Index der Notenbank
Japans Zuversicht sinkt ins Bodenlose

Der Pessimismus in Japans Großunternehmen ist so groß wie seit sieben Jahren nicht mehr. Der Tankan-Index der Notenbank für die produzierende Industrie fiel im dritten Quartal von minus drei auf minus 24 Punkte. Das ist ein Punkt tiefer als erwartet und der niedrigste Wert seit März 2002.

TOKIO. Der Fall um 21 Punkte war zudem der schärfste Rückgang seit Februar 1975 - und ein Ende der Talfahrt ist noch lange nicht in Sicht. Am stärksten brach die Stimmung in der Autoindustrie ein: Dort ging der Wert von plus fünf auf minus 41 zurück - so viel wie noch nie. Aber auch in anderen Sektoren herrscht miese Stimmung.

Japans Wirtschaft steuert damit auf eine lang anhaltende Rezession zu, Hoffnungen auf eine kurze Delle haben sich zerschlagen. Die Großunternehmen fahren ihre Investitionen bereits zurück. Die kleineren und mittleren Unternehmen klagen zudem über Probleme, notwendige Kredite von den Banken zu bekommen.

Ein wichtiger Grund für den starken Stimmungseinbruch ist offenbar der starke Yen. Die Großhersteller kalkulierten für die zweite Hälfte des Finanzjahres mit einem Kurs von 101,04 Yen zum Dollar. Doch seit September ist der Yen um 17 Prozent zum US-Dollar gestiegen. Am Freitag bekam man bereits für 88,53 Yen einen US-Dollar - ein 13-Jahres-Hoch. Zuletzt wurde der Dollar mit knapp 91 Yen gehandelt. Die Aufwertung der Währung verringert den Wert von Auslandsverkäufen und untergräbt die Wettbewerbsfähigkeit japanischer Exportwaren.

Jeder Anstieg um einen Yen zum Dollar aufs Finanzjahr umgerechnet verringert etwa den Gewinn von Sony um sechs Mrd. Yen (49 Mio. Euro). Mit Blick auf den starken Yen und den Konsumrückgang hatte der Elektronik- und Unterhaltungskonzern kürzlich die Entlassung von 8 000 Festangestellten und 8 000 Zeitarbeitern weltweit angekündigt. In Japan wurde die Entscheidung als Verstoß gegen eine "gute Tradition des japanischen Management-Stils" heftig kritisiert. Beschäftigung sei "kein regulierendes Ventil" bei der Firmenführung, schrieb die Asahi-Zeitung. Die japanischen Großkonzerne hatten nicht einmal während der schweren neunziger Jahre Festangestellte entlassen. Die große Jobunsicherheit hat nach Ansicht von Beobachtern maßgeblich dazu beigetragen, dass das Verbrauchervertrauen im November auf den niedrigsten Stand seit Umfragebeginn 1982 gesunken ist.

Die schlechten Umfragewerte erhöhen den Handlungsdruck auf die Notenbank, die am Donnerstag zu einer zweitägigen Sitzung zusammenkommt. Gouverneur Masaaki Shirakawa erklärte, die Wirtschaft werde im nächsten Jahr möglicherweise schrumpfen. Offiziell geht die Notenbank noch von einem Wachstum von 0,6 Prozent aus. Nach einer Bloomberg-Umfrage rechnen elf Wirtschaftsbeobachter einstimmig damit, dass die Notenbank den Leitzins von 0,3 Prozent in dieser Woche nicht weiter herabsetzt.

Doch am Future-Markt wird eine Senkung um 25 Basispunkte bis März bereits mit einer Chance von 40 Prozent eingepreist, ein deutlicher Anstieg gegenüber vergangener Woche. Der frühere Vize-Gouverneur Toshiro Muto sagte in einem Interview, ein weiterer Zinsschritt habe zwar nur eine begrenzte Wirkung, unterstreiche aber symbolisch die Aktionsbereitschaft der Notenbank.

In den Details liest sich der Tankan-Report wie ein Dokument des Grauens. So sank der Index bei den Dienstleistern von plus eins auf minus neun - der erste negative Wert seit fünf Jahren und der sechste Quartalsrückgang in Folge.

Die kleineren Firmen, die vermehrt Probleme mit dem Zugang zu Krediten haben, sind ebenfalls stark pessimistisch gestimmt: Der Wert für das produzierende Gewerbe fiel um zwölf Punkte auf minus 29, für die Dienstleister um fünf Punkte auf ebenfalls minus 29. Befragt wurden 10 000 kleine, mittlere und große Unternehmen. Die vierteljährliche Erhebung gilt als zuverlässiges Barometer für das Geschäftsklima in Japan.

Die Großunternehmen wollen ihre Investitionen um 0,2 Prozent kürzen. Gleichzeitig stieg der Kapazitätsindex für Großhersteller, der die Fabrikauslastung misst auf den höchsten Wert seit 2004. Mangels Nachfrage füllen sich die Lager.

Der Tankan-Index beleuchtete auch wachsende Probleme vieler Unternehmen, sich mit Geld zu versorgen: Ein Umfragewert, der die Finanzposition der Großunternehmen misst, fiel von 15 auf sieben, der Wert für kleine Firmen auf minus 15.

Kein Wunder, dass der Ausblick der Industrie auf das erste Quartal 2009 düster ausfällt: Der Index für die Großindustrie soll bis März um weitere zwölf Punkte auf minus 36 fallen, der Index für die Dienstleister um fünf Punkte auf minus 14.

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