoren wie der deutsche Ifo-Index aufgehellt.

 
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  • 08.01.13 In der Wirtschaftsflaute sind intelligente Wachstumsimpulse dem blinden Sparen vorzuziehen.
    Fiskal- u. Wachstumspakt funktionieren nur als 2 Seiten derselben Medaille. Fiskal- u. Wachstumspakt, klug in ein Paket geschnürt sind 2 sich einander ergänzende Seiten einer Medaille. Temporär jeweils zur rechten Zeit eingesetzt lässt sich Europas Wirtschaft und sein Arbeitsmarkt zyklisch ganzheitlich steuern. Intelligente Wachstumsprogramme, im Konjunkturtal gesamteuropäisch eingesetzt, zünden einen stotternden EU-Wirtschaftsmotor, wenn er abzusaufen droht. Die Schuldenbremse, im Boom zur rechten Zeit gezogen, schützt vor Überhitzung. So steht es schon im Buch der nationalen Volkswirtschaften. Doch wie kann ein solcher Doppelpakt auch den Anforderungen der global vernetzten Volkswirtschaften unserer Tage gerecht werden? Schuldenbremse in prosperierenden Zeiten gezogen, ja. Aber nur in Verbindung mit einem ABS-Zündsystem“ für Zeiten der Abkühlung und Flaute. So lautet die intelligente Antwort für eine zyklisch gesteuerte, intelligent geschnürte Brems- u. Wachstumsstrategie. Ich nenne dies ein „Antiblockiersystem für den Wirtschaftsmotor“ (abgeleitet vom ABS-System moderner PKWs), wenn gebremst, gespart wird in den guten Zeiten. Und, wenn ausgegeben wird, was in schlechten Zeiten hilft, den Motor anzuwerfen. So wird aus 2 Schuhen ein Paar, das fortwährend laufen kann. Und, weil nationale Volkswirtschaften global miteinander verknüpft sind, müssen ihre Kolben im Wirtschaftsmotor aufeinander intelligent abgestimmt werden. Primär in der EU, gleichzeitig aber auch im globalen Konzert. Es lohnt sich, den Folgen des Raubeinkapitalismus intelligent die Stirn zu bieten.Wolfgang Werkmeister,Eschborn,Buchautor

  • Doch die Rezession im Euroraum hängt ihr wie ein Gewicht an den Füßen.“
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    also mit anderen Worten,hängen uns die Krisenländer
    an den Füßen.
    Man kann wie Frankreich schon praktiziert,darauf warten,
    das aus diesen Regionen bald der Slogan aus den dreißigern
    uns alle trifft.."Kauft keine deutschen Produkte"
    Ein Wachstumszuwachs von 0,75" für 2012,sind schon die ersten Auswüchse.
    Der Lokomotive geht die Puste aus,mit ihrem Anhang.
    Und sollten diese mal wieder Luft haben,wird bei denen
    die Nation an erster Stelle stehen,während wir auf der
    Kardiologie liegen.


  • Ich mag den Horn zwar nicht, aber hier hat er Recht
    Und vor allem sind diese Sparmaßnahmen ja nur, um die Banken zu retten.
    Wir müssen endlich auch mal Banken gesittet in die Insolvenz schicken

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